Gebeutelte Hedgefonds sehen zum Jahresende endlich Lichtblicke

Nach einem äusserst durchzogenen Jahr gibt es zum Jahresende einen unerwarteten Aufschwung für die Hedgefonds-Branche.
26.12.2016 06:05
Aushängeschild der Hedgefonds-Branche: John Paulson.
Aushängeschild der Hedgefonds-Branche: John Paulson.
Bild: Bloomberg

Für Hedgefonds gab es in diesem Jahr von vielen Seiten nur Hohn und Spott. Pensionsfonds, Politiker, Warren Buffett und Hedgefondsmanager selbst - alle hatten etwas zu sagen zur enttäuschenden Entwicklung, hohen Gebühren und einer Sättigung des Marktes.

Bei bekannten Managern von Ray Dalio bis John Paulson reichte die Performance von Stagnation bis zu zweistelligen Verlusten. Hingegen profitierten einige Investoren, die auf notleidende Anleihen setzten, von den steigenden Ölpreisen. Am schlechtesten schnitten Strategien ab, die auf makroökonomische Trends sowie Aktien-Hedges ausgerichtet sind. Ihre Erträge wurden durch aufgeblähte Bewertungen an den Aktienmärkten und ultra-niedrige Zinsen belastet.

Doch zum Jahresende hin gab es einen unerwarteten Aufschwung für die Branche. Der überraschende Wahlsieg von Donald Trump bei den US-Präsidentschaftswahlen wogte durch die Märkte, sorgte bei manchen Hedgefonds für eine Kehrtwende und dürfte sich mit Blick nach vorne als Segen erweisen. Von Trumps Politik wird erwartet, dass sie zu höheren Zinsen und zu grösseren Unterschieden bei den Unternehmensergebnissen in den verschiedenen Branchen führen sowie die Aktivität bei Fusionen und Akquisitionen ankurbeln wird. Das sind gute Aussichten für Hedgefonds.

"Der Trend hat definitiv gedreht", sagt Adam Blitz, als Chief Investment Officer für die Kapitalanlagen bei Evanston Capital Management in Evanston, Illinois, verantwortlich. Seine Gesellschaft vergibt Anlagegelder an Hedgefonds. Die Leute würden nun vermehrt sagen, "wir wissen zwar nicht genau was die Zukunft bringt, aber es wird wohl etwas Anderes sein", fügte er an.

Kehrtwende bei makroökonomischen Trends

Hedgefonds, die auf makroökonomische Trends wetten, verzeichneten 2016 mit die schlechtesten Ergebnisse. Doch die Volatilität, die durch den Wahlsieg von Trump ausgelöst wurde, sorgte für eine Kehrtwende bei den Erträgen für Hedgefonds wie Brevan Howard Asset Management und Rubicon Fund Management. Der Master Fonds von Brevan Howard legte im November eine Rally hin, konnte frühere Verluste wettmachen und kommt nun auf ein Plus von 2,8 Prozent für dieses Jahr, wie aus einem Schreiben an Investoren hervorgeht. Der Global Fund von Rubicon legte dem Vernehmen nach im November um 21 Prozent zu und kam damit nach einem Verlust auf plus 2,2 Prozent Ertrag.

Bei anderen prominenten Hedgefonds konnten starke Verluste ausgeglichen werden. Der von Dalios Bridgewater Associates betreute Pure Alpha II Fonds, der noch Ende September bei einem Verlust von 10,3 Prozent stand, verbesserte sich nach Angaben zweier informierter Personen bis Ende November auf minus 0,2 Prozent.

Macro Manager von Moore Capital Management verringerte die Verluste bis zum 1. Dezember dem Vernehmen nach auf 1,23 Prozent. Moore-Gründer Louis Bacon erklärte in einem Schreiben vom 28. November an die Investoren, dass er erstmals seit einigen Jahren "äusserst optimistisch" sei im Hinblick auf kommende Handelschancen, die eine "Spielwende" bringen würden. Zur Begründung verwies er auf Trumps Sieg und die Aussichten auf höhere Zinsen, einen stärkeren Dollar, einen boomenden Unternehmenssektor und eine verbesserte Marktliquidität.

Long-Short Aktien

Hedgefonds, die auf steigende oder fallende Aktienkurse wetten, brachten sowohl grosse Verlierer als auch Gewinner hervor. Die Strategie kam nach Angaben von Hedge Fund Research in den ersten elf Monaten des Jahres auf asset-gewichteter Basis auf einen durchschnittlichen Ertrag von zwei Prozent.

In Europa verlor der Lansdowne Developed Markets Fund 18 Prozent, und beim Flaggschiff-Hedgefonds von Crispin Odey ging es sogar um 48 Prozent nach unten. Sein Fonds gewann in den zwei Handelstagen nach dem Brexit-Votum der Briten im Juni über 20 Prozent, rutschte aber ins Minus, als sich die britischen Aktien aufgrund des schwächeren Pfund wieder erholten.

"Eine Reihe von Managern haben unter dem Ausverkauf und der Sektorrotation zu Jahresbeginn gelitten und es dann versäumt, von der Nach-Brexit-Rally zu profitieren, weil sie kein Risiko eingegangen waren", sagte Nicolas Roth, Co-Chef Alternative Anlagen bei Reyl & Cie in Genf mit Bezug auf europäische Hedgefonds.

Hedgefonds, die auf notleidende Anleihen, hauptsächlich im Energiesektor, setzten, kam dieses Jahr die Rally der Ölpreise zugute. Sie erzielten im Durchschnitt zwölf Prozent Ertrag. Eines der besten Ergebnisse lieferte mit einem Plus von 35,5 Prozent bis Ende November Mudrick Capital Management. Der Special Opportunity Fund von Marathon Asset Management brachte informierten Personen zufolge 18,5 Prozent ein.

Da zusammen mit den steigenden Zinsen auch die Zahlungsausfälle von Unternehmen zunehmen dürften, seien die Aussichten für Hedgefonds, die auf notleidende Anleihen setzen, weiter stark, wobei sich in den nächsten zwölf bis 18 Monaten eine breitere Auswahl an Chancen ergeben werde, sagt Panayiotis Lambropoulos, Vermögensverwalter beim Employees Retirement System of Texas.

Rückkehr der Aktien-Picker

Investoren, die gezielt Aktien auswählen, hatten es in diesem Jahr angesichts einer fast umfassenden Aktien-Rally schwer zu glänzen. Auch für sie dürfte es im kommenden Jahr besser aussehen, sagt David Saunders, CEO beim Hedgefonds Investor K2 Advisors von Franklin Resources.

Da Trump sich eine Deregulierung und die Repatriierung von Auslandsgeldern auf die Fahne geschrieben habe, dürften die Unternehmen vermehrt eigene Aktien zurückkaufen, Investitionen tätigen und Übernahmen anpeilen, meint Saunders. Änderungen bei Obamacare, Handelsvereinbarungen und Infrastrukturausgaben dürften sich auf die Branchen Gesundheit, Technologie, Stahl- und Bergbau auswirken.

Über alle Strategien hinweg werde das Umfeld kleinere, spezialisierte Hedgefonds gegenüber grösseren, generalisierteren bevorzugen, sagt Blitz von Evanston. "Es dreht sich alles darum, wirklich gute Hedgefonds zu finden, die über einenVorteil auf einem speziellen Gebiet verfügen", sagt Blitz. Er denke aber nicht,auch vor dem verbesserten Hintergrund, dass sich der durchschnittliche Hedgefonds besonders gut entwickeln werde.

(Bloomberg)