Geberit-Aktie bricht Rekordjagd ab

Sonderfaktoren drücken bei Geberit auf den Jahresgewinn. Der Sanitärtechnikkonzern erhöht die Dividende deshalb nur leicht. Die Aktie fällt.
15.03.2016 11:20
Von Lorenz Burkhalter
Hat bei der Integration von Sanitec mit zahlreichen Sonderkosten zu kämpfen: Geberit-Chef Christian Buhl.
Hat bei der Integration von Sanitec mit zahlreichen Sonderkosten zu kämpfen: Geberit-Chef Christian Buhl.
Bild: ZVG

Kosten im Zusammenhang mit der Übernahme von Sanitec bescherten dem Sanitärtechnikkonzern Geberit im letzten Jahr einen Gewinnrückgang. Obschon das firmeneigene Ziel für die operative Marge (EBITDA) erreicht wird, hatten sich die Analysten rückblickend mehr erhofft.

Dasselbe gilt für die Jahresdividende, welche nur leicht auf 8,40 Franken je Aktie angehoben wird. Viele Experten waren von einer grosszügigeren Ausschüttung und einem Aktienrückkaufprogramm ausgegangen.

Weil die Aussagen zu Sanitec ein weiteres Übergangsjahr erwarten lassen, verliert die Geberit-Aktie an der Schweizer Börse SIX zur Stunde 3,1 Prozent auf 359,80 Franken. Zeitweise wurden sogar Preise um 358,80 Franken bezahlt. Damit ist die jüngste Jagd auf neue Kursrekorde wohl fürs erste abgesagt.

Ein Jahr mit unzähligen Sonderfaktoren

Gemäss dem für die Zürcher Kantonalbank tätigen Analysten war das letztjährige Ergebnis aufgrund der Umsatzbekanntgabe im Januar gut abschätzbar. Mit Ausnahme höherer Integrationskosten für Sanitec und einer tieferen Steuerrate berge es nur wenige Überraschungen.

Gerade was die Sonderkosten anbetrifft, sind diese dem Experten zufolge um rund 10 Millionen Franken höher als erwartet ausgefallen. Um diese Kosten bereinigt entspreche der operative Gewinn (EBIT) den Erwartungen, so lautet seine Beurteilung. Er stuft die Aktie weiterhin mit "Marktgewichten" ein.

Auch sein für Baader Helvea tätiger Berufskollege schreibt davon, dass die Sanitec-Übernahme Konsequenzen für Geberit gehabt habe. Die Bilanz habe sich verschlechtert und die Margen seien im Laufe des letzten Jahres in signifikanter Weise gefallen. Er sieht diesbezüglich in Zukunft allerdings Verbesserungspotenzial.

Dividende eine leichte Enttäuschung

Was die letztjährige Margenentwicklung anbetrifft, haben sich Preisnachlässe im Heimmarkt Schweiz, Währungsfluktuationen sowie höhere Personal- und Pensionskosten dem Analysten zufolge ebenfalls negativ bei der Margenentwicklung bemerkbar gemacht. Geholfen hätten hingegen höhere Absatzvolumen, eine Verbesserung bei der Umsatzzusammensetzung sowie rückläufige Rohmaterialkosten.

Von der nur leicht höheren Dividende von 8,40 Franken je Aktie zeigt sich der Experte etwas enttäuscht. Er selber hatte mit einer Ausschüttung von 8,50 Franken pro Titel gerechnet. Allerdings relativiert er die Enttäuschung damit, dass die Ausschüttungsquote mit 63,3 Prozent am oberen Ende der firmeneigenen Zielbandbreite von 50 bis 70 Prozent liege. Er stuft die Aktie wie bis anhin mit "Hold" und einem Kursziel von 335 Franken ein.

Anpassungsbedarf bei den Analysten

Für Gesprächsstoff sorgen die Aussagen für 2016. Diese fallen wie gewohnt wenig konkret aus, gibt sich Geberit für gewöhnlich erst im Jahresverlauf konkretere Ziele. Der Verweis auf die andauernde Integration von Sanitec lässt einige Experten ein weiteres Übergangsjahr erwarten.

Deutlich optimistischer ist bloss der für die Bank Vontobel tätige Analyst. Er zeigt Gefallen an der positiveren Beschreibung des europäischen Bausektors und nimmt sowohl seine Gewinnschätzungen als auch das 400 Franken lautende Kursziel in "positive Revision". Die Aktie wird bei der Zürcher Bank weiterhin zum Kauf empfohlen.

Händlern zufolge haben zahlreiche weitere Analysten Anpassungsbedarf bei ihren Schätzungen und Kurszielen.