Geldanlage - Schweizer Aktien, welche die Euro-Stärke noch nicht eingepreist haben

Das Erstarken des Euros wird sich positiv auf die Gewinne von Schweizer Unternehmen auswirken - falls der Euro das derzeitige Niveau hält. Bei einigen Aktien hat sich dieser Effekt aber noch nicht niedergeschlagen.
14.08.2017 07:29
Von Daniel Hügli
Der Euro leuchtet wieder - mit positiven Auswirkungen auf viele Schweizer Unternehmen.
Der Euro leuchtet wieder - mit positiven Auswirkungen auf viele Schweizer Unternehmen.
Bild: cash

Die Aktie des Sanitärtechnikers Geberit zog ab 24. Juli deutlich an. Fast 10 Prozent gewann der Titel in etwas mehr zwei Wochen, wie folgender Chart verdeutlicht.

Aktienkurs von Geberit in den letzten drei Monaten, Quelle: cash.ch

Auslöser waren nicht etwa gute Halbjahreszahlen von Geberit - die kommen erst am 17. August. Ein Blick auf einen anderen Chart zeigt die Zusammenhänge: Der 24. Juli war auch der Tag, an welchem der Euro zum Schweizer Franken deutlich zuzulegen begann. Es resultierte noch vor Ende Juli ein Zuwachs für die Europäische Gemeinschaftswährung von fast 5 Prozent. Eine bemerkenswerte Aufwertung für ein gewöhnlich träges Währungspaar. 

Wechselkursentwicklung Euro-Franken in den letzten drei Monaten, Quelle: cash.ch

Anleger reagierten mit den Geberit-Aktienkäufen auf die Tatsache, dass bei vielen Schweizer Unternehmen schon wenige Rappen Euro-Aufwertung reichen,  damit die Gewinnsituation positiv verändert wird. In der Regel sind dies Firmen aus dem klein- und mittelkapitalisierten Bereich, welche einen starken Exportanteil in den Euroraum haben. Besser wird die Ausgangslage, wenn der Kostenanteil im Euroraum niedrig ist und die Einnahmen hoch. Geberit generiert rund 70 Prozent des Umsatzes im Euroraum.

Der vom Euro motivierte starke Kurssprung von Geberit ist kein Zufall. Die Analysten von Kepler Chevreux haben in einer Studie den Einfluss des Euros auf die Unternehmensgewinne von kotierten Schweizer Firmen beziehungsweise deren Aktien ausgerechnet (siehe auch cash Insider vom 9. August). Und auf dieser Liste steht Geberit zuoberst. Unter der Annahme, dass sich der Euro 10 Prozent gegenüber dem Franken aufwertet, könnte das Unternehmen aus Jona 10 Prozent mehr Gewinn pro Aktie einstreichen.

Der Kursanstieg von Geberit ist kein Einzelfall. Auch der Aktienkurs des Metallverarbeiters SFS legte Ende Juli analog zum Eurokurs zu, nämlich rund 6 Prozent. Kursavancen von mehreren Prozent waren Ende Juli auch beim Elektronik-Komponentenhersteller Lem zu beobachten oder bei Partners Group, Bucher, Arbonia, Dormakaba, Kühne + Nagel, Panalpina oder Barry Callebaut.

Vier Kandidaten mit Aufholpotenzial

Klar: Anleger sollten ihre Aktienkaufentscheide nicht bloss von der Euroentwicklung abhängig machen. Wie immer spielen viele andere Faktoren bei der Kursentwicklung mit. Dennoch lohnt sich für Anleger ein Blick auf einige Aktien von Schweizer Firmen mit hohem Euro-Exposure, die noch kaum auf die Verschiebungen an der Währungsfront reagiert haben. Hier dürfen Investoren ruhig ein wenig spekulieren, bei welchen Titeln es noch zu Kursavancen kommen könnte. Vorausgesetzt natürlich, der Euro kann seine Kursgewinne gegen den Franken in den kommenden Monaten halten oder gar ausbauen.

Straumann: Der Zahnimplantatespezialist aus Basel hat seit Ende Juli unterdurchschnittlich auf die Euroaufwertung reagiert, nämlich mit bloss etwa 3 Prozent Kursplus bei der Aktie. Dabei sollte der Gewinn pro Titel laut Kepler Chevreux ebenfalls um hohe 8 Prozent steigen, falls der Euro 10 Prozent zulegt. Allerdings notiert die Straumann-Aktie seit Jahresbeginn mit 40 Prozent im Plus, beim Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) kommt die Aktie auf beinahe diesselbe Zahl. Nur ein deutlicher Euro-Push würde sich hier wohl im Aktienkurs positiv niederschlagen.

Feintool:  Der stärkere Euro zeigte sich bislang nicht im Kurs der Industriegruppe - obwohl sich der Gewinn laut Kepler um 7 Prozent erhöhen müsste. Der Aktienkurs befindet sich seit Anfang Mai gar auf stetigem Abwärtskurs und hat nun wieder das Niveau vom letzten Oktober erreicht. Feintool - der Industrielle Michael Pieper besitzt 50,3 Prozent des Kapitals - weist eine relativ moderate Bewertung auf (KGV von 17 für das nächste Jahr).

Sulzer: Der Gewinn bei einer anhaltenden Euroaufwertung müsste hier um 5 Prozent zunehmen. Die Kursentwicklung beim Winterthurer Industriekonzern ist seit Ende Juli aber nicht etwa positiv, die Aktie hat seit 24. Juli um einige Prozente nachgegeben. Verantwortlich für den Rückgang war das am 27. Juli veröffentlichte Halbjahresergebnis. Sulzer ist ein Beispiel, bei dem Anlager nicht nur auf die Währungssituation schielen sollten. Die Entwicklungen auf dem schwierigen Öl- und Gasmarkt sind bedeutender. Sollte sich die Lage dort verbessern und sollte der Euro stark bleiben, wird sich dies jedoch klar positiv auf den Aktienkurs auswirken.

Forbo: Die Eurostärke hat sich bei der Baarer Industriegruppe insofern gut ausgewirkt, als dass der Aktienkurs nun offenbar einen Boden gefunden hat. Denn die Forbo-Aktie befand sich seit Anfang Mai in einem Abwärtstrend, befeuert auch durch den 5-Prozent-Tagesverlust nach der Bekanntgabe der Halbjahresresultate am 28. Juli. Doch seither ist die Lage stabil. Ob ein nachhaltig starker Eurokurs, der bei Forbo zu einer Gewinnsteigerung von 5 Prozent führen dürfte, die Aktie beflügelt, ist fraglicher als bei anderen Unternehmen. Denn der Titel hat sich seit Anfang 2015 wertmässig immerhin verdoppelt.