Finanzrisiken - Italiens Banken sitzen auf faulen Krediten

Auch neun Jahre nach der Finanzkrise belastet der Stillstand bei den notleidenden Krediten Italien, die drittgrösste Volkswirtschaft des Euroraums, weiter.
26.09.2017 20:09
Filiale der Banca di Roma, Teil der Unicredit-Gruppe.
Filiale der Banca di Roma, Teil der Unicredit-Gruppe.
Bild: cash

Die Regierung hat in den vergangenen Jahren Milliarden von Euro ausgegeben, um einige Banken zu rekapitalisieren und andere aufzulösen. Und die Banken haben fast 30 Mrd. Euro von den Aktionären beschafft, um ihre Finanzen zu stärken.

Jetzt kommt auf die Banken eine weitere Herausforderung zu: Die Bewältigung zweifelhafter Unternehmenskredite.

"Kredite, die wahrscheinlich uneinbringlich sind, sind die nächste Herausforderung für Banken", sagte Riccardo Serrini, Chef des Vermögensverwalters Prelios Credit Service. "Das sind in der Regel Firmenkredite, mit einer Art von Immobilien-Sicherheiten."

Die Banken müssen dabei vorsichtig sein, um die konjunkturelle Erholung in Italien nicht zu gefährden, da die Darlehen üblicherweise Unternehmen betreffen, die wirtschaftlich noch produktiv sind, wie Serrini am Rande einer Konferenz der Banca Ifis SpA sagte.

Bewertungslücke

Ebenso wie bei notleidenden Krediten besteht die Gefahr, dass der Markt nicht bereit ist, den Buchwert der zweifelhaften Forderungen zu bezahlen, was die Banken zwingen würde, noch höhere Verluste auszuweisen.

"Es dürfte eine Lücke von rund 10 Milliarden Euro geben", sagte Giovanni Bossi, CEO von Banca Ifis. Die Gesellschaft kauft und verwaltet faule Kredite. "Diese Kredite spiegeln Probleme italienischer Unternehmen wider, die in den meisten Fällen über Wasser gehalten und umstrukturiert werden können, also müssen die Kredite sorgfältig und von Fall zu Fall gehandhabt werden."

Nach der Bildung von Rückstellungen für faule Kredite sind die italienischen Banken jetzt stärker den wahrscheinlich uneinbringlichen Ausleihungen ausgesetzt. Die Branche hatte nach Angaben der Bank von Italien Ende vergangenen Jahres 126 Milliarden Euro an zweifelhaften Krediten in ihren Bilanzen verzeichnet, etwa ein Drittel der gesamten notleidenden Ausleihungen. Und während die Kreditinstitute Rückstellungen für 62 Prozent ihrer faulen Kredite gebildet haben, sind die wahrscheinlich uneinbringlichen Forderungen nur zu 33 Prozent abgedeckt.

Das Aufräumen sei bislang nur "der erste Schritt einer langen Reise", schrieben die Analysten Simonetta Chiriotti, Andrea Filtri und Riccardo Rovere der Mediobanca SpA, diese Woche in einer Einschätzung. "Italien hat nach wie vor Quoten bei notleidenden Engagements, die zwei- bis dreimal so hoch sind wie im EU-Durchschnitt."

Banca Carige Sunternimmt bereits Schritte, um ein Portfolio mit zweifelhaften Krediten zu verkaufen - eine der ersten Banken, die dies tun. "In den nächsten Jahren wird der Fokus auf wahrscheinlich uneinbringlichen Krediten liegen, und wir bewegen uns vor der Kurve," sagte Bankenchef Paolo Fiorentino kürzlich.

IFRS 9 Regeln

Als Reaktion auf die Finanzkrise wurden die neuen internationalen IFRS 9 Rechnungslegungs-Standards geschaffen. Diese verlangen von den Kreditgebern, Vorsorge für potenzielle Verluste zu treffen, sobald ein Darlehen ausgereicht wird. Derzeit müssen die Banken nur dann Wertberichtigungen vornehmen, wenn Verluste entstanden sind. Damit kann die Risikovorsorge bei einigen Banken unzureichend sein, und dies dürfte nach einem Bericht von Fitch Ratings besonders in den schwächsten europäischen Volkswirtschaften der Fall sein.

Die italienischen Banken könnten im schlimmsten Szenario bis zu 40 Milliarden Euro für erwartete Verluste unter den neuen Regeln benötigen, sagt Marta Bastoni, Analystin bei Bloomberg Intelligence in London.

Die Europäische Zentralbank erhöht den Druck zusätzlich. Die Bankenaufsicht hat dieses Jahr in Schreiben an die Kreditgeber Detailangaben gefordert, wie sie mit notleidenden Darlehen (NPL) umzugehen vorhaben. Die Leitlinien konzentrieren sich darauf, notleidende Kredite zu vermeiden. Aber kurzfristig könnten die Banken gezwungen werden, bestehende Forderungen neu als zweifelhaft oder faul zu klassifizieren.

"Die EZB-Leitlinien können zu einer Zunahme der NPL aufgrund von Fehlklassifizierungen führen", sagte Tom McAleese, Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft Alvarez & Marsal Inc. "Sie werden auch zu erhöhten Kreditverkäufen führen, die auf den von der EZB erwarteten NPL-Reduktionszielen basieren."

(Bloomberg)