cash-talk

«Franken wird in diesem Jahr stark bleiben»

Die Rezession kam 2015 zwar nicht, trotzdem hatte die Schweizer Wirtschaft am starken Franken zu beissen. Welche drei Sektoren auch künftig leiden werden, verrät Seco-Vizedirektor Eric Scheidegger im cash-Talk.
04.03.2016 00:35
Von Pascal Züger
Seco-Vizedirektor Eric Scheidegger im Gespräch mit cash.

Die Schweizer Wirtschaft scheint nach dem Frankenschock mit einem blauen Auge davon gekommen zu sein. Anstatt einer von vielen Ökonomen prognostizierten Stagnation wuchs das Bruttoinlandprodukt (BIP) 2015 um 0,9 Prozent, wie die neuesten Zahlen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) zeigen. Besonders der private und der staatliche Konsum stützten die Konjunktur.

Oder ist es vielleicht doch mehr als nur ein blaues Auge? Im Vorjahr wuchs die Wirtschaft noch 1,9 Prozent und vor dem Mindestkursende ging man für 2015 von einem dynamischen Wachstum von über 2 Prozent aus. "Wir haben eine starke Einbremsung der Konjunktur erlebt", redet Eric Scheidegger, Seco-Vizedirektor, im cash-Talk die Situation in der Schweiz keinesfalls schön. Die deutliche Differenz zwischen erwartetem und effektivem Wirtschaftswachstum zeige den starken Effekt der Mindestkursaufhebung.

Gewisse Branchen kommen unter die Räder

"Unter dem starken Franken leiden vor allem drei bestimmte Sektoren der Schweizer Volkswirtschaft", so Scheidegger. Er meint damit den Tourismus, die Maschinenindustrie und den Detailhandel. In diesen Branchen sei künftig von einem beschleunigten Strukturwandel auszugehen. Wenig wertschöpfungsintensive Produktionsteile würden ins Ausland verlagert oder ganz aufgegeben.

Aber auch wenn die von Scheidegger erwähnten Branchen noch länger an der Frankenaufwertung zu beissen haben werden, ist der Franken doch einiges schwächer, als dies verschiedene Währungsexperten direkt nach dem Ende der Mindestkurspolitik prophezeiten. Von Kursen um die Parität oder gar darunter war die Rede. Davon ist man aktuell mit einem Euro bei 1,085 Franken doch ziemlich weit entfernt.

Dass es nicht schlimmer kam, war laut Scheidegger auch der Verdienst der Schweizerischen Nationalbank (SNB), die mit ihren Massnahmen einen stärkeren Aufwertungsdruck vermeiden konnte. Doch nicht nur. Auch die allgemein gute Erwartung für die amerikanische Wirtschaft habe den Dollar wieder attraktiver gemacht und gleichzeitig den Franken etwas entlastet.

Kommt die nächste Geldschwemme im Euroraum?

Frankenstärkend ist hingegen die Aussicht, dass die Europäische Zentralbank (EZB) am 10. März mehr Geld in die Märkte schiessen und gleichzeitig auch die Zinsen senken könnte. Damit soll die europäische Inflation angekurbelt und wieder mehr Schwung in die Wirtschaft gebracht werden.

Mit dieser Aussicht vor Augen sieht Scheidegger - auch wenn er keine Prognose bezüglich EZB-Entscheid nächster Woche abgeben will - keine Erholung der hiesigen Währung kommen: "Der Franken wird zum Euro in diesem Jahr sicher stark bleiben."

Doch der Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik beim Seco sieht auch einen Hoffnungsschimmer für Schweizer Exporteure: Die Eurozone als Ganzes sei konjunkturell besser unterwegs als noch vor einem Jahr und auch der amerikanische Raum habe eine gute Konjunkturlage, meint Scheidegger. "Und wie die Erfahrung zeigt, ist die Konjunkturlage in den Auslandsmärkten mindestens so wichtig wie der Wechselkurs."

Im cash-Talk sagt Eric Scheidegger auch, ob der Schweiz eine Deflation droht, woher die Unsicherheit an den Finanzmärkten kommt und wie gross die Gefahr einer globalen Rezession ist.

Das Gespräch mit Eric Scheidegger fand im Rahmen eines Anlasses der Handelskammer Schweiz-Österreich-Liechtenstein (HKSÖL) in Zürich statt.