«Flash Crash» beim Pfund hatte mehrere Ursachen

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) fand keinen singulären Verdachtsmoment bei ihrer Untersuchung zum Flash-Crash des britischen Pfunds.
21.01.2017 05:30
 Hochfrequenzhandel kann zu sogenannten Flash-Crashs führen.
Hochfrequenzhandel kann zu sogenannten Flash-Crashs führen.
Bild: ©Sehenswerk/Fotolia.com

Sie nannte stattdessen Gründe wie den Zeitpunkt innerhalb des Tages bis hin zu fehlender Erfahrung bei Mitarbeitern als Gründe hinter dem rapiden Kursverfall der Währung.

Das Pfund stürzte am 7. Oktober im Zeitraum von zwei Minuten um mehr als sechs Prozent im Übernachthandel ab. Daten von Bloomberg zeigen, dass die Währung die Marke von 1,1841 Dollar touchierte - den niedrigsten Wert in 31 Jahren. Der Flash-Crash verstärkte noch die Belastungen des ohnehin schon angeschlagenen Pfunds, das seit Grossbritannien im Juni für ein Verlassen der Europäischen Union stimmte, 18 Prozent verloren hat.

Die Analyse, die in Zusammenarbeit mit der Bank of England erstellt wurde, führt die Bewegung auf ein Zusammentreffen mehrerer Faktoren zurück und weniger auf eine einzige klare Ursache. Eine Rolle spielt unter anderem die Uhrzeit mitten in der Nacht, zu der der Markt wesentlich anfälliger für Ungleichgewichte im Orderfluss ist, wie die BIZ sagte. Die signifikante Nachfrage, Pfund zu verkaufen, um Options-Positionen abzusichern, sowie die Ausführung von Stop-Loss-Aufträgen als die Währung zu fallen begann, hatten Einfluss auf die Bewegung. Hinzu kam die Anwesenheit von Mitarbeitern mit wenig Erfahrung in der Eignung bestimmter Algorithmen für diese Marktkonditionen, was die Bewegung verstärkte, so der Bericht.

Der Flash-Crash war "kein neues Phänomen," heisst es im Bericht. "Vielmehr kennzeichnet er einen weiteren Datenpunkt in einer Serie von Flash-Events in einer breiteren Anzahl von Märkten mit schnellem elektronischem Handel als dies zuvor der Fall war, einschliesslich von Märkten, deren Grösse und Liquidität sie bislang vor solchen Ereignissen schützten."

Der BIZ-Bericht identifiziert drei eigenständige Stufen in dem Flash-Crash:

  • Stufe 1: kurz nach Mitternacht Londoner Handelszeit stieg das Handelsvolumen steil nach oben und das Pfund begann zu fallen; die Pfund-Dollar Geld-Brief-Spanne blieb kaum verändert.
  • Stufe 2: Um 12:07:15 Uhr stoppte die CME den Handel auf der Futures-Börse für zehn Sekunden, als Folge der grossen Bewegungen der vorangegangenen zwei Sekunden. An diesem Punkt weitete sich die Geld-Brief-Spanne im Kassa-Handel signifikant; nachdem 1,24 Dollar erreicht wurden beschleunigte das Pfund seinen Fall und die Marktfunktion verschlechterte sich weiter. Um 12:07:34 Uhr erreichte das Pfund 1,20 Dollar und die Bewegung hatte die ruhenden Pfund-Bids auf mehreren elektronischen Handelsplattformen aufgebraucht.
  • Stufe 3: Um ca. 12.20 Uhr hatten sich die Kurse im Termin- als auch im Kassa-Markt bei 2,2 Prozent unter dem Wert unmittelbar vor dem Ereignis eingefunden.

Der Bericht stellt fest, dass es zu keinen substantiellen Verlusten bei systemischen Finanzinstituten und nur zu kleineren Auswirkungen auf andere Währungen oder Anlageklassen kam. Dennoch haben laut BIZ plötzliche Bewegungen das Potential, das Vertrauen in die Finanzmärkte zu schädigen und damit die Realwirtschaft zu beeinflussen, was bedeute, dass die Politik ein Verständnis für derartige Ereignisse entwickeln müsse.

Der Pfund-Flash-Crash steht in einer Reihe mit ähnlichen Vorkommnissen beim südafrikanischen Rand und dem neuseeländischen Dollar. Ein Bericht der BIZ aus dem Dezember kam zu dem Schluss, dass abnehmende Volumina im Devisenmarkt - an dem täglich 5,1 Billionen Dollar umgesetzt werden - es Händlern erschweren, sich abzusichern. Dies falle zusammen mit steigender Volatilität und einer Zunahme extremer Marktbewegungen.

"Es ist wichtig, dass wir die Lehren aus diesem und anderen Ereignissen gleicher Art in anderen Finanzmärkten ziehen, denn ordnungsgemäss funktionierende Märkte sind wichtig für das Vertrauen in selbige," erklärte BOE Gouverneur Mark Carney in einem Kommentar, der dem Bericht beilag.

(Bloomberg)