Findet die Rohstoff-Baisse einen Boden?

Rohöl, Gold oder Aluminium haben jüngst stark gelitten. Haben sie dennoch Platz in einem Portfolio? cash macht den Rohstoff-Test.
22.09.2014 01:05
Von Ivo Ruch
Die Preise für Kupfer stehen unter Druck.
Die Preise für Kupfer stehen unter Druck.
Bild: Bloomberg

Rohstoffe durchleben derzeit verlustreiche Wochen. Der Bloomberg Commodity Index, der 22 Rohstoffe abbildet, fiel jüngst auf den tiefsten Stand seit fünf Jahre. Alleine in diesem Jahr beträgt das Minus mehr als 4 Prozent.

Ein Hauptgrund für diesen Rückgang auf breiter Front ist die Stärke des US-Dollar. Aber auch die ungewissen wirtschaftlichen Aussichten in Asien und insbesondere in China haben auf die Nachfrage gedrückt. Zudem herrsche bei verschiedenen sogenannten Schlüsselrohstoffen ein Überangebot, schreibt Rohstoffexperte Ole Hansen in einem aktuellen Marktkommentar der Saxo Bank.

Gerade im Vergleich mit anderen Anlageklassen wie Aktien oder Immobilien haben Rohstoffe bereits in den letzten Jahren underperformed. "Viele Investoren haben Rohstoffe gewissermassen vergessen", sagt Christoph Eibl vom Vermögensverwalter Tiberius zu cash. Dieses mangelnde Interesse biete aber den Vorteil, dass der Markt nun bereinigt sei und Einstiegschancen biete.

Eher zurückhaltend ist Norbert Rücker vom Rohstoff-Team der Bank Julius Bär. Geht es nach ihm, ist die globale wirtschaftliche Erholung noch zu wenig fortgeschritten, um die Nachfrage nach Rohstoffen deutlich zu steigern. "Zudem befinden wir uns derzeit in der Abschwächungsphase eines Rohstoffe-Super-Zyklus", so Rücker zu cash. Welche Rohstoffe sind zuletzt am stärksten unter Druck gekommen und welche bieten noch Potenzial? Folgende Rohstoffklassen sollten Anleger im Fokus behalten:

Energie

Ein Barrel Rohöl Brent kostet derzeit rund 97 Dollar. So wenig musste zuletzt Mitte 2012 bezahlt werden. Seit Anfang Jahr beträgt das Minus 12 Prozent. Der Grund: Es gibt zu viel Öl auf dem Markt. Denn die USA fördern immer mehr Erdöl durch die neuartige "Fracking"-Methode. Gleichzeitig liefern der Irak und Russland trotz geopolitischer Krisen weiterhin Öl oder Gas. Schliesslich hat das von Stammeskämpfen geprägte Libyen überraschend seine Ölförderung vervierfacht.

Laut der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) deutet derzeit vieles auf ein weiterhin steigendes Angebot bei sinkender Nachfrage hin. Für die zukünftige Öl-Nachfrage wird nicht zuletzt die chinesische Konjunktur entscheidend sein. Diesbezüglich dürfte eine Finanzspritze der chinesischen Notenbank in Höhe von 81 Milliarden Dollar für Unterstützung sorgen. Bleibt aber ein starkes Wirtschaftswachstum auf globaler Ebene weiterhin aus, wird auch der Ölpreis unter Druck bleiben.

Industriemetalle

Sie gelten als das Rückgrat der Weltwirtschaft, ohne die kaum ein Fahrzeug, Gebäude oder elektronisches Gerät entstehen kann. Diese Rohstoffklasse gehört zu den Gewinnern in diesem Jahr, auch wenn sie in der letzten Woche mehr als drei Prozent verloren hat. Nickel hat sich seit Februar um 40 Prozent verteuert - getrieben wird der Preis von Angebotssorgen.

Es kursieren Nachrichten, wonach sich die Philippinen Indonesien beim Exportverbot für unbehandelte Erze anschliessen würden. Metalle wie Kupfer und Aluminium kamen in den vergangenen Wochen allerdings unter Abgabedruck. Auch der Kupferpreis ist stark von der chinesischen Konjunktur abhängig, weshalb Goldman Sachs die Preisprognose deutlich gesenkt hat.

Für Aluminium und Zink hingegen erwarten verschiedene Experten anziehende Notierungen in den kommenden Monaten: Bei Aluminium stehen wichtige Anbieter im Begriff, ihre Kapazitäten zurückzufahren. Zudem stehen grosse Zinkminen vor der Schliessung.

Edelmetalle

Ist die Goldparty zu Ende? Nachdem der Goldpreis im ersten Quartal des Jahres deutlich zulegen konnte, ist das Plus seit Jahresbeginn nun auf 1,5 Prozent zusammengeschmolzen. Derzeit kostet eine Feinunze etwa 1225 Dollar. Edelmetalle leiden generell unter steigenden Zinsen, weil diese die Wahrscheinlichkeit anziehender Inflation schmälern. Damit verliert beispielsweise Gold seine Attraktivität als Inflationsabsicherung. Eine Zinserhöhung in den USA rückt immer näher.

Kommt hinzu, dass der Bedarf an sicheren Häfen abgenommen hat, seit sich Kiew und Moskau um einen Waffenstillstand in der Ostukraine bemühen. Genauso wichtig für die Goldpreis-Entwicklung ist die Nachfrage nach physischem Gold. Und diese hat gerade von Seiten der Schmuckindustrie stark nachgelassen. Schlussendlich sorgt ein starker Dollar für einen schwachen Goldpreis.

Auch bei Palladium mussten gewinnverwöhnte Anleger jüngst einen Rückschlag hinnehmen. In den letzten vier Wochen hat der Preis um 7 Prozent auf 821 Dollar nachgegeben. Die UBS-Analysten schreiben in einem Kommentar, solange Palladium unter 860 Dollar notiere, seien Kurserholungen mit Vorsicht zu geniessen. Beim Gold würde Christoph Eibl auf einen Fall unter 1200 Dollar zuwarten. "Das wäre eine interessante Kaufoption."

Agrargüter

In jüngster Zeit haben die beiden Kaffeesorten Arabica und Robusta zwar deutlich an Wert verloren. Grössere Verluste hat nur Rohzucker eingefahren, der zuletzt so billig war wie im Frühling 2010. Dennoch: In diesem Jahr gehört Kaffee zu den Agrargütern mit den stärksten Kursanstiegen. Eine lange Dürrephase im wichtigen Anbauland Brasilien hat die Preise in die Höhe getrieben. Die revidierten Produktionserwartungen für Brasilien und ganz Lateinamerika werden Kaffee auch in den kommenden Monaten im Hoch halten.

Dem gegenüber stehen die Mais- und Sojaernten, die als äusserst aussichtsreich gelten. Anleger sollten aber beachten, dass die Entwicklung von Agrargüterpreisen von einer Vielzahl wirtschaftlicher und politischer Faktoren abhängt, die berücksichtigt werden sollten.

 

Ausgewählte Rohstoff-Fonds und ETF

Fonds Valor Währung Performance 2014, in % Performance 3 Jahre, in %
J. Bär Precious Metals - Physical Palladium Fund 10640735 GBP +28 +26
UBS ETF - Palladium 11892902 USD +24 +22
Custom Markets plc - CS MLP Index Fund 20818343 EUR +17 n.a.
BBGI Commodities 2248527 USD +14 -9
Swiss Franc Daily Hedged Longer Dated Agriculture 20135848 CHF +14 n.a.

Quelle: cash.ch, Stand 19.9.2014