Finanzwesen - Deutsche Bank startet mit Gewinnsprung ins neue Jahr

Nach zwei schweren Jahren steigen die Gewinne bei der Deutschen Bank wieder.
27.04.2017 08:53
John Cryan, CEO der Deutschen Bank.
John Cryan, CEO der Deutschen Bank.
Bild: Bloomberg

Ein stärkerer Anleihehandel und ein in Teilen besser laufendes Investmentbanking glichen Schwächen im Aktienhandel und bei der Tochter Postbank aus. Gleichzeitig ging die Risikovorsorge im Kreditgeschäft zurück und Einsparungen machten sich positiv bemerkbar.

Im ersten Quartal erhöhte sich dadurch der Gewinn vor Steuern um 52 Prozent auf 878 Millionen Euro, wie das Frankfurter Geldhaus am Donnerstag mitteilte. Das war mehr als Analysten erwartet hatten. Unterm Strich lag der Gewinn sogar mehr als doppelt so hoch bei 575 Millionen Euro. "Das Kundengeschäft läuft sehr erfreulich, wir verzeichnen in allen Bereichen der Bank Zuflüsse, und die Aktivität an den Märkten erholt sich", erklärte Bankchef John Cryan.

Die Erträge - die gesamten Einnahmen - rutschten indes um 9 Prozent auf gut 7,3 Milliarden Euro ab. Die Deutsche Bank begründete dies im Wesentlichen mit einem buchhalterischen Effekt und zwar mit Veränderungen der Risikoprämien auf ihre Verbindlichkeiten. Das überzeugte die Anleger jedoch nur bedingt: Vorbörslich schwankten die Aktien stark zwischen Plus und Minus - zuletzt gaben sie deutlich nach.

Die Deutsche Bank hatte im vergangenen Jahr zwischenzeitlich mit der Abwanderung von Kunden zu kämpfen, nachdem Sorgen um die Kapitalausstattung des Geldhauses aufgekommen waren. Die Lage hat sich jedoch deutlich entspannt: Die Bank konnte wichtige Rechtsstreitigkeiten beilegen und besorgte sich unlängst über eine Kapitalerhöhung rund 8 Milliarden Euro frisches Geld.

Unter Berücksichtigung der allerdings erst im April abgeschlossenen Kapitalerhöhung lag die harte Kernkapitalquote zuletzt pro-forma bei komfortablen 14,1 Prozent, ohne bei 11,9 Prozent und damit leicht über dem Wert vom Jahreswechsel. Vor einem Jahr hatte die Kernkapitalquote erst bei 10,7 Prozent gelegen.

Verkleinerung des Filialnetzes

"Unsere Kunden kommen zurück nach den Turbulenzen im vergangenen Herbst", schrieb Bankchef Cryan in einem Brief an die Mitarbeiter. Er verwies unter anderem auf Nettozuflüsse von 5 Milliarden Euro bei der Vermögensverwaltungstochter Deutsche Asset Management, die vor allem für ihre DWS-Fonds bekannt ist. Im Rahmen der von Cryan angestossenen Neuaufstellung der Deutschen Bank soll die Deutsche Asset teilweise an die Börse gebracht werden. Die Vorbereitungen dazu verliefen "vielversprechend", erklärte der Bankchef.

Gleichzeitig macht die Deutsche Bank Tempo bei der Verkleinerung ihres Filialnetzes. 130 von bundesweit 188 Filialen, die auf der Streichliste stehen, sind bereits geschlossen, teilte das Institut mit. Deutschlands grösstes Geldhaus will künftig die Kunden im Inland in 535 Filialen bedienen, zusätzlich wurden acht Beratungscenter eröffnet, in denen sich Kunden ausserhalb der regulären Filial-Öffnungszeiten - unter anderem an Samstagen - zu finanziellen Fragen informieren können.

Die Anzahl der Mitarbeiter sank seit dem Jahresende 2016 bis Ende März des laufenden Jahres konzernweit um knapp 1600 auf 98 177 Vollzeitkräfte. In Deutschland verringerte sich die Zahl der Vollzeitkräfte von 44 600 zum Jahresende auf 44 132 zum Ende des ersten Quartals 2017. Ein Jahr zuvor hatte Deutschlands grösstes Geldhaus weltweit noch 101 445 Mitarbeiter. Die Deutsche Bank hatte angekündigt, bis 2018 weltweit 9000 Arbeitsplätze abzubauen, davon 4000 in Deutschland.

(AWP)