Forrer: «Bei andern bin ich gerne grosszügig»

Schwingerkönig Nöldi Forrer verrät im cash-Interview, was ihm Geld bedeutet. Und was es mit seinen Esel-Spenden auf sich hat.
13.09.2015 06:59
Interview: Max Fischer
Immer für einen Spass zu haben: Schwingerkönig Nöldi Forrer.
Immer für einen Spass zu haben: Schwingerkönig Nöldi Forrer.
Bild: RDB/Sven Thomann

cash: Herr Forrer, weshalb sind Sie ein schräger Vogel?

Nöldi Forrer: He, he, was soll das?

Ja, wollten Sie denn den schiefen Turm von Pisa stützen, gerade­rücken oder ihn in gewohnter Schwingermanier zu Boden bringen?

(schmunzelt) Inszenieren lässt sich heute vieles...

Käser und Schwinger
Der 37-jährige Nöldi Forrer ist seit 2004 Käsermeister und produziert seit 2013 seinen eigenen Königs-Chäs. Mit Schwingen hat er bereits als Neunjähriger begonnen. Seither hat er 45 Kranzfestsiege gefeiert und 134 Kränze geholt. 2001 wurde er Schwingerkönig. Der Toggenburger lebt mit seiner Familie in Stein SG, wo er auch aufgewachsen ist.

Humor haben Sie. Bei den Swiss Indoors wurden Sie gefragt: «Was hätten Sie gerne von Roger Federer - seine Kohle oder seine weltweite Fangemeinde?» Und Sie haben geantwortet...

...ich sage jetzt wohl besser die Fangemeinde (lacht).

Mal ganz ehrlich: Bedeutet Ihnen Geld denn gar nichts?

Es ist schön, wenn man es hat. Aber es ist nicht das Wichtigste. Ich mache nicht alles für Geld, das geht mir gegen den Strich.

Was ist es denn?

Meine dreijährige Tochter Maila und meine ganze Familie sind für mich mein Ein und Alles.

Was würden Sie auch für eine Million nicht hergeben?

Die Gesundheit von mir und meiner Familie. Das wird mir gerade jetzt mit meiner Schulterverletzung, die ich am Schwägalp-Schwinget eingefangen habe, deutlich bewusst. Wenn man selber zwäg ist und eine gesunde Familie zu Hause hat, dann gibt es Wichtigeres und Schöneres als ein Schwingfest.

Ist das für Sie als Spitzensportler kein Problem?

Doch, doch. Aber eigentlich ist es ein schönes Problem.

Das müssen Sie mir erklären.

Familie und Kind - das macht einen weicher.

Einspruch: Ein Riese von 1,94 Meter mit Schuhgrösse 52 und einem idealen Kampfgewicht von 114 Kilo kann doch kein Weichei sein?

Doch, doch. Ich bin weicher geworden, der Killerinstinkt hat abgenommen.

Werden Sie auch schnell schwach, wenn es darum geht, grosszügig Geschenke zu machen?

Bei mir selber bin ich sparsam und bescheiden. Wenn ich aber an einem Schwingfest gewinne, lade ich meine Kameraden und Fans schon zu zwei, drei Runden ein. Bei andern bin ich gern grosszügig.

Spenden Sie Geld?

Ich unterstütze Green Ethiopia.

Was ist das?

Diese Stiftung unterstützt die Menschen im mausarmen Äthiopien. Es geht hauptsächlich um die Förderung von Kleinbauern und die Verbesserung der ­Situation von Frauen sowie generell der Ernährungs- und Lebenssituation vieler armer Leute. Das Tolle: Nur 4 Prozent der Spendeneinnahmen gehen für die Administration drauf, der ganze Rest kommt vollumfänglich den Menschen zugute, die Hilfe und Unterstützung benötigen. Da wird kein Geld verschleudert. Das imponiert mir und deshalb mache ich da auch mit Freude mit.

Sie spenden regelmässig?

Ich finanziere ab und zu zwei, drei oder auch mal vier Esel.

Esel?

Ja, ein Esel kostet etwa 150 Franken. Mit der Spende von Eseln wird verhindert, dass Frauen weiter schwere Lasten tragen müssen. Viele äthiopische Frauen generieren etwas Einkommen mit Transportdienstleistungen. Und ganz wichtig: Mädchen gewinnen so Zeit, zur Schule zu gehen - statt lange Wasser zu tragen. Ich bin durch meinen Sponsor Micarna auf Green Ethiopia aufmerksam geworden: Der ehemalige Chef leitet diese Stiftung.

Waren Sie schon vor Ort?

Nein, aber das wäre schon mal eine Idee für eine Reise.

Sie reisen ja sehr gerne. Auch Ihre Frau Rosie haben Sie auf einer Expedition auf den höchsten Berg Afrikas kennengelernt.

Das war im Rahmen eines Hilfsprojektes auf dem Kilimandscharo.

Geben Sie fürs Reisen auch überdurchschnittlich viel Geld aus?

Eine grössere Reise führte mich vor Jahren sechs Wochen lang durch Amerika über Quebec, Toronto, Key West, Los ­Angeles bis nach Las Vegas. Da wurde das Portemonnaie schon dünner.

Wofür geben Sie Ihr Geld sonst noch aus?

Wir unterhalten einen kleinen Schlepplift. Da braucht es ab und zu eine Maschine, beispielsweise ein Pistenfahrzeug.

Sie wohnen auch schön im herrlichen Toggenburg. Als König haben Sie sich ein standesgemässes Königreich geschaffen.

Ich bin ständig daran, es abzuzahlen (lacht).

Sie haben der Gemeinde 2008 gleich 2700 Quadratmeter Bauland abgekauft.

Das liegt bei uns im Toggenburg finanziell noch drin.

Beim Bau des dreigeschossigen Traumhauses mit rund 250 Quadratmetern Wohnfläche...

...habe ich sehr viel selber Hand angelegt. Sonst hätte ich das alles nicht bezahlen können.

Sie haben ein halbes Jahr lang im Schnitt fünf bis sechs Stunden pro Tag und an sieben Tagen am Haus gearbeitet.

Neben einem vollen Arbeitspensum und einem Trainingspensum als Spitzenschwinger. Mehr als vier, fünf Stunden Schlaf lagen nie drin. Aber es hat riesig Freude und Spass gemacht.

Gehen Sie deshalb ab und zu ins Spielcasino, weil dort das Geld ringer zu verdienen ist?

Ich gehe nur alle zwei, drei Jahre und spiele dort jeweils mit 200 Franken. Mal gewinne, mal verliere ich. Unter dem Strich ist die Bilanz etwa ausgeglichen.

Spielen Sie auch Lotto?

Ich bin ein altmodischer Mensch und mache meine Einzahlungen noch am Postschalter. Da kaufe ich ab und zu ein Los. 10 Gramm Gold habe ich so schon gewonnen.

Was würden Sie mit einem Millionengewinn machen?

Niemandem sagen.

Mir können Sie es verraten.

Ich würde es gut anlegen und ein paar Jahre früher in Pension gehen.

Dieses Interview finden Sie auch im Magazin «cash INSIDE» 2/2015. Das Magazin können Sie als PDF herunterladen oder als E-Paper lesen.