Firmenergebnisse verstimmen Anleger an Schweizer Börse

Die Schweizer Börse hat am Freitag schwächer tendiert. Enttäuschende Firmenergebnisse, die Aussicht auf eine baldige Zinserhöhung in den USA und der zum Euro erstarkte Franken drückten auf die Stimmung, sagten Händler.
21.10.2016 17:30
Erneut sehen die Anleger an der Schweizer Börse rot.
Erneut sehen die Anleger an der Schweizer Börse rot.
Bild: cash

Der SMI verlor 0,4 Prozent auf 8035 Punkte und verbucht die vierte Woche in Folge Kursverluste.

"Wir spüren die Nachwehen der enttäuschenden Ergebnisse der Schwergewichte Nestle und Novartis vom Donnerstag", sagte ein Händler. Dazu kämen die Ausblicke des deutschen Automobilkonzerns Daimler und des US-Industriekonzerns General Electric, die die Erwartungen ebenfalls nicht erfüllen konnten. "Das hat die Anleger etwas verstimmt. Sie wollen nun sehen, wie sich die Bilanzsaison weiter entwickelt", sagte ein Händler.

Auch der zum Euro erstarkte Franken dürfte ausländische Anleger zu Verkäufen veranlasst haben, sagte ein Händler. ein teurer Franken verschlechtert die Wettbewerbsposition der stark auf Europa ausgerichteten Industriefirmen.

Am Donnerstag hatte EZB-Chef Mario Draghi einer baldigen Drosselung der Wertpapierkäufe eine Absage erteilt, was den Euro sowohl zum Dollar als auch zum Franken schwächte.

Actelion unter Druck

Die Aktien von Actelion büssten weitere 2,6 Prozent ein. Der Titel der Biotechfirma war am Donnerstag trotz besser als erwartetem Zwischenbericht und erneut angehobener Prognose nach Gewinnmitnahmen eingebrochen. Händler sagten, möglicherweise habe ein Fonds oder ein anderer Grossanleger seine Position in der Aktie reduziert, die sich in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich gut entwickelt habe.

Die Papiere von Nestle setzten den Abwärtstrend vom Vortag ebenfalls fort und wurden um 1,2 Prozent tiefer bewertet. Der Nahrungsmittelriese hatte nach einem schwächer als erwarteten Wachstum im dritten Quartal die Ziele gesenkt , was den Titel unter Druck gesetzt hatte. "Und heute haben ein paar Analysten ihre Schätzungen und Kursziele nach unten revidiert", sagte ein Händler.

Die Genussscheine von Roche stabilisierten sich. Der Pharmariese hatte am Donnerstag einen Zwischenbericht vorgestellt, der den Erwartungen nicht ganz genügen konnte. Der "Bon" war um ein Prozent gefallen.

Die Aktien von Rivale Novartis büssten 0,4 Prozent ein. Die Anleger verkauften vor dem in der kommenden Woche erwarteten Quartalsausweis, hiess es am Markt. Analysten erwarten einen leicht tieferen Gewinn.

Die Bankenaktien legten mehrheitlich zu. Eine tiefe Bewertung, eine Kaufempfehlung von HSBC für Credit Suisse und die Hoffnung, dass nach dem unerwartet guten Abschneiden der US-Konkurrenten auch die hiesigen Geldhäuser besser als erwartet gearbeitet haben könnten, lockten Anleger an. Credit Suisse legten 0,1 Prozent zu und Julius Bär stiegen um 0,4 Prozent und UBS gewannen ebenfalls 0,4 Prozent. CS kann das Verfahren der italienischen Behörden in Zusammenhang mit dem grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäft mit Zahlungen von insgesamt 109,5 Millionen Euro abhaken.

Swiss Re gewannen 0,6 Prozent und Zurich legten 0,4 Prozent zu. Der Hurrikan "Matthew" kostet die Versicherer und Rückversicherer nach Expertenschätzungen allein in den USA bis zu fünf Milliarden Dollar und könnte für die Branche der teuerste Hurrikan über dem Atlantik seit "Sandy" vor vier Jahren sein, so der kalifornische Risikomanager RMS.

Bei den zyklischen Werten legten Adecco dank guter Ergebnisse von Rivale Manpower 3,1 Prozent zu. Den beiden Luxusgüterwerten Richemont und Swatch machte der starke Franken zu schaffen. Die Titel sanken um 1,2 und 0,7 Prozent.

Die Aktien von Newron legten 5,3 Prozent zu. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat den von der Biotechfirma neu eingereichten Zulassungsantrag für das Parkinson-Medikament Xadago (Safinamide) als vollständige Antwort der Klasse 2 eingestuft. Bossard gewann 2,1 Prozent. Die Schraubenhandelsfirma übernimmt den US-Konkurrenten Arnold Industries mit einem Jahresumsatz von 40 Millionen Dollar.

(Reuters)