Gefallene Aktien-Engel und ihre Chancen

Bei vielen gehypten Schweizer Aktien aus dem Small- und Mid-Cap-Bereich ging in den letzten Wochen erheblich die Luft raus. cash.ch nennt sieben abgestrafte Titel und beurteilt ihre Chancen auf Erholung.
25.09.2015 00:01
Von Daniel Hügli
Wo sind denn die hohen Aktienkurse geblieben? Zwei Engel aus dem Bild "Sixtinische Madonna" von Raffael.
Wo sind denn die hohen Aktienkurse geblieben? Zwei Engel aus dem Bild "Sixtinische Madonna" von Raffael.
Bild: iNg

Steil war der Anstieg für viele Schweizer Aktien aus dem Small- und Mid-Cap-Bereich nach dem Kursschock der Schweizerischen Nationalbank Mitte Januar. Vereinzelte Titel konnten in den Monaten darauf 50 Prozent oder mehr zulegen.

Steil war indessen auch der Rückfall vieler Aktien in den letzten Wochen und Monaten. Gründe gibt es viele: Anleger, welche die Dividende kassierten und sich dann vom Titel verabschiedeten. Sichtbare Auswirkungen der Wechselkurskapriolen auf die Halbjahresresultate. Oder Befürchtungen wegen einer harten Landung der chinesischen Konjunktur und entsprechende Folgen für die Weltwirtschaft.

cash pickte sieben Titel aus der Schweizer Small- und Mid-Cap-Welt heraus, die besonders gelitten haben und beurteilt ihre Möglichkeiten einer Erholung.

Coltene: Mit einem Anstieg von fast 50 Prozent von Mitte Januar bis Ende April war die Aktie des Zahnarzt-Zulieferes einer der Highflyer an der Schweizer Börse. Dann verabschiedeten sich die Dividendenjäger. Später kamen die Halbjahreszahlen, die sich als herbe Enttäuschung herausstellten. Die Aktie verlor ab Anfang Juni fast ebensoviel, wie sie in den Monaten zuvor dazugewonnen hatte. Das Management will nun im zweiten Halbjahr den Vertrieb stärken und die Kosten senken.

Fazit: Die Aktie zeigt im September zögerliche Erholungstendenzen. Vor allem im Hinblick auf die nächste Dividendensaison (Rendite jetzt: 4,4 Prozent) dürfte die Aktie mittelfristig wieder steigen.

Comet: Die Aktie des Freiburger Unternehmens, das sich auf Röntgenmodule und Vakuumkondensatoren spezialisiert, hat seit Anfang August fast 25 Prozent ihres Wertes eingebüsst (siehe Chart unten). Zuvor war sie nach dem Franken-Schock im Januar allerdings auch 40 Prozent in die Höhe geschossen. Die Halbjahreszahlen im August zeigten, dass Comet die Wachstumsdynamik der letzten Jahre etwas abhanden gekommen ist. Die Anleger warten auf den Investorentag am 24. November.

Fazit: Obwohl das Unternehmen ein stärkeres zweites Halbjahr 2015 erwartet, ist das Korrekturpotenzial der Aktie noch nicht ausgereizt.

Aktienkurs von Comet in den letzten zwölf Monaten.

Dufry: Die im Reisedetailhandel tätige Dufry ist eigentlich schon genug beschäftigt mit der Integration der Übernahmen von Nuance und World Duty Free. Nun wird das Unternehmen auch noch vom Abschwung in Schwellenländern (Brasilien, Russland oder Türkei) getroffen, was den Umsatz im ersten Halbjahr nach unten drückte. Die Aktie hat seit Mitte Juni 20 Prozent verloren. 

Fazit: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist zwar auf akzeptable 13 gesunken. Dennoch bleibt die Aktie mit erheblichen Unsicherheiten belastet. Hänge weg.

Georg Fischer: Zurück auf den Stand vom SNB-Schock Mitte Januar. Diese Marschrichtung hatte in den letzten Monaten auch die Aktie von Georg Fischer (GF). Allein seit Mitte Juni hat der Titel 30 Prozent eingebüsst. Als Industriegruppe ist GF, die strategisch und operativ eigentlich vieles richtig macht, per se konjunkturanfällig. Die Sorgen um die Entwicklung in China (und neuerdings auch wieder Europa) haben voll auf die Aktie durchgeschlagen, obwohl nicht einmal ein Fünftel des Umsatzes von der Entwicklung im Reich der Mitte abhängen. Das KGV von 11 macht die Aktie attraktiv.

Fazit: Für ein Engagement noch zu unsicher. Sollte sich die Lage in China aufhellen, sofort kaufen.

LEM: Vom Kursstand nahe Allzeithoch noch Mitte Juni hat die Aktie des Elektronikkomponentenherstellers nun bis zu 30 Prozent verloren (siehe Chart unten). Umsatz und Gewinn im ersten Halbjahr waren rückläufig. China ist einer der Hauptwachstumstreiber von LEM, die Firma generiert dort einen Viertel ihres Umsatzes. Nicht verwunderlich daher, dass die Aktie derart Federn lassen musste. Dividendenjäger werden die Aktien aber wieder entdecken, die Rendite beträgt über 6 Prozent.

Fazit: In den letzten Tagen zeigte die Aktie starke Erholungstendenzen. Gestaffelten Einstieg jetzt beginnen.

Aktienkurs von LEM in den letzten zwölf Monaten.

Mobilezone: Martin Ebner (Bild unten), der mit 27 Prozent an Mobilezone beteiligt ist und im Juni ein Allzeithoch des Aktienkurses erleben durfte, wird's mit Stirnrunzeln zur Kenntnis genommen haben. Die Aktie des Handyverkäufers ist seit Ende August fast 20 Prozent gefallen. Just seit dem Zeitpunkt, als Mobilezone wegen des Markteintritts in Deutschland einen Rekordumsatz im ersten Halbjahr vermelden konnte. Wie die anderen nationalen Telecom-Aktien hat aber auch Mobilezone in den letzten Wochen wegen Befürchtungen eines Preiskampfes in der Schweiz stark gelitten. Die Mobilezone-Aktie rentiert nach wie vor 4 Prozent, das KGV 2016 ist mit 13 moderat.

Fazit: Die Aktie ist in den letzten Woche zu tief gefallen. Auf dem jetzigen Niveau attraktiv.

Martin Ebner hält via seine Patinex fast einen Drittel an Mobilezone.

Panalpina: Die Aktie des Basler Logistikers hat seit Anfang April 30 Prozent verloren. Wie viele andere Aktien wird auch Panalpina von den Ängsten rund um die Konjunkturentwicklung und einer weiteren Abschwächung des globalen Transportvolumens erfasst. Trotz des Kurssturzes in diesem Jahr bleibt das KGV 2015 auf relativ hohen 25. Der Einfluss des aktivistischen schwedischen Investors Cevian, der auch bei ABB eingestiegen ist, wird sich wohl nicht so schnell positiv bemerkbar machen.

Fazit: Die Aktie zeigte im Juli und August aufwärts, fällt aber seit Anfang September wieder konstant zurück. Ein schlechtes Zeichen. Noch kein Kauf.