Freihandelsmuffel Trump eröffnet China Chancen in Asien

Beim Gipfel der Asien-Pazifik-Forums in Peru dürfte China ausloten, ob sich angesichts der erklärten Zurückhaltung Donald Trumps beim Freihandel im asiatisch-pazifischen Raum für die Volksrepublik neue Chancen auftun.
18.11.2016 19:40
China-Flagge am Tiananmen-Platz in Peking.
China-Flagge am Tiananmen-Platz in Peking.
Bild: cash

Donald Trump ist an diesem Wochenende in Lima nicht dabei, aber wohl in aller Munde: "Falls die USA in dieser Hinsicht nicht mehr führend sein wollen, wird China diese Rolle übernehmen", meint der Wirtschaftsexperte Tu Xinquan von der Pekinger University of International Business. Der Experte dürfte es wissen, denn er hat die Regierung in Handelsfragen beraten.

Trump hat im Wahlkampf das vom noch amtierenden US-Präsidenten Barack Obama angestrebte Trans-Pazifische Freihandelsabkommen TPP als Katastrophe für die USA bezeichnet. Es gilt daher als unwahrscheinlich, dass dieses Abkommen unter einem Präsidenten Trump in den USA noch eine Zukunft hat.

Im Schatten des TPP - das China nicht einschliesst - hat die Volksrepublik jedoch einen konkurrierenden Pakt namens Comprehensive Economic Partnership (RCEP) ins Leben gerufen, der seinerseits die USA ausschliesst. Zugleich hat die Volksrepublik als Gastgeber des APEC-Treffens 2014 in Peking mit der Vision eines Asiatisch-pazifischen Freihandelsraums (FTAAP) einen weiteren Pflock eingerammt, um sich in eine Führungsrolle zu katapultieren. Eine entsprechende Freihandelszone soll Schritt für Schritt und im Konsens umgesetzt werden. Auch das FTAAP gilt als Konkurrenz zum TPP. Zur APEC gehören neben den USA und China unter anderem auch Russland, Japan, Südkorea, Indonesien und Kanada.

Offiziell hält China den Ball flach. "Egal, ob RCEP oder FTAAP, bei beidem übernimmt China nicht die Führung", sagte ein Sprecher das Aussenministeriums in Peking.

Alternativen zu TPP im Gespräch

Die Aversion Trumps gegen den Freihandel kommt der Staatsspitze in Peking nun wohl sehr gelegen, um ihrer Führungsrolle in diesem Bereich in Asien näher zu kommen. Claire Reade, die früher für den US-Handelsbeauftragen für China gearbeitet hat, sieht Chinas Präsidenten Xi Jinping in Lima in dieser Hinsicht in einer guten Ausgangsposition: "Die geopolitischen Realitäten und Chinas Diplomatie auf dem Gebiet der Wirtschaft lassen es unwahrscheinlich erscheinen, dass kleinere Staaten in der Region eine Führungsrolle Pekings ablehnen würden."

APEC-Gastgeber Peru hat bereits ein alternatives Freihandelsbündnis zu TPP ins Spiel gebracht, bei dem China und Russland dabei wären, nicht aber die USA. Malaysia hat signalisiert, dass es sich stärker auf RCEP konzentrieren wird. Und Vietnam will die Ratifizierung von TPP mit Blick auf den anstehenden Wechsel im Weissen Haus vorerst auf Eis legen.

Auch falls die USA künftig "Nein" zu Freihandelsabkommen sagen sollten, dürften sich die amerikanischen Firmen nicht auf eine Abschottung einlassen, meint die in Singapur arbeitende Handelsexpertin Deborah Elms. Wer künftig als US-Unternehmen von den Vorteilen des RCEP profitieren wolle, müsse in Asien auch präsent sein: "Zumindest mit Teilen des Geschäfts."

(Reuters)