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Findet Swatch Group zur alten Form zurück?

Die Inhaberaktie der Swatch Group gilt 12 Prozent weniger als noch vor vier Wochen. Die Gründe sind vielfältig. Findet der einstige Anlegerliebling zur alten Form zurück?
15.05.2015 08:24
Von Lorenz Burkhalter
Ist für seinen ungebrochenen Optimismus bekannt: Swatch-Chef Nick Hayek.

Wie der Vater, so der Sohn: Hört man den Chef Nick Hayek sprechen, dann ist der Himmel über der Swatch Group weiterhin wolkenlos. Schon sein Vater Nicolas war für seinen ungebrochenen Optimismus bekannt.

Die Aktienkursentwicklung spricht diesmal aber eine ganz andere Sprache: Innerhalb von weniger als vier Wochen haben die Valoren des in Neuenburg beheimateten Luxusgüterherstellers gut 12 Prozent ihres Werts eingebüsst. Seit Mitte Mai letzten Jahres hat das Unternehmen sogar gut einen Viertel des Börsenwerts verloren.

Analysten bleiben eher skeptisch

Nach der diesjährigen Uhrenmesse "Baselworld" von Ende März zeigte sich Nick Hayek im Gespräch mit der Schweizer Presse zuversichtlicher denn je. Der Bestellungseingang habe selbst ihn positiv überrascht, so sagte er damals. Darauf abgestützt stellte er für das laufende Geschäftsjahr ein Umsatzwachstum in Lokalwährungen am oberen Ende der ursprünglichen Zielbandbreite von 5 bis 10 Prozent in Aussicht.

Analysten gehen allerdings weiterhin nur von einem Wachstum zu konstanten Wechselkursen von etwas mehr als 5 Prozent aus und liegen mit ihren Schätzungen am unteren Ende der firmeneigenen Bandbreite.

Als bremsend erweist sich auch der wieder erstarkte Franken. Denn die Swatch Group erzielt neun von zehn Franken im Ausland. Gleichzeitig fällt knapp die Hälfte der Kosten in Franken an.

Besorgniserregend hohe Lager

Bei dieser Konstellation überrascht es nicht, dass Nick Hayek nach der Aufgabe des Euro-Mindestkurses von Mitte Januar mehrfach harsche Kritik an der Schweizerischen Nationalbank und ihrer Zins- und Geldpolitik übte.

Für Gesprächsstoff sorgen in Analystenkreisen die stark gestiegenen Lagerbestände. Es gibt mittlerweile sogar Analysten, die über die nächsten Monate mit einem Anstieg der Lager auf 70 Prozent des Jahresumsatzes rechnen. Der Durchschnitt der letzten zehn Jahre liegt hingegen bei 48 Prozent. Die hohen Lagerbestände binden Kapital und schmälern so die Dividendenaussichten.

Angst vor der Smart Watch

Vom Anfang Juni anstehenden Dividendenabgang errechnet sich gerademal eine Rendite von 1,9 Prozent. Damit zählt die Swatch Group zu den dividendenschwächsten Unternehmen im Swiss Market Index (SMI). Die durchschnittliche Rendite der SMI-Gesellschaften liegt nämlich noch immer bei knapp 3 Prozent.

Neben dem wieder starken Franken und den besorgniserregend hohen Lager drückt auch die Angst vor einem intensiveren Wettbewerb im Geschäft mit Uhren auf die Stimmung.

Das US-Kultunternehmen Apple und andere grosse Anbieter wollen sich mit vernetzbaren elektronischen Uhren, sogenannten Smart Watches, ein Stück des Kuchens abschneiden. Betroffen ist vor allem das für die Swatch Group wichtige tiefe und mittlere Preissegment. Dieses trägt bei den Westschweizern rund einen Drittel zum Jahresumsatz bei.

Ticken die "Uhren" bald wieder im Gleichtakt?

Namen- und Inhaberaktien werden in Händlerkreisen auch liebevoll als "Uhren" bezeichnet. In den letzten Jahren wurde die deutlich häufiger gehandelte Inhaberaktie mit einem Aufschlag von bis zu 25 Prozent zur Namenaktie gehandelt. Das ist eigentlich unlogisch, haben Anleger über die Namenaktie doch fünfmal mehr Stimmengewalt als über die Inhaberaktie.

Der Grund liegt darin, dass sich international tätige Grossinvestoren lieber in den umsatzstärkeren Inhaberpapieren tummeln. Zuletzt ist die Bewertungsdifferenz zwischen den beiden Titelkategorien auf rund ein Prozent geschmolzen. Es ist anzunehmen, dass die Differenz ganz verschwindet und die "Uhren" bald wieder im Gleichtakt ticken.

Aufgrund des hohen Umsatzanteils im Ausland sind die Aktien der Swatch Group vor allem eine Wette auf einen schwächeren Franken. Sollte dieser vor allem gegenüber dem Dollar an Wert einbüssen, spräche das für einen steigenden Aktienkurs. Die verhaltenen Dividendenaussichten und die nach den optimistischen Aussagen von Nick Hayek mittlerweile recht hohe Erwartungshaltung sprechen aus Anlegersicht eher gegen einen Einstieg. Es wird vermutlich Jahre dauern, bis die Swatch Group an den Erfolg alter Tage anknüpfen kann. Bis dahin wird den Anlegern wohl einiges an Geduld und starke Nerven abverlangt.