G20-Gipfel - Finanzaufseher warnen vor Reformmüdigkeit

Vor dem G20-Gipfel warnen die globalen Finanzaufseher eindringlich vor Reformmüdigkeit bei der Bankenregulierung. Und Banker warnen vor dem Rückfall zu nationalen Regulierungen.
03.07.2017 14:23
Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel.
Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel.
Bild: cash

Der Finanzstabilitätsrat (FSB) der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer rief die Staats- und Regierungschefs dazu auf, den nach der Finanzkrise ins Auge gefassten neuen Vorschriften Geltung zu verschaffen. Sonst werde womöglich das gegenseitige Vertrauen untergraben. Dadurch könnten grenzüberschreitende Kapital- und Investitionsflüsse beeinträchtigt und letztlich das Wirtschaftwachstum gebremst werden, betonte der FSB-Vorsitzende Mark Carney in einem am Montag veröffentlichten Brief an die G20-Staatslenker. Diese treffen sich am Freitag und Samstag in Hamburg.

Deregulierung in den USA

Das US-Finanzministerium hatte jüngst Pläne für eine Entschärfung vieler Vorschriften für heimische Banken vorgelegt. Die geplante weltweite Neufassung der internationalen Kapital- und Liquiditätsstandards - auch "Basel III" genannt - müsse dringend abgeschlossen und umgesetzt werden, mahnte Carney, der zugleich Gouverneur der Notenbank Grossbritanniens ist. Derzeit ringen die USA und die Europäer im Rahmen des Baseler Ausschusses noch über die letzten Punkte der Regeln. Hauptstreitpunkt ist die Frage, wie weit Banken die Risiken in ihren Bilanzen mit eigenen Modellen herunterrechnen dürfen, um Kapital zu sparen. Der FSB koordiniert auf globaler Ebene die Arbeit der nationalen Finanzregulierer.

Warnung vor Rückfall zu nationalen Regeln

Zehn Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise warnen zudem auch deutsche Banker und Aufseher vor einem Rückfall in nationale Regeln für die Finanzbranche. "Renationalisierung von Regulierung, Renationalisierung von Aufsicht kann nicht die Antwort sein. Das hilft weder den Banken noch trägt es zur Stabilität des Finanzsystems bei", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes BdB, Michael Kemmer, bei einer Konferenz am Montag in Frankfurt.

Nach dem Schock der Jahre 2007/2008 hätten alle Regulierer an einem Strang gezogen, erinnerte der damalige Bundesbank-Präsident Axel Weber. Inzwischen gebe es wieder mehr nationale Bestrebungen. Weber, heute Präsident des Verwaltungsrates der  UBS, warnte: "Die Krise passiert immer im schwächsten Glied der Kette." Die Verwerfungen der Jahre 2007/2008 seien mitnichten alle aufgearbeitet: "Wir sind mitten in der Phase der Krisenlösung."

Insgesamt sieht Europas oberste Bankenabwicklerin, Elke König, die Branche heute jedoch besser gerüstet als vor der Krise. "Wir haben die richtigen Schritte getan und sind deutlich besser aufgestellt als vorher", sagte die Chefin der Bankenabwicklungsbehörde SRB. "Wir haben aber noch viele Hausaufgaben zu erledigen."

Im Sommer 2007 war die "Subprime"-Krise aus den USA nach Deutschland geschwappt: Auch deutsche Banken hatten Milliarden in kaum abgesicherte US-Immobilienkredite investiert, die zu Päckchen gebündelt als hochklassige Wertpapiere verkauft wurden. Das Platzen der amerikanische Immobilienblase löste weltweit Turbulenzen aus.

(Reuters/AWP)