Gefragte Aktie - Aktie von Julius Bär von Gewinnmitnahmen erfasst

Anders als die Rivalin UBS wartet Julius Bär mit einer soliden Bruttomarge und anhaltend hohen Neugeldzuflüssen auf. Nach neuen Jahreshöchstkursen im frühen Handel, kann die Aktie Gewinnmitnahmen abschütteln.
01.02.2017 11:38
Von Lorenz Burkhalter
Julius-Bär-Chef Boris Collardi kann zufrieden auf 2016 zurückblicken.
Julius-Bär-Chef Boris Collardi kann zufrieden auf 2016 zurückblicken.
Bild: Bloomberg

Die Ergebnisenttäuschung bei der Rivalin UBS hinterliess in den letzten Tagen auch bei den Aktien von Julius Bär ihre Spuren. Seit dem frühen Mittwoch steht nun fest: Es war ziemlich voreilig, die traditionsreiche Bank aus Zürich für die Probleme der Schweizer Grossbank in Sippenhaft zu nehmen.

Das Jahresergebnis von Julius Bär ist von einer überraschend stabilen Margenentwicklung sowie von anhaltend hohen Nettoneugeldzuflüssen geprägt. Deshalb werden die Analystenerwartungen nicht nur beim bereinigten Konzerngewinn, sondern auch beim Konzerngewinn nach IFRS teilweise klar übertroffen.

Gut kommt bei den Anlegern auch die grosszügigere Jahresdividende an. Davon angetrieben wird die Aktie von Julius Bär an der Schweizer Börse SIX von aggressiven Anschlusskäufen erfasst. Zur Stunde gewinnt sie noch 3,3 Prozent auf 47,75 Franken. Zeitweise wurden sogar Kurse von bis zu 48,84 Franken bezahlt, dem höchsten Stand seit mehr als 12 Monaten.

In einem Kommentar der Zürcher Kantonalbank (ZKB) wird der vorliegende Zahlenkranz als "insgesamt recht ordentlich" bezeichnet. Allerdings falle dieser nicht so weit aus dem Rahmen, als dass der Autor sich zu einer Anpassung seiner Vorhersagen für 2017 und darüber hinaus gezwungen sieht.

Starkes Abschneiden in einem schwierigen Umfeld

Seines Erachtens bleibt allerdings unklar, ob die Kunden irgendwann ihre Transaktionsunwilligkeit aufgeben und vor allem ob die neu eingestellten Kundenberater bezüglich Neugeldgenerierung erfolgreich sind. Der starken Kursentwicklung seit Anfang November nach scheine der Markt diese Frage schon ziemlich positiv zu beantworten, so der ZKB-Analyst. Er bleibt deshalb beim Anlageurteil "Marktgewichten".

Deutlich optimistischer beurteilt sein Berufskollege von Baader-Helvea die Situation. Er bezeichnet das in der zweiten Jahreshälfte erzielte Resultat als stark. Die Bruttomarge sei höher als erwartet ausgefallen, genauso wie die verwalteten Vermögen. Damit hebe sich Julius Bär in positiver weise von der UBS ab, so der Experte. Die Aktie wird bei Baader-Helvea deshalb unverändert mit einem Kursziel von 50 Franken zum Kauf empfohlen.

Dividendenerhöhung fällt wie erwartet aus

Auch bei der UBS selber ist bezugnehmend auf das Jahresergebnis von Julius Bär von einer "guten Geschäftsentwicklung nach den meisten Kriterien" die Rede. Dank der Verpflichtung von neuen Kundenberatern sei die Nettoneugeldentwicklung solide ausgefallen. Auch die in den Monaten November und Dezember stabile Bruttomargenentwicklung wird vom verantwortlichen Analysten begrüsst.

Der Experte errechnet bei der Kernkapitalquote (Tier-1) auf das Gesamtjahr betrachtet eine Verbesserung um 40 Basispunkte auf 10,6 Prozent. Das decke sich mit den Markterwartungen, liege aber sogar etwas über den bankeigenen Schätzungen, so lässt er seine Kundschaft wissen. Dasselbe gelte für die vorgeschlagene Dividende. Der Experte empfiehlt die Aktie wie bis anhin mit einem 12-Monats-Kursziel von 49 Franken zum Kauf.

Bei der Zürcher Kantonalbank wird die Kernkapitalquote hingegen als ausbaufähig bezeichnet. Die bankeigenen Dividendenerwartungen von 1,25 Franken je Aktie werden knapp verfehlt: Julius Bär erhöht die Ausschüttung um 8 Prozent auf 1,20 Franken pro titel. Davon lässt sich eine Rendite von 2,5 Prozent ableiten. Der für Kepler Cheuvreux tätige Experte zeigt sich sogar überrascht, dass die Dividende in Anbetracht der eher schwachen Kernkapitalsituation erhöht wird. Er empfiehlt die Aktie weiterhin mit "Reduce" und einem Kursziel von gerademal 43 Franken zum Verkauf.