Gategroup geht definitiv nach China

Die Übernahme des Zürcher Airline-Caterers Gategroup durch den chinesischen Mischkonzern HNA scheint erfolgreich über die Bühne zu gehen.
22.07.2016 13:15
Der Bordverpfleger Gategourmet - eine Sparte von Gategroup - erhält chinesischen Eigentümer
Der Bordverpfleger Gategourmet - eine Sparte von Gategroup - erhält chinesischen Eigentümer
Bild: ZVG

Nach Ablauf der Nachfrist am (gestrigen) Donnerstag um 16 Uhr besitzt HNA 95,81% der Aktien. Davon wurden 95,03% aller kotierten Aktien angedient, wie die beiden Unternehmen am Freitag mitteilten. Es handelt sich um das provisorische Endergebnis, das definitive Endergebnis wird nächste Woche bzw. am 27. Juli veröffentlicht.

In der anfänglichen Angebotsfrist bis zum 1. Juli hatten zu wenig Aktionäre von Gategroup ihre Aktien dem chinesischen Konzern verkauft. Eigentlich hatte HNA eine sogenannte Mindestandienungsquote von 67% definiert. Das bedeutet, dass die Übernahme also nur dann zustande gekommen wäre, wenn die Gategroup-Aktionäre mindestens zwei Drittel der Aktien dem chinesischen Konzern verkauft hätten.

Weil bis zum 1. Juli die Aktionäre erst rund 62% der Aktien an HNA angedient hatten, verzichtete HNA auf diese Bedingung. Zusammen mit den von Gategroup selbst gehaltenen Aktien betrug die Beteiligungsquote rund 64%. HNA bietet bekanntlich 53 Franken pro Gategroup-Aktie, was einem Gesamtwert von rund 1,4 Milliarden Franken entspricht.

Verwaltungsrat wird ausgewechselt

Nach der Übernahme des Airline-Caterers durch HNA sollen die Chinesen auch das Zepter im Verwaltungsrat von Gategroup übernehmen. An einer ausserordentlichen Generalversammlung am nächsten Freitag (29.7.) wird praktisch der ganze Verwaltungsrat (VR) von Gategroup ausgewechselt.

Einzig Frederick Reid ist zur Wiederwahl in den VR vorgeschlagen, wie aus der Einladung zur ausserordentlichen GV hervorgeht. Neu sollen HNA-Chef Adam Tan sowie die HNA-Topmanager Di Xin und Frank Nang in den VR gewählt werden. Ebenfalls neu zur Wahl vorgeschlagen sind Gategroup-Chef Xavier Rossinyol und Stewart Gordon Smith, der VR-Präsident der Investmentgesellschaft Bravia Capital ist.

Wie es mit der Gategroup-Aktie genau weitergeht, wird sich bald zeigen. Bekanntlich sollen die Aktien dekotiert werden, im Angebotsprospekt heisst es dazu wörtlich: "Die Anbieterin (HNA) beabsichtigt, unabhängig von der Annahmequote, nach dem Vollzug des Angebots Gategroup zu veranlassen, einen Antrag bei der SIX für die Dekotierung der Gategroup Aktien gemäss den Kotierungsregeln der SIX einzureichen..."

Eine Gategroup-Sprecherin wollte bzw. konnte sich am Freitag gegenüber AWP dazu im Moment nicht äussern. Nach der Veröffentlichung des definitiven Endergebnisses nächste Woche dürfte aber diesbezüglich mehr bekannt werden, sagte sie.

Abschluss Ende dritten, Anfang vierten Quartals

HNA erwartet, dass die Übernahme Ende des dritten, Anfang des vierten Quartals dieses Jahres abgeschlossen werden kann. Dies ist später als ursprünglich geplant. Der Grund für die Verzögerung scheinen behördliche Genehmigungsverfahren zu sein, wie Anfang Juli mitgeteilt worden war.

Auch sonst ist über die Absichten der Chinesen noch nicht allzu viel bekannt. Als die geplante Übernahme durch HNA publik wurde, hatte Gategroup-Chef Xavier Rossinyol versprochen, dass sein Unternehmen weiterhin eine selbständig geführte Gesellschaft mit Sitz in der Schweiz bleiben werde. Im April dann aber hatte Verwaltungsratspräsident Andreas Schmid jedoch gesagt, dass es keine vertragliche Garantie für einen Erhalt des Gategroup-Firmensitzes in der Schweiz gebe.

HNA besitzt nicht nur bald Gategroup, sondern hat sich ein ganzes Set aus früheren Swissair-Töchtern zusammengekauft. Erst letzte Woche wurde bekannt, dass die Flugzeugwartungsfirma SR Technics für einen nicht genannten Preis an den Mischkonzern geht. Und bereits 2015 hatte HNA den Flugzeug- und Flughafendienstleister Swissport für 2,73 Milliarden Franken gekauft.

(AWP/SDA)