Führen die neuen Vögele-Aktionäre etwas im Schilde?

Während die Investorengruppe um die Modekette OVS die Übernahme von Charles Vögele als zustande gekommen erklärt, nistet sich nach Oddo Meriten überraschend ein weiterer Drittaktionär ein.
22.11.2016 08:30
Von Lorenz Burkhalter
Bei Charles Vögele haben sich in den letzten Wochen gleich zwei Drittaktionäre in Position gebracht.
Bei Charles Vögele haben sich in den letzten Wochen gleich zwei Drittaktionäre in Position gebracht.
Bild: iNg

In einer am Dienstag früh veröffentlichten Pressemitteilung erklärt das Bieterkonsortium Sempione Retail AG die Übernahme von Charles Vögele als zustande gekommen. Die Investorengruppe um die italienische Modekette OVS hält mittlerweile 82,62 Prozent des traditionsreichen Unternehmens aus der Schweiz.

Für Verwirrung sorgt nun eine Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX. Wie dieser Meldung entnommen werden kann, hat sich auch Maven Investment Partners mit 3,47 Prozent bei Charles Vögele eingekauft. Interessant dabei ist, dass die britische Private Equity Firma schon am 20. September meldepflichtig wurde.

Neuer Aktionär in bester Gesellschaft

Was Maven Investment Partners mit dem Aktienpaket bezweckt, darüber lässt sich bloss spekulieren. Womöglich hofft der neue Aktionär im Hinblick auf einen sogenannten "Squeeze-Out" einen finanziellen Vorteil. Eine erzwungene Abfindung verbleibender Anteilseigner sieht das Schweizer Börsengesetz aber frühestens dann vor, wenn dem Käufer - im vorliegenden Fall der Sempione Retail AG - im Rahmen eines öffentlichen Kaufangebots mindestens 90 Prozent der Aktien angedient wurden.

Kursentwicklung der Vögele-Aktie seit Anfang Juli, Quelle: www.cash.ch

Eine Kraftloserklärung von Aktien ist sogar erst möglich, wenn der Käufer mindestens über 98 Prozent der Stimmrechte einer Gesellschaft verfügt. Davon ist die Investorengruppe um die italienische Modekette OVS jedoch noch immer weit entfernt.

Fleissige Arbitrageure

Eine weitere Erklärung könnte auch sein, dass Maven Investment Partners aufgrund von Arbitrage-Transaktionen zum Aktienpaket gekommen ist. Erst vor wenigen Wochen gab sich Oddo Meriten als Aktionär von Charles Vögele zu erkennen, nachdem der französische Vermögensverwalter über Wochen hinweg ein 4,2-Prozent-Paket geschnürt hatte.

Oddo Meriten ist hierzulande kein unbeschriebenes Blatt. Auch als der japanische Elektronikkonzern TDK im Dezember letzten Jahres ein Barangebot für Micronas vorlegte, kaufte sich der Vermögensverwalter nachträglich noch ein und diente sein Aktienpaket dem Käufer aus dem pazifischen Raum dann mit einem kleinen Gewinn an.

Auch bei Charles Vögele scheint Oddo Meriten zu Kursen unter dem Barangebot von 6,38 Franken fleissig Aktien zusammengekauft zu haben, um diese dann der Investorengruppe andienen zu können. Maven Investment Partners dürfte ähnlich vorgegangen sein. Mit Widerstand gegen die geplante Übernahme hat die Investorengruppe um die italienische Modekette OVS folglich wohl nicht zu rechnen.