Geberit, ABB & Co. - US-Grossbank nimmt bei Investitionsgüteraktien die Gewinne mit

Mit den Valoren von ABB oder Schindler liess sich in den letzten Wochen viel Geld verdienen. Nun senkt die US-Grossbank Morgan Stanley den Daumen über diesem Titelsegment. cash verrät die Gründe.
18.05.2017 08:29
Von Lorenz Burkhalter
ABB ist die wohl bekannteste Investitionsgüteraktie aus der Schweiz.
ABB ist die wohl bekannteste Investitionsgüteraktie aus der Schweiz.
Bild: Bloomberg

Seit dem frühen Mittwochnachmittag stehen die Aktienkurse rund um den Globus unter Druck. Besonders stark betroffen: Jene konjunkturabhängiger Unternehmen.

Kräftig Öl ins Feuer giessen die für Morgan Stanley tätigen Autoren eines Strategiepapiers. Denn darin sprechen sie eine Verkaufsempfehlung für europäische Investitionsgüteraktien aus. In dieses Titelsegment fallen an der Schweizer Börse SIX unter anderem der Sanitärtechnikkonzern Geberit, der Aufzughersteller Schindler oder der Industriekonzern ABB.

Diese und ähnliche Unternehmen seien kurzfristig extrem gut gelaufen und die Bewertung im Vergleich zum breiten Markt so hoch wie seit 40 Jahren nicht mehr, so schreiben die Strategen der US-Grossbank.

China wird zum Spielverderber

Sie erklären sich das überdurchschnittlich gute Abschneiden mit den seit Jahresbeginn sehr freundlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Den davon ausgehenden Rückenwind sehen sie über die kommenden Monate jedoch nachlassen und verweisen dabei auf die drehenden Einkaufsmanager-Indizes sowie auf die ziemlich hohe Vergleichsbasis aus dem letzten Jahr. Gewisse Gefahren sehen die Strategen auch von der zukünftigen Währungsentwicklung ausgehen.

Die Aktie von ABB (rot) im 12-Monats-Vergleich mit jener von Geberit (grün) und dem Partizipationsschein von Schindler (violett) (Quelle: www.cash.ch)

Zudem könnten die Wachstumsimpulse aus China nachlassen. Die Volksrepublik ist für viele Investitionsgüterhersteller zu einem wichtigen Absatzmarkt geworden. Doch nach Jahren des schier ungebändigten Wachstums machen sich immer öfter Ermüdungserscheinungen bemerkbar. Die chinesische Nachfrage nach industriellen Maschinen habe ihren Höhepunkt durchschritten, so wird gewarnt.

Bauen Finanzinvestoren ihren Einfluss aus?

Auf der Liste der übertrieben hoch bewerteten Investitionsgütertitel ist auch die Aktie von ABB zu finden. Auf Basis bankeigener Schätzungen weist sie ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 19, ein Preis-Buchwert-Verhältnis (PBV) von knapp 4 sowie eine Dividendenrendite von gut 3 Prozent auf. Dank firmenspezifischen Gegebenheiten wird die Aktie zwar weiterhin mit "Overweight" zum Kauf empfohlen. Das Kursziel von 25 Franken lässt jedoch nur noch ein begrenztes Aufwärtspotenzial vermuten.

Als Stütze könnten sich bei ABB die für ihre aktive Einflussnahme bekannten Grossaktionäre erweisen. Der schwedische Vermögensverwalter hält gut 6 Prozent am Industriekonzern aus Zürich und ist zudem namhaft an Rivalen wie Metso oder Rexel beteiligt. Mit 10 Prozent der Stimmen ist Investor AB mit Abstand grösster Einzelaktionär von ABB. Die Beteiligungsgesellschaft der bekannten industriellen Familie Wallenberg hält ausserdem grössere Aktienpakete an Atlas Copco und Elecrolux.