Frankfurt-London: Aktionäre stimmen über wackelnde Börsen-Fusion ab

Die Aktionäre der London Stock Exchange (LSE) stehen am Montag vor einer schwierigen Entscheidung. Sie sollen grünes Licht für die geplante Fusion mit der Deutschen Börse geben.
03.07.2016 12:13
Ein Nervenzentrum der globalen Finanzwelt: Die Londoner City.
Ein Nervenzentrum der globalen Finanzwelt: Die Londoner City.
Bild: cash

Doch einige Eckpunkte des 25 Milliarden Euro schweren Zusammenschlusses, der bereits im Februar verkündet wurde, könnten anschliessend noch einmal geändert werden. Das gilt besonders für den geplanten Sitz der fusionierten Mega-Börse in London. An ihm können die Unternehmen aus Sicht von Experten nicht festhalten, wenn sie eine realistische Chance haben wollen, von den Aufsichtsbehörden in Brüssel und Wiesbaden grünes Licht für die Fusion zu bekommen.

"Es ist schwer vorstellbar, dass der wichtigste Börsenplatz im Euro-Raum von einem Standort ausserhalb der EU gesteuert wird", sagte Felix Hufeld, der Präsidenten der Finanzaufsicht BaFin. Auch in der deutschen Politik gibt es nach der Brexit-Entscheidung grosse Widerstände gegen eine Ansiedlung der fusionierten Börse an der Themse. Die hessische Börsenaufsicht, die im Wirtschaftsministerium in Wiesbaden angesiedelt ist, könnte den Zusammenschluss deshalb untersagen. "Dass die Fusion mit Hauptsitz in London die erforderlichen regulatorischen Zustimmungen findet, erscheint uns illusorisch", betonten die Analysten der DZ Bank.

Auch den Unternehmen ist klar, dass es nach dem Brexit Anpassungen am Fusionsvorhaben geben muss. Ein Referendums-Komitee beider Konzerne soll sich in den kommenden Wochen mit möglichen Reaktionen befassen. Auch die Entscheidung für London als "alleinigem Sitz" des fusionierten Konzerns werde dabei überprüft, hat Deutsche-Börse-Aufsichtsratschef Joachim Faber angekündigt.

Die grosse Frage ist Insidern zufolge, ob London bereit ist, sich in der Frage des Hauptsitzes zu bewegen - die Deutsche Börse stellt mit Carsten Kengeter schliesslich schon den Vorstandschef. Wenn die britische Politik nach dem Brexit einen Sitz der Mega-Börse in der EU akzeptiere, könne der Deal noch gelingen, sagte eine mit dem Prozess vertraute Person. Sollte Grossbritannien dagegen auf einen eigenbestimmten, komplett unabhängigen Kapitalmarkt pochen, werde sie platzen. Grundsätzlich seien politische Sondierungsgespräche derzeit aber schwierig, schliesslich stehe nicht Mal fest, wer die Nachfolge von Premierminister David Cameron antrete.

«Eine Mammutaufgabe»

Dass das Referendums-Komitee Vorschläge für Änderungen am Zusammenschluss machen soll, ist in den Fusionsunterlagen festgeschrieben, über die die LSE-Aktionäre abstimmen. Wie mögliche Änderungen konkret umgesetzt werden, ist dagegen unklar. Eine Verlagerung der Holding-Gesellschaft nach Frankfurt oder die Schaffung von zwei Firmensitzen könnte einem Insider zufolge beschlossen werden, wenn die Führungsgremien beider Unternehmen zustimmen. Umgesetzt würden die Anpassungen nach dem Abschluss der Fusion 2017. Bei ganz gravierenden Änderungen sei es auch denkbar, dass die Aktionäre erneut befragt würden. Beide Unternehmen wollten sich dazu nicht äussern.

Mehrere grosse Investoren, mit denen die Nachrichtenagentur Reuters gesprochen hat, wollen trotz aller Unsicherheit für die Fusion stimmen. "Der Deal ist für Aktionäre auch nach dem Brexit noch attraktiv, weil beide Unternehmen zusammen hohe Synergien erzielen könnten", sagte einer der 20 grössten Deutsche-Börse-Aktionäre. Er ist wie viele Investoren an beiden Unternehmen beteiligt und hält es deshalb für verkraftbar, dass der Deal nach dem Brexit für LSE-Aktionäre etwas attraktiver sei als für die Eigentümer der Deutschen Börse. Die Aktionäre des Dax-Konzerns haben bis zum 12. Juli Zeit, um ihre Papiere im Rahmen eines öffentlichen Umtauschangebots anzudienen.

NordLB-Analyst Michael Seufert empfiehlt den Deutsche-Börse-Aktionären eine Annahme der Offerte. "Dank der beiden operativen Standbeine in London und Frankfurt besitzt das Gemeinschaftsunternehmen die notwendige Flexibilität, die Herausforderungen des Brexit erfolgreich meistern zu können." Ob die Fusion gelinge, stehe dennoch in den Sternen. Die Fusion von zwei Börsenbetreibern sei nun Mal "eine Mammutaufgabe".

(Reuters)