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«Für die Banken geht eine Ära zu Ende»

Die grosse Zeit der Schweizer Vermögensverwaltung geht mit dem wegfallenden Bankgeheimnis zu Ende, sagt Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann im cash-Talk. Er schätzt die künftige Lage der Grossbanken ein.
04.07.2014 01:00
Von Ivo Ruch
Professor Tobias Straumann lehrt an der Universität Zürich Wirtschaftsgeschichte.
Bild: cash

Der Schweizer Bankenplatz befindet sich im Umbruch. Das aufgeweichte Bankkundengeheimnis und der automatische Informationsaustausch zwingen die Institute zum Umdenken und zum Handeln. Experten gehen davon aus, dass in wenigen Jahren einige Dutzend Banken oder Vermögensverwaltungen verschwinden könnten. UBS-CEO Sergio Ermotti prophezeite sogar, in der Bankbranche seien 20‘000 Arbeitsplätze in Gefahr.

Dieser Meinung ist auch Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann: "Eine hundertjährige Periode ist zu Ende gegangen." Der Aufstieg der Schweizer Vermögensverwaltung habe mit dem Ersten Weltkrieg so richtig angefangen, die Schweiz sei als neutraler und stabiler Staat interessant geworden.

"Das ist nun fertig", so der Professor der Universität Zürich im cash-Talk. "Die Margen brechen ein, die Löhne werden tiefer und es kommt zu Entlassungen. Das ist ein historischer Einschnitt", so Straumann. Auch eine Studie des Beratungsunternehmens Booz & Company kam kürzlich zum Schluss, dass sich die Konsolidierung in der Vermögensverwaltung fortsetzen werde. Die Profiteure dürften globale Player und Online-Plattformen sein.

Der nächste Boom wird entscheidend

Einen wichtigen Vorteil hat die Schweiz mit dem Bankkundengeheimnis zwar verloren, andere Vorteile wie die politische Sicherheit oder die starke Währung bleiben aber erhalten. Straumann meint deshalb, dass die Vermögensverwaltung überdurchschnittlich wichtig bleiben wird. "Aber sie wird relativ absteigen gegenüber anderen Standorten."

Seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 sei bei den Schweizer Grossbanken viel passiert, so Straumann. Die Credit Suisse und die UBS haben ihr Eigenkapital in den letzten Jahren signifikant aufgestockt. Die CS wies per Ende des ersten Quartals 2014 eine Eigenkapitalquote von 10 und die UBS eine von 13 Prozent auf. Damit haben beide Banken das 10-Prozent-Ziel des Basel-III-Regulatoriums bereits erreicht.

Dennoch findet Straumann, dass die Schweizer Grossbanken noch zu wenig gut aufgestellt sind, um eine neuerliche Krise zu überstehen. "Entscheidend wird die nächste Stressphase im System. "Wenn wieder ein Boom einsetzt und eine bestimmte Anlageklasse besonders beliebt wird, dann kommt der richtige Test", so Straumann.

Eine Änderung im Geschäftsmodell

Den Ursprung des instabilen Schweizer Bankensystems sieht der Historiker in den 70er und 80er Jahren. Bis dahin hatten die Institute stets viele stille Reserven gebildet, was ihnen im Krisenfall grossen Spielraum gab. Auf Druck der Aktionäre wurde dieses Modell dann sukzessive geändert.

"Die Aktionäre haben nicht gerne gesehen, dass die Manager Geld verstecken, das eigentlich ihnen gehört." Und Straumann weiter: "Eigentlich ist das ein gutes Argument, aber es hat das Gesamtsystem instabiler gemacht. Das ist schwierig rückgängig zu machen."

Im cash-Talk sagt Tobias Straumann auch, ob Aktionäre von UBS und CS in Zukunft mit Gewinnen rechnen können. Und er gibt eine Vermutung ab, wie kommende Generationen über die jüngste Wirtschaftskrise sprechen werden.