GAM-Aktie gerät unter die Räder

Wegbrechende erfolgsabhängige Gebühren bescheren dem Fondsanbieter einen Gewinneinbruch. Obschon der Reingewinn die tiefen Erwartungen übertrifft, steht die Aktie unter starkem Verkaufsdruck.
03.08.2016 10:46
Von Lorenz Burkhalter

Nach der einschneidenden Gewinnwarnung von Mitte Juni schien die Aktie des Fondsanbieters GAM schier ins Bodenlose fallen zu wollen. Alleine an diesem Tag gingen bei der ehemaligen Tochter von Julius Bär 20 Prozent des Börsenwerts in Rauch auf.

Der nun veröffentlichte Zahlenkranz zeigt: Die Geschäftsentwicklung ist in der ersten Jahreshälfte doch nicht ganz so schwach ausgefallen wie von einigen Analysten nach der Gewinnwarnung erwartet worden war.

Dank Fortschritten auf der Kostenseite übertrifft der Reingewinn die Konsensschätzungen sogar deutlich und auch die Höhe der verwalteten Vermögen liegt trotz Mittelabflüssen am oberen Ende der Erwartungsbandbreite.

Dennoch taucht die GAM-Aktie an der Schweizer Börse SIX um 16,1 Prozent auf 8,73 Franken. Beobachter berichten von grösseren Verleiderverkäufen aus dem Ausland.

Überraschend vorsichtiger Ausblick

Der für die Zürcher Kantonalbank tätige Analyst findet wenig schmeichelnde Worte für das vorliegende Halbjahresergebnis. Das Nettoneugeld habe die falschen Vorzeichen, die Bruttomarge bleibe unter Druck und die Goldesel der letzten Jahre, sprich die Strategien mit erfolgsabhängigem Gebühren-Modell, würden die Lieferung verweigern, so schreibt er in einem Kommentar.

Die erzielten Kostensenkungen hält der Experte bestenfalls für einen "Tropfen auf den heissen Stein". Sinnvoll erscheint ihm vor diesem Hintergrund jedoch die kürzlich bekanntgewordene Übernahme von Cantab. Seines Erachtens sollte der Aktienkurs seit Juni den schwachen Geschäftsverlauf ausreichend eingepreist haben. Auch aufgrund der aktuell bei 6,3 Prozent liegenden Dividendenrendite wird die GAM-Aktie bei der Zürcher Kantonalbank weiterhin mit "Marktgewichten" eingestuft.

Sein Berufskollege von der Bank Vontobel hingegen stösst sich nicht nur an der tieferen Bruttomarge und den höher als erwarteten Vermögensabflüssen, sondern auch am sehr vorsichtig abgefassten Ausblick. Darauf abgestützt hält er weitere Schätzungsreduktionen für möglich. Das Anlageurteil lautet weiterhin "Hold" und das Kursziel 10,30 Franken.

Wie sicher ist die Dividende?

Einem Kommentar der Credit Suisse lässt sich entnehmen, dass der bereinigte Vorsteuergewinn im ersten Halbjahr um rund 5 Prozent besser als erwartet ausgefallen ist. Dem höheren Nettoneugeldabfluss misst der Verfasser dennoch ein höheres Gewicht zu. Wichtig sei auch, wie sich die Kunden gegen Ende der Berechnungsperiode verhalten hätten, so schreibt er weiter.

Was die Dividende anbetrifft, so rechnet der Experte im kommenden Frühjahr weiterhin mit einer Ausschüttung von 0,65 Franken je Aktie, was einer Rendite von über 6 Prozent entspräche. Er bekräftigt deshalb das "Neutral" lautende Anlageurteil sowie das Kursziel von 10,70 Franken.

Auch die UBS Investmentbank rechnet mit einer stabilen Dividendenentwicklung, nur Kepler Cheuvreux geht für das laufende Geschäftsjahr von einer Kürzung auf 0,50 Franken je Titel aus. Beide Banken stufen die GAM-Aktie insgesamt neutral ein.