Fonds - ETF-Branche startet mit nachlassender Dynamik ins 2019

Die ETF-Branche ist mit einer deutlich abgeschwächten Dynamik in das laufende Jahr gestartet.
18.02.2019 15:20
Anbieter von Anlagefonds an einer Finanzmesse.
Anbieter von Anlagefonds an einer Finanzmesse.
Bild: cash

Dabei fällt auf, dass Investoren sich trotz der deutlichen Gewinne an den Aktienmärkten von Aktien-basierten ETFs im grossen Stil getrennt haben.

Unter dem Strich flossen der Branche im Januar gut 18 Milliarden US-Dollar zu. Doch täuscht diese Zahl über deutliche Zu- und Abflüsse in den einzelnen Anlageklassen hinweg. Denn während beispielsweise ETFs aus dem Bereich der festverzinslichen Anlagen knapp 25 Milliarden US-Dollar einsammelten und auch ETFs auf Aktien aus den Schwellenländern einen Zufluss von mehr als 11 Milliarden aufwiesen, zogen Investoren aus US-Aktien-ETFs mehr als 23 Milliarden ab.

Die Entwicklung in diesem Januar steht in einem krassen Gegensatz zur Entwicklung im vergangenen Jahr - vor allem was die Abflüsse aus den US-Aktien betrifft. Der Januar 2018 stellte mit einem Gesamtzufluss von gut 105 Milliarden US-Dollar einen absoluten Rekord im vergangenen Jahr dar. Der Branche sind solche Zuflüsse danach nicht mehr gelungen.

Verschiedene Faktoren drückten auf Stimmung

Wie Aneeka Gupta von WisdomTree erklärte, zeugt die Entwicklung im Januar von den Sorgen der Investoren über den US-Shutdown, von einer nachlassenden Wirkung der Fiskalimpulse des vergangenen Jahres auf die Erträge und von einer globalen Wachstumsverlangsamung.

"Die Bewegungen im Januar zeigen, dass Investoren vor allem daran gearbeitet haben, ihre Portfolios abzusichern", ergänzte Ed Gordon von iShares im Gespräch mit AWP. Neben einer starken Nachfrage nach festverzinslichen Anlagen habe sich dies auch in grösseren Zuflüssen bei Gold-ETFs gezeigt, führte der Head iShares und Index Investing BlackRock Schweiz weiter aus.

Tatsächlich haben Investoren ETFs aus dem Fixed Income-Bereich zu einem Rekord-Zufluss verholfen und den bereits rekordverdächtigen Dezember 2018 damit nochmals übertroffen. Von den knapp 25 Milliarden entfielen alleine 10 Milliarden auf Anleihen von Unternehmen, die eine einwandfreie Bonität aufweisen (Investment Grade). Aber auch ETFs auf US-Treasuries waren mit knapp 6 Milliarden US-Dollar stark gefragt.

Weiterhin starke Nachfrage nach Anleihen-ETFs erwartet

Zahlreiche Experten gehen zum jetzigen Stand denn auch davon aus, dass die Nachfrage nach Bond-ETFs weiterhin hoch bleiben wird. So rechnet etwa Sven Württemberger von der DWS damit, dass vor allem institutionelle Investoren die Passivierung der Kapitalanlagen im Anleihebereich vorantreiben werden. "Das dürfte zu weiterer Nachfrage bei Obligationen-ETFs führen", so der Leiter Vertrieb Passive Investments Schweiz.

Nima Pouyan von Invesco geht ebenfalls von einem anhaltend hohen Interesse bei den Obligationen und dort vor allem den US-Treasuries aus. Derweil hebt Andreas Zingg von Vanguard mit Blick auf die Januar-Flüsse noch hervor, dass hier vor allem eine erhöhte Nachfrage in den Kurzläufern und dem Bereich Emerging Market Debt zu beobachten gewesen sei.

Schwellenländer aus Bewertungssicht attraktiv

Auf die stärkeren Zuflüsse bei Schwellenländer ETFs hat auch Gordon von iShares hingewiesen. Dabei hätten Investoren sowohl bei ETFs auf Aktien als auch bei festverzinslichen Anlagen aus den Schwellenländern zugegriffen. Hier sind sich Experten einig dass dies nicht zuletzt der attraktiven Bewertung geschuldet sei.

Gupta von WisdomTree fügte noch an, dass letztlich auch die Wachstumsprognose für diese Region mit einem Plus von 4,7 Prozent vom IWF stabil gehalten wurde, während sie für die meisten entwickelten Märkte gesenkt wurde. "Wir gehen davon aus, dass sich der Bewertungsabschlag der Schwellenländer auf die entwickelten Regionen entspannen wird, da ihr Wirtschaftswachstum und ihre Profitabilität ein grösseres Kurspotenzial bieten".

(AWP)