Geberit-CEO: «Minder-Initiative schadet Schweiz»

Die Annahme der Minder-Initiative macht Geberit-CEO Albert Baehny Sorgen. Zudem äussert er sich im cash-Video-Interview zur Wachstumsstrategie des Unternehmens.
12.03.2013 12:48
Von Frédéric Papp
Albert Baehny, CEO Geberit, im cash-Video-Interview.
Bild: cash

Vor gut einer Woche hat das Schweizer Volk mit einer deutlichen Mehrheit für die Minder-Initiative ausgesprochen und erhält damit das schärfste Aktionärsrecht der Welt. Die Drohungen seitens der Wirtschaftsverbände kamen postwendend. So kündigte Economiesuisse-Präsident Rudolf Wehrli an, dass mehrere börsenkotierte Firmen den Wegzug planten.

Auch für Albert Baehny, CEO des Sanitärherstellers Geberit, schadet die Annahme der Minder-Initiative der Schweiz. Er drückt seine Missgunst mit folgendem Bild aus: "Man hat in einen gesunden Körper eingegriffen, und der Körper heisst Industriestandort Schweiz. Diese Entwicklung macht mir schon Sorgen", sagt er im cash-Video-Interview.

Arbeitsplätze bleiben in der Schweiz

Geberit tangiere die Abzocker-Initiative aber wenig. "Geberit wird keine Arbeitsplätze ins Ausland verlagern. Das haben wir bis anhin nicht gemacht, und das haben wir auch in Zukunft nicht vor", sagt Baehny. Er befürchtet allerdings für künftige Generalversammlungen "gewisse Implikationen".  

Die Minder-Initiative verlangt unter anderem, dass die Aktionäre an der Generalversammlung über die Gesamtsumme aller Entschädigungen des Verwaltungsrates, der Geschäftsleitung und des Beirates abstimmen können. Baehny, der seit 2005 Konzernchef und seit 2011 Präsident des Verwaltungsrates ist, bezog vergangenes Jahr eine Gesamtvergütung von rund 2,25 Millionen Franken.

Deutschland: Grösster Markt für Geberit

Der führende Sanitärhersteller in Europa legte an der Bilanzmedienkonferenz am Dienstag ein solides Zahlenset vor. Der Konzern konnte die hohen Markterwartungen dennoch nicht ganz erfüllen. In der Folge verliert die Aktie am Dienstag fast drei Prozent an Wert.

Der Start ins 2013 sei zufriedenstellend, sagt Baehny und dies trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds in Europa. Geberit erwirtschaftet knapp 40 Prozent oder 768 Millionen Franken des Umsatzes in Deutschland.

Doch für Baehny stellt dieses Exposure kein Klumpenrisiko dar: "In Deutschland lässt sich am einfachsten neue Produkte einführen. Es ist ein gut funktionierender Markt, dem wir auch in Zukunft grosses Gewicht beimessen werden", so Baehny. Im Gesamtjahr 2012 betrug der währungsberichtigte Umsatzzuwachs für Deutschland rund 9 Prozent. In Italien und Spanien musste Geberit hingegen einen Umsatzschwund von knapp 7 beziehungsweise rund 19,5 Prozent hinnehmen.

 

In welche Länder die Marktposition weiter verstärkt werden soll und wie Geberit dies bewerkstelligen will, sagt Albert Baehny im Video-Interview.