Firmenchefs trauen Börsenhausse nicht mehr

Die Zahl der Insiderkäufe ist an der Schweizer Börse zuletzt massiv gesunken. Das ist ein schlechtes Zeichen für private Anleger.
19.02.2013 01:47
Von Pascal Meisser
Nach Ansicht von Top-Managern wechselt die Börsenlampe bald auf Rot.
Nach Ansicht von Top-Managern wechselt die Börsenlampe bald auf Rot.
Bild: cash

Im Februar hat sich der Optimismus der Schweizer Firmenchefs für die weitere Börsenentwicklung drastisch eingetrübt. Darauf deuten zumindest die Angaben über Insiderkäufe hin, die täglich auf der Internetseite der Schweizer Börse SIX publiziert werden. So sind bislang für den Monat Februar gerade mal 36 Käufe verzeichnet worden, die nicht im Zusammenhang mit Optionsplänen von Unternehmen stehen, wie eine Analyse  von cash zeigt.

Das sind deutlich weniger als noch gegen Ende des letzten Jahres. Im November 2012 kauften Top-Manager von Schweizer börsenkotierten Unternehmen noch 96-mal eigene Aktien, im Dezember waren es immerhin 88-mal.  Bereits kurz nach dem Jahreswechsel machte sich auf der Teppichetage Vorsicht breit. Für den Januar weist die SIX 70 Insiderkäufe aus.  

Zuletzt hat auch an den Börsen die Kursdynamik nachgelassen. Im Januar hat der SMI noch über 8 Prozent gewonnen und den besten Start in ein neues Jahr seit 16 Jahren hingelegt. Im Februar schaute bislang eine Performance von knapp 1 Prozent heraus.

Verlässlicher Indikator

Top-Manager sind in der Regel ein verlässlicher Indikator, wenn es um die künftige Börsenentwicklung geht. Mit ihrem Insiderwissen kaufen sie ihre Aktien, wenn sie diese als unterbewertet betrachten, und verkaufen dann, wenn die Aussichten auf weitere Kursgewinne sich verschlechtern.

Manager sind dazu verpflichtet, der SIX Käufe und Verkäufe von eigenen Beteiligungspapieren zu melden. Diese Angaben werden von Investoren häufig für eigene Anlageentscheide herbeigezogen. Relevant sind vor allem die Aktienkäufe, denn diese weisen auf die Einschätzung des Geschäftsverlaufs durch das Management hin. Verkäufe hingegen können auch andere Gründe wie Liquiditätsmangel oder Diversifikation des Portfolios haben.

Insider liegen meist richtig

Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass Insider in den meisten Fällen richtig liegen. In den letzten zehn Jahren hat die Aktie eines Insiders in den ersten 50 Tagen nach dem Kauf 3,3 Prozent besser performt als der Marktdurchschnitt. Auch im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise haben Manager zumindest teilweise ein gutes Händchen bewiesen. Zar hatte niemand den Zusammenbruch des Marktes 2008 erwartet. Bei der Erholung der Aktienmärkte ein Jahr später hatten sich Insider so optimisch wie nie innerhalb dieser Dekade gezeigt.

Auf eine nachlassende Zuversicht deuten aber auch andere  Börsenstimmungsbarometer hin. An der Derivatebörse Scoach haben sich zuletzt Anleger wieder vermehrt mit Puts gegen Kursverluste absichern wollen. Das enstsprechende  Put/Call-Ratio stieg von 39 auf 52 Prozent. Und auch der Julius-Bär-Composite-Sentiment-Index verharrt auf Tiefständen. Seit gut einem Jahr fielen die Werte nicht mehr so schlecht aus wie heute.