G20-Gipfel - Top-Ökonomen warnen vor Scheitern des G20-Gipfel

Sollten sich die Staats- und Regierungschefs am G20-Gipfel bei wichtigen Themen jeweils nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen, wäre das Gremium gelähmt und blockiert, erklärten verschiedene Experten in Berlin.
04.07.2017 15:20
Der Hafen von Hamburg: Die Globalisierung schafft Gewinner und Verlierer. Experten fordern für letztere eine bessere Abfederung.
Der Hafen von Hamburg: Die Globalisierung schafft Gewinner und Verlierer. Experten fordern für letztere eine bessere Abfederung.
Bild: Bloomberg

"Aus der G20 wäre so etwas wie eine G0 geworden", sagte der Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE), Dirk Messner. Dann hätten US-Präsident Donald Trump und andere Politiker die Oberhand gewonnen, die nach dem Motto "Mein Land zuerst" vorgingen.

Es gebe jedoch auch die Möglichkeit, dass viele G20-Länder angesichts solcher Herausforderungen enger zusammenstehen und sich gemeinsam für Themen wie Klimaschutz einsetzen könnten. Der Präsident des Kieler IfW-Instituts, Dennis Snower, äußerte die Hoffnung, dass die G20 dann trotzdem Einfluss haben könnten - auch wenn es in Hamburg keinen Konsens gebe. "Wenn sich das herausstellt, wäre das der größte Erfolg der deutschen G20-Präsidentschaft." Deshalb sei das Treffen am Freitag und Samstag von historischer Bedeutung für die Zukunft der Staatengruppe. "Seit es die G20 gibt, waren wir uns als Weltgemeinschaft wahrscheinlich noch nie so uneinig wie heute, noch nie von so vielen nationalistischen Tendenzen geprägt", sagte Snower.

Stärkeer Einsatz für soziale Bedürfnissse

Die Staats- und Regierungschefs der G20 sollten sich zudem stärker für soziale Bedürfnisse der Menschen sowie Umwelt- und Klimaschutz einsetzen, forderten die Experten. Nicht nur Wachstum und volkswirtschaftlichte Stabilität dürften im Mittelpunkt der Politik stehen. "Viele Menschen spüren, dass sich wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftlicher Fortschritt entkoppelt haben", sagte Snower. Die angekündigten Proteste beim Gipfel seien Ausdruck von Unzufriedenheit mit der Globalisierung in Industrie- und Schwellenländern.

Der Hamburger Gipfel müsse ein Zeichen setzen, dass globale Probleme auch gemeinsam gelöst werden sollten, erklärten die Ökonomen von mehreren Denkfabriken (Think 20). Alleingänge dürfe es nicht geben. Die Experten haben als Beratungsgremium für die G20 bereits Handlungsempfehlungen vorgelegt. Messner und Snower sind Vorsitzende der Gruppe.

(Reuters)