GAM-Aktie kollabiert nach Gewinnwarnung

Der Vermögensverwalter GAM spricht überraschend eine Gewinnwarnung aus. Schuld sind ausbleibende erfolgsabhängige Gebühren. Die Aktie erleidet einen prozentual zweistelligen Kurseinbruch.
14.06.2016 11:28
Von Lorenz Burkhalter
Dem Vermögensverwalter GAM brechen die erfolgsabhängigen Gebühren weg.
Dem Vermögensverwalter GAM brechen die erfolgsabhängigen Gebühren weg.

Der jüngste Kurszerfall hätte es eigentlich erahnen lassen, dass GAM mit einer Hiobsbotschaft aufwarten muss. Denn innerhalb von gerademal zwei Handelstagen büsste der Vermögensverwalter knapp 10 Prozent seines Börsenwerts ein. Das ist selbst für einen Nebenwert wie GAM nicht alltäglich.

Händler bezeichnen insbesondere den am Montagnachmittag beobachteten Ausverkauf als auffällig. Zu Wochenbeginn wechselten so viele Aktien die Hand wie am Donnerstag und Freitag zusammengezählt. Es sei, als habe jemand eine böse Vorahnung gehabt, so lautet der Tenor.

Nun warnt die ehemalige Tochter von Julius Bär vor einem deutlich tieferen Halbjahresgewinn. Gut zwei Wochen vor Semesterende steht fest, dass der operative Gewinn vor und nach Steuern um ungefähr 50 Prozent tiefer als die im Vorjahr erzielten 101,5 Millionen Franken ausfallen wird. Schuld sind ausbleibende erfolgsabhängige Gebühren. Zuletzt lagen die Analystenerwartungen für das Gesamtjahr 2016 in der Region von 150 bis 160 Millionen Franken. Diese Schätzungen werden nun substanziell fallen.

Darauf lässt auch die Reaktion der GAM-Aktie schliessen. An der Schweizer Börse SIX wird sie zur Stunde mit einem satten Minus von 17 Prozent auf 9,49 Franken "abgewatscht".

Kaum erfolgsabhängige Gebühren im ersten Halbjahr

Der für die Bank Vontobel tätige Analyst fühlt sich von der Gewinnwarnung in seiner negativen Haltung bestärkt. Er hält weder die Konsensschätzungen noch seine schon heute deutlich darunter liegende Gewinnprognose von 134 Millionen Franken für realistisch und nimmt letztere in negative Revision. In diesem Zusammenhang wird er auch das 13,50 Franken lautende Kursziel mit dem Rotstift überarbeiten.

Es bedürfe schon eines deutlich höheren Risikoappetits bei den Anlegern und eines nachhaltigen Nettoneugeldzuflusses, um das Blatt bei GAM zu wenden, so lässt der Experte durchblicken. Er bleibt deshalb vorsichtig und stuft die Aktie des Vermögensverwalters wie bis anhin nur mit "Hold" ein.

Bei der Zürcher Kantonalbank zeigt man sich überrascht, obschon GAM anlässlich des Zwischenberichts von Ende April auf tiefere erfolgsabhängige Gebühren hingewiesen habe. Der für den Vermögensverwalter zuständige Analyst erwartet bei den Gewinnschätzungen deutliche Abwärtsrevisionen. Er setzt sein Anlageurteil "Marktgewichten" in negative Überprüfung.

Ertragsschwäche auch in anderen Bereichen

Auch der Berufskollege von Goldman Sachs ringt in einem Kommentar um Worte. Er sei sich des schwierigen Marktumfelds durchaus bewusst gewesen, so schreibt er. Dennoch hatte er sich dank dem Absolute-Return-Angebot des Vermögensverwalters eine stabilere Gebührenentwicklung erhofft. Doch selbst unter Ausklammerung der erfolgsabhängigen Gebühren liegt der Halbjahresgewinn dem Analysten zufolge rund 10 Prozent unter den bankeigenen Schätzungen. Er empfiehlt die GAM-Aktie weiterhin zum Verkauf und will das 12,50 Franken lautende 12-Monats-Kursziel nach unten anpassen.