Florierende SoftwareschmiedeTemenos stapelt absichtlich tief - Aktie schreibt neue Kursrekorde

Mit dem Quartalsgewinn übertrifft Temenos selbst die kühnsten Erwartungen. Der Hersteller von Bankensoftware könnte nächstens die Jahresprognosen erhöhen. Die Aktie steigt auf den höchsten Stand in der Firmengeschichte.
21.04.2017 11:42
Von Lorenz Burkhalter
Genf, das Finanzzentrum der welschen Schweiz und Sitz von Temenos.
Genf, das Finanzzentrum der welschen Schweiz und Sitz von Temenos.
Bild: Pixabay

Temenos ist nicht zu bremsen. Mit dem am Donnerstag nach Börsenschluss veröffentlichten Quartalsergebnis übertrifft die Bankensoftwareschmiede aus Genf sowohl beim Umsatz als auch beim operativen Gewinn (EBIT) selbst die optimistischsten Annahmen.

Dennoch halten die Firmenvertreter an ihren Prognosen eines Umsatzwachstums zwischen 7,5 und 11 Prozent sowie eines bei 210 bis 215 Millionen Franken liegenden EBIT für das laufende Jahr fest. Diese Zielgrössen gelten nun schon nach gerademal drei Monaten als eher konservativ. Mit anderen Worten: Vermutlich stapelt Temenos absichtlich tief.

Das sehen auch die Anleger so. An der Schweizer Börse greifen sie beherzt zu und verhelfen der Temenos-Aktie zur Stunde zu einem Kursplus von 2,7 Prozent auf 80,95 Franken. Damit wird das bisherige Rekordhoch von 80,70 Franken übertroffen.

Günstige Währungskonstellation

Lobende Worte findet der für die britische Barclays tätige Autor eines Kommentars. Wie er schreibt, liegt der Zahlenkranz nach allen Kriterien über seinen Erwartungen und über jenen des Marktes. Der Analyst macht nicht zuletzt auch die günstige Wechselkursentwicklung für die gelungene Überraschung verantwortlich. Dabei spricht er vor allem die vom schwächeren britischen Pfund ausgehende Entlastung auf der Kostenseite an.

Aufgrund der schon seit Jahren starken Kursentwicklung und der mittlerweile stolzen Bewertung wird die Aktie von Temenos bei der britischen Grossbank mit "Equal weight" eingestuft. Das mit 65 Franken weit unter dem Schlussstand vom Donnerstag liegende Kursziel dürfte hingegen erhöht werden.

Nicht von der hohen Bewertung ins Bockshorn jagen lässt sich hingegen sein Berufskollege bei der Deutschen Bank. Er erklärt sich die Bewertung mit den guten Wachstumsaussichten und traut dem Hersteller von Bankensoftware über die nächsten drei Jahre ein jährliches Gewinnwachstum von 16 Prozent zu.

Konservative Jahresprognosen

Vom vorliegenden Quartalsergebnis schliesst der Analyst auf weitere Fortschritte in Nordamerika. Im Jahresvergleich seien die Lizenzeinnahmen aus diesem Schlüsselmarkt um geschätzte 65 Prozent gestiegen, so lässt er seine Anlagekundschaft wissen.

Die anlässlich der Quartalsergebnisveröffentlichung beibehaltenen Jahresprognosen werden bei der Deutschen Bank als konservativ beurteilt. Die Aktie wird deshalb mit einem auf 90 (bisher: 84) Franken lautenden Kursziel zum Kauf empfohlen.

Wie der für die Zürcher Kantonalbank tätige Analyst ergänzt, bleibt die zukünftige Vorhersehbarkeit weiterhin sehr gut. Seines Erachtens wächst die Pipeline mit neuen Aufträgen ungebremst, wobei bisweilen weder die Übernahme von Rubik, noch allfällige grössere Aufträge in die beibehaltenen Jahresprognosen einfliessen. Er stuft die Temenos-Aktie daher mit "Übergewichten" ein.

Freude bei Vontobel, Verdruss bei Baader Helvea

Im hiesigen Handel wird nicht ausgeschlossen, dass das Genfer Unternehmen seine Prognosen anlässlich der nächsten Quartalsergebnispräsentation im Sommer anheben könnte.

Dieser Meinung ist auch der Leiter der Aktienanalyse bei der Bank Vontobel. Dass Temenos am bisherigen Ausblick festhält überrascht ihn zwar nicht. Allerdings hält er diesen für konservativ. Seines Erachtens sind der erfolgreiche Eintritt in den nordamerikanischen Markt und die breit abgestützte Implementierung des Partnermodells noch nicht in den aktuellen Bewertungsniveaus eingepreist. Der Experte hält deshalb mit einem Kursziel von 95 Franken an seiner langjährigen Kaufempfehlung fest.

Etwas weniger Freude an der starken Kursentwicklung dürfte der für Baader Helvea tätige Analyst haben. Er empfiehlt die Temenos-Aktie schon eine ganze Weile zum Verkauf, zuletzt mit einem Kursziel von gerademal 33 Franken. In einem Kommentar lässt der Experte seine Kunden wissen, dass sich der vorliegende Zahlenkranz weitestgehend im Rahmen der bankeigenen Erwartungen bewegt, welche sich wiederum mit den Konsensschätzungen decken.