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Gebäudezulieferer im UmbruchWozu ist die Aktie von Arbonia noch fähig?

Vieles, was der milliardenschwere Investor und Industrielle Michael Pieper anfasst, wird zu Gold. Auch sein Investment Arbonia ist wieder gut unterwegs. Doch ist der aktuelle Konzernumbau nicht frei von Risiken.
05.02.2017 13:36
Von Pascal Züger
Michael Pieper ist über seine Artemis-Gruppe zu 20 Prozent an Arbonia beteiligt.
Michael Pieper ist über seine Artemis-Gruppe zu 20 Prozent an Arbonia beteiligt.
Bild: cash

Der Name Michael Pieper steht für langfristige Investments. Kauft er sich in eine Firma ein, dann richtig: Meist beteiligt sich gleich mit 10, 20 oder gar 50 Prozent am Zielobjekt.

Noch nie hat sich Pieper von einer Beteiligung vollständig getrennt. Speziell auf dem Radar sind bei ihm kriselnde Firmen, welche nach Ansicht Piepers brach liegendes Wachstumspotenzial besitzen. Das heisst: Er liebt Firmen, die in Schwierigkeiten stecken und die er wieder fit trimmen kann. Der Investor hält Anteile an börsenkotierten Firmen wie Rieter, Autoneum, Feintool oder Forbo (Tabelle mit Piepers Beteiligungen siehe unten).

Es war im Dezember 2014, als der unzimperliche Pieper auf einen Schlag von einem Grossaktionär 21,9 Prozent der Arbonia, damals noch AFG,  übernahm. Die Ostschweizer galten als Krisenunternehmen par excellence. 

Pieper setzte ein intensives Restrukturierung-Programm auf. Er hievte dazu seinen Companion Alexander von Witzleben in die Position des Verwaltungsratspräsidenten, welcher kurze Zeit später auch noch zum CEO ernannt wurde.

Arbonia-Aktie auf dem Höhenflug

Inzwischen sieht die (Arbonia-)Welt wieder weit besser aus, wie allein die Entwicklung des Aktienkurses in den letzten 12 Monaten beweist:

Kursentwicklung Arbonia in den letzten 12 Monaten. Quelle: cash.ch

Ganze 78 Prozent legten die Titel von Arbonia in den letzten 52 Wochen zu. Nur fünf Aktien des Swiss Performance Index können diesen Wert für den gleichen Zeitraum noch übertrumpfen. In diesem Jahr stehen die Wertpapiere immerhin mit plus 4 Prozent zu Buche.

Was ist geschehen bei Arbonia? Zunächst musste viel neues Kapital her. Zu diesem Zweck gab Arbonia im August 2015 neue Aktien mit einem Erlös von über 200 Millionen Franken heraus. Damit konnten Schulden abgebaut und gezielte strategische Einkäufe getätigt werden. Ende 2016 benötigte der Gebäudehersteller eine erneute Finanzspritze, um die Industriegruppe Looser zu übernehmen. Der Deal wird mit 511 Millionen Franken bewertet und gilt als strategisch sehr wichtig für Arbonia.

Looser könnte gemäss einem Analystenbericht der Zürcher Kantonalbank (ZKB) 2017 zu einem Umsatzsprung von 30 Prozent bei Arbonia führen. Die Segmente Türen und Industriedienstleistungen werden aktuell in die Arbonia integriert. Das Beschichtungsgeschäft von Looser soll hingegen so schnell wie möglich abgestossen werden. Die ZKB glaubt, dass dieser Verkauf in den nächsten Wochen über die Bühne gehen und einen Verkaufserlös von 100 Millionen Franken bescheren wird.

Nur für langfristige Anleger interessant

Parallel dazu verlagert Arbonia drei Produktionswerke von der Schweiz nach Osteuropa – um Kosten zu sparen. Für eine gewisse Zeit müssen daher sechs Werke gleichzeitig betrieben werden, damit die ständige Lieferbereitschaft sichergestellt werden kann.

"In dieser Zeit wird man natürlich auch 'doppelte' Kosten aufweisen", so ein Kommentar der Neuen Helvetischen Bank. Deshalb müsse man bei Arbonia als Anleger auf jeden Fall einen Horizont von 2 bis 3 Jahren haben.

2018 sollen die Umstellungen aber abgeschlossen sein. Arbonia will bis dann der führende europäische Gebäudezulieferer werden. Und verläuft tatsächlich alles nach Plan, hat die Aktie gemäss Neuer Helvetischer Bank noch "weiteres erhebliches Potenzial"  - trotz der bereits sehr stattlichen Bewertung.

Das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2017 beträgt 35. Die ZKB und Vontobel sind unter anderem aufgrund dieses hohen Wertes und wegen der Risiken der Looser-Integration etwas vorsichtiger und geben bei der Arbonia-Aktie derzeit eine "Halten"-Empfehlung aus.

Nächste Kursimpulse dürften bei der Bekanntgabe der Geschäftszahlen 2016 am 28. Februar folgen. Dann wird klarer, wie die Integration von Looser und der Verkauf des Beschichtungsgeschäfts vorankommen -  und ob die Aktienhausse eine Fortsetzung finden wird oder ob bereits jetzt zuviel im Kurs eingepreist ist.

Kursentwicklung von Aktien mit Pieper-Beteiligung

Titel Beteiligung Michael Pieper Kursentwicklung 2017 Kursentwicklung letzte 52 Wochen
Feintool 50% +13% +56%
Forbo 27% +8% +36%
Arbonia 20% +4% +78%
Rieter 12% +1% -7%
LumX (ehemals Gottex) 7% 0 -22%
Adval Tech 21% -2% +52%
Autoneum 20% -3% +21%

Quelle: cash.ch, Stand 3.2.2017