Finanzwerte hieven den SMI über 8200 Punkte

Die Schweizer Börse hat ihren Vormarsch am Dienstag fortgesetzt. Schub erhielt der Markt von guten US-Konjunkturzahlen, erklären Händler. Gefragt waren vor allem Finanzwerte und Anteile von zyklischen Firmen.
30.08.2016 17:40
Würden von einer Zinserhöhung in den USA am meisten profitieren: die Banken (im Bild UBS und am Zürcher Paradeplatz).
Würden von einer Zinserhöhung in den USA am meisten profitieren: die Banken (im Bild UBS und am Zürcher Paradeplatz).
Bild: cash

Der SMI steigt bis Börsenschluss um 0,6 Prozent auf 8236 Punkte. Damit liess der Leitindex die Hürde von 8200 Zählern hinter sich, die er in den vergangenen Monaten nie nachhaltig überwinden konnte.

Die deutlich aufgehellte Stimmung der US-Konsumenten lockte Käufer an die Aktienmärkte. Das Barometer für das Konsumentenvertrauen kletterte im August auf 101,1 von 96,7 Punkte. Das ist der beste Wert seit fast einem Jahr. Von Reuters befragte Experten hatten nur mit 97,0 Zählern gerechnet. Der private Konsum ist der Eckpfeiler der amerikanischen Wirtschaft. Er macht etwa 70 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. Daher blickt auch die Notenbank Fed mit besonderem Interesse auf die Entwicklung, macht sie künftige Zinserhöhungen doch von der Konjunkturentwicklung abhängig. Wichtige Fed-Mitglieder hatten auf dem Notenbank-Treffen in Jackson Hole am Wochenende Zinsschritte signalisiert, den Zeitpunkt aber offengelassen. "Eine Zinserhöhung um einen Viertelprozentpunkt wäre nicht schlimm und könnte sogar als Zeichen interpretiert werden, dass es der Wirtschaft endlich bessergeht", sagt ein Händler.

Die Handelsumsätze seien weiterhin unterdurchschnittlich, erklären Marktteilnehmer. Die Anleger wollten sich vor wichtigen Konjunkturzahlen nicht recht aus der Deckung wagen. Das Interesse gilt dabei vor allem der monatlichen Job-Statistik der US-Regierung am Freitag. Davon wird Aufschluss über den Zeitpunkt der Fed-Zinserhöhung erhofft. Erste Hinweise dürften schon die Daten der privaten Arbeitsagentur ADP am Mittwoch und die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung am Donnerstag liefern.

Bankentitel gefragt

Gefragt waren vor allem Finanzwerte, die von steigenden Zinsen profitieren würden. Höhere Zinsen bedeuteten höhere Erträge und bessere Margen. Die Aktien der Credit Suisse legen 2,7 Prozent zu. Der US-Vermögensverwalter Capital Group hat seine Beteiligung an der Grossbank auf 5,05 Prozent erhöht. "Dies könnten den Aufwärtstrend der CS-Aktie im August erklären", sagt ein Händler.

Die Titel der UBS und des Vermögensverwalters Julius Bär stehen 1,5 und 1,3 Prozent höher. Die Bankaktien profitieren laut Händlern auch von den Plänen der italienischen Banken Unicredito und Monte Paschi di Siena, weniger Kapital aufzunehmen. Unicredito erwägt nach einem Bericht der Mailänder Zeitung "Il Sole 24 Ore", ein Paket notleidender Kredite abzustossen. Der europäische Bankenindex steigt um 1,8 Prozent.

Den stärksten Anstieg unter den Bluechips verbuchen die Papiere von Lafarge-Holcim mit einem Plus von 3,3 Prozent. Die Analysten von HSBC und Kepler Cheuvreux empfehlen die Titel des Zementproduzenten mit höherem Kursziel zum Kauf. Anteile anderer zyklischer Firmen wie Adecco, Clariant oder AMS zogen ebenfalls an.

Luxusgüteraktien uneinheitlich

Die Aktien des Luxusgüterkonzerns Richemont sinken um 0,1 Prozent. Die Aktien von Rivalin Swatch machen anfängliche Abschläge wieder wett und legen 0,2 Prozent zu. Auch Geberit holen Verluste auf und stehen leicht im Plus. Die Aktien des Agrarchemiekonzerns Syngenta notieren nach dem Vortagesplus 0,9 Prozent höher.

Bei den mehrheitlich festeren Versicherungswerten hinken Bâloise mit einem Plus von 0,8 Prozent anderen Branchenvertretern hinterher. Der Halbjahresgewinn des Versicherers sank wegen Kosten zur Bereinigung von Altlasten in Deutschland stärker als von Analysten erwartet um 10,1 Prozent auf 223,6 Millionen Franken. Die grösseren Versicherer Zurich und Swiss Re rücken 1,8 und 1,4 Prozent vor.

Die Index-Schwergewichte Nestlé, Novartis und Roche gewinnen knapp ein halbes Prozent an Wert.

Zum Teil starke Kursgewinne gibts am breiten Markt. "Die mittelgrossen Firmen präsentieren mehrheitlich überraschend gute Ergebnisse und das trotz des Frankenschocks", sagt ein Händler. Besser als erwartete Ergebnisse des Kabelherstellers Huber+Suhner und der Glasverpackungsfirma Vetropack werden mit Kursgewinnen von 4,2 und 5 Prozent honoriert.

(Reuters)