Firmen suchen mehr Schutz vor Cyberangriffen

Wegen zunehmender Hackerangriffe wollen sich immer mehr Firmen in Deutschland gegen solche Risiken absichern.
16.07.2016 15:24

Deshalb greifen Manager verstärkt zu einer sogenannten Cyberversicherung, um sich etwa gegen die Folgen von Sabotageattacken und Datenklau übers Internet zu wappnen, sagte Peter Grass vom Versicherungsverband GDV zu Reuters. "Das wird künftig eine Selbstverständlichkeit sein für alle Unternehmen, deren Geschäftsmodell IT-abhängig ist." Die Entwicklung sei "rasant - auch weil Öffentlichkeit und Politik immer deutlicher wahrnehmen, dass das ein volkswirtschaftliches Problem sein kann". Cyberattacken auf Firmen nahmen laut einer KPMG-Studie zwischen 2013 und 2015 um 50 Prozent zu und sorgen im Schnitt für rund 70.000 Euro Schaden.

Der Markt steckt noch in den Kinderschuhen, auch wenn GDV-Experte Grass Deutschland im EU-Vergleich "sehr weit vorne" sieht. "Es gibt weltweit nur einen entwickelten Markt - die USA", sagte Grass, der beim Verband den Bereich Haftpflicht und Kreditversicherung leitet. In Deutschland buhlen die ersten eigenständigen Cyberversicherungen seit 2011 um Kunden.

Feuerversicherung des 21. Jahrhunderts

Die Allianz -Industrieversicherungstochter AGCS ist damit seit 2013 für Grossunternehmen aktiv. Der AGCS-Geschäftsführer für Zentral- und Osteuropa, Christopher Lohmann, sieht die Spezialpolicen in den USA schon fest etabliert und schätzt das jährliche Prämienvolumen auf rund 2,5 Milliarden Dollar. Wegen des zunehmenden Risikobewusstseins in vielen Firmen und der zugleich steigenden Bedrohung rechnet er bis 2025 mit einem weltweiten Wachstum der jährlichen Einnahmen durch Cyberversicherungen von 20 Prozent. "Vieles spricht dafür, dass sich Cyberversicherungen zur Feuerversicherung des 21. Jahrhunderts entwickeln werden", erläuterte Lohmann.

Die Allianz will nun auch für Mittelständler eine passende Police anbieten. "CyberSchutz" soll verschiedene Schäden abdecken. Sollte es wegen eines Angriffs zu einer Betriebsunterbrechung beim Kunden kommen, zahlt der Versicherer unter anderem den entgangenen Gewinn. Kunden müssen mit einem drei- bis vierstelligen Euro-Beitrag pro Jahr rechnen.

(Reuters)