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«Frankenstärke macht Firmen innovativ»

Mit kleinen und mittelgrossen Aktien können gute Gewinne erzielt werden. Warum gerade Schweizer Titel Erfolg haben und warum beim Verkaufen keine Eile nötig ist, sagt Vermögensverwalter Erhard Lee im cash-Börsen-Talk.
10.04.2015 01:05
Von Marc Forster
Erhard Lee ist Inhaber der Vermögensverwaltungsfirma AMG.
Bild: cash

Der vor gut zehn Jahren von Erhard Lee gegründete Fonds "AMG Substanzewerte Schweiz" hält einige Titel seit Beginn. Dazu gehört etwa der Versicherer Vaudoise, der diese Woche seine Zahlen vorgelegt hat. "Die Versicherungsgesellschaft, die ihren Fokus in der Romandie hat, ist seit vielen Jahren auf dem Wachstumspfad und hat enorme Reserven, steht solide da und macht keine Experimente im Ausland: Das ist das, was uns gefällt", sagt Lee im cash-Börsen-Talk.

Damit ist die Richtung angezeigt, in die seine Vermögensverwaltung geht. Bei Conzzeta, ebenfalls einer der am längsten im Fonds enthaltenen Titel, bewertet Lee Veränderungen in der Führung positiv: "Hier ist nun endlich die Substanz zum Vorschein gekommen." Der Kurs der Aktie ist heute doppelt so hoch wie vor zwei Jahren. Mit 600 Millionen Franken in der Kriegskasse erwartet Lee bei Conzzeta zudem eine umsichtige und gewinnbringende Investitionspolitik: "Davon kann auch der Aktionär profitieren."

SPI übertrumpft den Leitindex

Ein Favorit ist für Lee auch der Schaffhauser Medizinalbedarf-Hersteller IVF Hartmann. In einer älter werdenden Gesellschaft sei dieses Unternehmen in einer guten Position. Auch das deutsche Mutterhaus, die Hartmann-Gruppe, sei nicht nur eine grundsolide Firma, sondern bei Medizin- und Pflegeprodukten in Europa marktführend. Voraussetzung für den heutigen Erfolg bei IVF Hartmann sei aber auch eine tiefgreifende Restrukturierung gewesen.

Bei der Entwicklung der vergangenen Wochen sieht es günstig aus für Small und Mid Caps. Der SPI, der den breiten Markt abdeckt, bietet derzeit die bessere Performance als der Grosskonzerne-Index SMI. Betrachtet den SPI-Teilindex für kleine und mittelgrosse Unternehmen, dann sieht es noch besser aus - auch wenn dieses Segment der Börse besonders schwankungsanfällig ist.

Vergleich zwischen SMI (rot), SPI (grün) und SPI Small and Mid (lila) über drei Monate (Quelle: cash.ch)

Bei der Auswahl der Aktien bleibt der von Lee gegründete Fonds im Inland. Für den Erfolg der hiesigen Wirtschaft und ihrer Unternehmen sieht Lee eindeutige Gründe: "Schweizer Gesellschaften sind immer gefordert durch Währungsverschiebungen und den starken Franken."

Die Wertschöpfung müsse so stetig vergrössert werden, wertschöpfungsarme Produkte im Ausland hergestellt oder ganz gestrichen werden. "Dadurch sind Schweizer Unternehmen Innovations-Leader – das müssen sie sein, sonst können sie im weltweiten Wettbewerb gar nicht bestehen."

Gute Aussichten für Stromwirtschaft

Die grössten Positionen im AMG Substanzwertefonds sind neben den schon genannten Cosmo, Messe Schweiz, bfw, Swiss Life, Galenica, Tamedia, Cham Paper Group und Lifewatch sowie Holdigaz, BKW , Vetropak und Also. "Nach Möglichkeit eliminieren wir schlechte Titel, aber der eine oder andere bleibt auch hängen." Etwas kritisch sieht Lee derzeit die Aktie der Compagnie Financière Tradition, die den Fonds belastet hat und wo eine Wende auf sich warten liess - doch scheint sich auch hier die Langfristigkeit gelohnt zu haben: "Jetzt sind wir allerdings überzeugt, dass diese kommt."

Auch mit der Stromwirtschaft habe man etwas gelitten, wobei das Engagement jüngst wieder ausgebaut worden sei: "Wir glauben, dass Repower oder Romande Energie, aber auch BKW profitieren werden." Lee verfolgt dabei einen Horizont von mindestens fünf Jahren.

Im cash-Börsen-Talk nimmt Erhard Lee auch einen Blick auf den SMI vor und nennt inbesondere Aktien, die seiner Meinung nach eigentlich zu günstig bewertet sind: Nestlé, Roche, Swatch, aber auch Swiss Re und Swiss Life. Er äussert auch eine Einschätzung, was zu dieser relativ tiefen Bewertung geführt hat.