Geberit-Aktie nach Grossübernahme gesucht

Geberit überrascht mit einem milliardenschweren Firmenkauf in Skandinavien. Obschon sich die Dividendenaussichten dadurch eintrüben, springt die Aktie nach oben.
14.10.2014 10:42
Von Lorenz Burkhalter
Mit der Übernahme von Sanitec gelingt Geberit der grosse Wurf.
Mit der Übernahme von Sanitec gelingt Geberit der grosse Wurf.
Bild: www.geberit.com

Den Analysten ist die Überraschung förmlich ins Gesicht geschrieben: Geberit übernimmt für umgerechnet 1,29 Milliarden Franken den finnischen Rivalen Sanitec. Den Segen des Verwaltungsrats und der Grossaktionäre hat das Ostschweizer Sanitärtechnikunternehmen bereits. Kein Wunder, liegt die Barofferte doch mehr als 50 Prozent über dem Schlusskurs vom Montag.

Doch trotz des grosszügigen Angebots und eingetrübten Aussichten auf eine Sonderdividende oder eine Wiederaufnahme des Ende Juli eingestellten Aktienrückkaufprogramms, kommt die Übernahme von Sanitec in Analystenkreisen gut an. Vermutlich auch deshalb, weil zur Finanzierung keine Kapitalerhöhung nötig wird.

Die Aktie von Geberit haussiert zur Stunde an der Schweizer Börse SIX um 2,1 Prozent auf 295,80 Franken. Beobachter sprechen von einem guten institutionellen Kaufinteresse.

Abhängigkeit von Europa nimmt weiter zu

Bei der Zürcher Kantonalbank wird die Übernahme grundsätzlich begrüsst und als strategischen positiven Schritt bezeichnet. Geberit könne so doch auch die hohen Barmittel effizienter einsetzen. Eher ein Nachteil sei die mit Sanitec noch stärkere Abhängigkeit vom schwierigen europäischen Markt. Denn die Skandinavier seien wie die Ostschweizer auch stark auf Europa ausgerichtet. Der Kaufpreis entspreche einem Verhältnis auf Basis EV/EBITDA von 11,5x, was unter der Bewertung von Geberit liege. Der verantwortliche Analyst stuft die Aktie dennoch unverändert mit "Marktgewichten" ein.

Sein für die Bank Vontobel tätiger Berufskollege macht den signifikant über dem Schlusskurs vom Vortag liegenden Angebotspreis zum Schlüsselthema seines Kommentars. Obschon dieser hoch scheine, erachte er den Zeitpunkt der Übernahme als attraktiv.

Gefallen findet der Analyst auch am in Zukunft breiteren Produktangebot und der erhöhten Präsenz in den Schauräumen in den Wachstumsmärkten. Durch die Firmentransaktion verändere sich die DNA von Geberit. Der Analyst hält weiterhin am "Hold" lautenden Anlageurteil für die Aktie fest, nimmt jedoch das Kursziel von 310 Franken in Revision.

Der Experte der Credit Suisse errechnet auf Basis der vorliegenden Informationen eine Gewinnverdichtung um 5,5 bis 6,5 Prozent. Den strategischen Nutzen der Grossübernahme stellt er dennoch in Frage. Bisher habe sich das Unternehmen immer gegen den Kauf eines Anbieters wie Sanitec ausgesprochen.

Ahnte man bei Goldman Sachs etwas?

Bei J. Safra Sarasin wird vor allem der Ausbau der Produktpalette begrüsst. Ausserdem erhalte Geberit Zugang zu den Endverbrauchern. Mit der Übernahme werde das Unternehmen zum führenden Anbieter für Sanitärprodukte in Europa. Die auf mehrere Marken ausgerichtete Strategie von Sanitec unter das Dach von Geberit zu bringen, sei allerdings mit Herausforderungen verbunden, so der verantwortliche Analyst. Ausserdem befürchtet er, dass die Übernahme die Margen im ersten Moment verwässern könnte. Dennoch hält er eine positive Kursreaktion für wahrscheinlich.

Es ist noch keine Woche her, dass Goldman Sachs die Aktie von Geberit in einer Branchenstudie mit einem atemberaubenden 12-Monats-Kursziel von 385 (380) Franken auf die viel beachtete "Conviction Buy List" setzte (siehe Artikel vom 9. Oktober). Die amerikanische Grossbank argumentierte unter anderem mit der Möglichkeit gewinnverdichtender Übernahmen, als hätte sie schon damals etwas geahnt.