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Folgt das nächste Biotech-Jahr?

Verschiedene Biotech-Aktien sind ausserordentlich gut ins laufende Börsenjahr gestartet. Doch Investoren müssen auf der Hut sein.
11.02.2015 14:46
Von Ivo Ruch
Viele Biotech-Unternehmen haben noch kein Produkt auf dem Markt.
Viele Biotech-Unternehmen haben noch kein Produkt auf dem Markt.
Bild: ZVG

Steuern wir erneut auf ein Biotech-Jahr zu? Diese Frage stellt sich berechtigterweise, wer die Aktienkurse an der Schweizer Börse des laufenden Jahres studiert. Unter den fünf besten Aktien reihen sich nicht weniger als vier Biotech-Titel ein: Cytos, Addex, Santhera und Basilea. Alle haben zwischen 15 und 43 Prozent zugelegt. Auch der viel beachtete Branchen-Index Arca Biotech ist bereits wieder flott unterwegs. Zum Vergleich: Der Swiss Performance Index (SPI) schrumpfte seit Jahresbeginn 4,5 Prozent.

Schon 2014 gehörten Aktien aus dem Biotech-Sektor zu den Überfliegern - Santhera (+2186 Prozent) und Cosmo (+73 Prozent) sogar zu den Top Ten am Schweizer Markt. Aber – und hier zeigt sich ein erstes Dilemma dieser Sorte von Aktien – zwei der oben erwähnten Schnellstarter (Cytos und Addex) stürzten im zurückliegenden Jahr jäh ab. Achterbahnfahrten gehören für Biotech-Anleger dazu.

Momentan sei das Sentiment im Markt gut, sagt ein Profi-Beobachter gegenüber cash. Doch das könne sich auch schnell wieder ändern. Denn Biotech-Aktien sind bekannt dafür, auf die Stimmung in der Gesamtbranche zu reagieren. Aufgrund schlechter News eines Unternehmens können weitere Titel in Sippenhaft genommen werden.

Fantasie in der Aktie

Im Falle des Startup-Unternehmens Cytos ist der Grund für den Rebound die Verhinderung des Konkurses. Die Gläubigerversammlung hat im Januar der Umwandlung von Wandelanleihen in Aktien zugestimmt. Das Forschungs- und Entwicklungsunternehmen Addex hingegen profitiert von einer Forschungszusammenarbeit. Dabei soll die Wirksamkeit des Produktekandidaten Dipraglurant zur Behandlung von Dystonie untersucht werden. Das zeigt: Kleine News können bei Biotech-Aktien grosse Wirkung haben.

Ein weiteres Dilemma von Biotech-Überfliegern ist der Umstand, dass diese Firmen häufig noch kein Produkt am Markt haben. Alle vier oben erwähnten Unternehmen machen unter dem Strich noch Verlust. Der Aktienkurs wird deshalb in der Regel von einer gehörigen Portion Fantasie getrieben. Handfeste Fakten, die eine Beurteilung für die Zukunft ermöglichen, fehlen in den meisten Fällen. Biotech-Investments gleichen deshalb oft einem Blindflug.

Kursausschläge ohne News

Das zeigen exemplarisch die Kursverläufe am Mittwoch. Während Addex bis am Mittag 11 Prozent gewinnt, verliert Therametrics mehr als 14 Prozent. Zu beiden Titeln sind aber keine offiziellen Neuigkeiten vorhanden, wie Marktexperten bestätigen.

In den vergangenen Jahren ist dennoch viel Geld in die Biotechnologieaktien geflossen. Dieser Zufluss hat sich zuletzt beschleunigt. Erst kürzlich wurde bekannt, dass der US-Milliardär Paul E. Singer seine an BB Biotech gehaltene Beteiligung substanziell erhöht hat. Die Aktie reagierte mit einem Kurssprung.

Die Biotech-Branche boomt vor allem auch in den USA, wo es in den vergangenen Jahren eine wahre Flut von Börsengängen gab und die Kurse explodiert sind. Erst im vergangenen Jahr erreichte die Welle Europa: 14 Biotech-Firmen öffneten sich dem Publikum. Im November wagte sich Molecular Partners an die Schweizer Börse und beendete damit eine fünfjährige Durststrecke. Die Aktie ist seither kaum vom Fleck gekommen.

Das Investieren in einzelne Biotech-Titel ist deshalb für private Anleger äusserst riskant. Viel eher bietet sich das Anlegen mittels breit abgestützten Produkts an. So zum Beispiel ein ETF auf den Nasdaq Biotech.