Geldpolitik Eurozone - Weidmann: Rasche EZB-Zinsänderung unwahrscheinlich

Der deutsche Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hält derzeit eine rasche Anhebung von EZB-Schlüsselzinsen für unwahrscheinlich.
12.01.2018 17:55
Jens Weidmann dämpft Zinsspekulationen.
Jens Weidmann dämpft Zinsspekulationen.
Bild: Bloomberg

"Was die Notenbankzinsen im Euro-Raum betrifft, ist das unmittelbare Änderungsrisiko derzeit allerdings gering", sagte Weidmann am Freitag im deutschen Rottach-Egern in seiner Dankesrede zur Verleihung des Freiheitspreises der Medien laut Redetext.

Der EZB-Rat habe "unmissverständlich" zum Ausdruck gebracht, dass die Zinsen noch weit über die Zeit der Anleihekäufe hinaus auf ihrem aktuellen Niveau bleiben würden. "Und die Anleihekäufe werden ja bekanntlich bei halbiertem Volumen bis mindestens September dieses Jahres fortgesetzt", fügte er hinzu. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte letztmalig im Jahr 2011 einen ihrer Schlüsselzinssätze angehoben.

Der Leitzins zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld liegt im Währungsraum schon seit längerem auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Der Einlagensatz steht sogar bei minus 0,4 Prozent. Banken müssen somit Strafzinsen zahlen, wenn sie über Nacht überschüssige Liquidität bei der Notenbank parken.

Am Geldmarkt haben die Spekulationen darauf, dass der Einlagensatz bereits 2018 etwas angehoben wird, deutlich zugenommen. Inzwischen wird dort die Wahrscheinlichkeit auf 70 Prozent taxiert, dass die EZB ihre Strafzinsen schon dieses Jahr etwas abmildert. Grund der neuerlichen Spekulationen ist das am Donnerstag veröffentliche Protokoll der EZB zu ihrer Dezember-Zinssitzung. Aus diesem geht unter anderem hervor, dass die Notenbank bereits früh in diesem Jahr ihren geldpolitischen Ausblick ändern könnte. 

(Reuters)