Geldpolitik - EZB-Chefökonom: Zinsausblick muss künftig präziser sein

Die EZB wird aus Sicht ihres Chefvolkswirts Peter Praet mit einem Ende ihrer billionenschweren Anleihenkäufe viel genauer über die künftige Zinsentwicklung informieren müssen.
18.03.2018 06:19
Peter Praet
Peter Praet
Bild: Bloomberg

Aktuell stellt die Euro-Notenbank erste Zinserhöhungen erst weit nach Ende der Käufe in Aussicht. Die Finanzmärkte würden dies derzeit weitgehend als 'bis zum nächsten Frühling' deuten, sagte Praet in einem am Freitag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. "Aber irgendwann wird dieser 'weit nach'-Hinweis nicht mehr ausreichen, um der Öffentlichkeit genügend Informationen über den wahrscheinlichsten Ausblick für unsere Politik zu geben."

Denn sobald das Anleihen-Kaufprogramm stoppt, verschwindet Praet zufolge dessen Signalaspekt. "Und man muss daher viel präziser sein hinsichtlich des künftigen Pfads der kurzfristigen Zinsen." Die EZB müsse dann ihren geldpolitischen Zinsausblick neu kalibrieren. "Wir werden graduell oder gemessenen Schritts, wie Mario Draghi sagte, vorgehen."

Und wie der Chefökonom ergänzte: In einer Weise, die am besten dafür geeignet sei, dass die Inflation sich auf das Notenbankziel zubewege. Auch künftig werde die EZB sicherstellen, dass sie die kurzfristigen Zinsen kontrolliere. Die EZB peilt knapp unter zwei Prozent Teuerung als Idealwert für die Wirtschaft an. Mit einer Inflation von nur 1,2 Prozent im Februar ist sie davon aber noch weit entfernt.

Die Euro-Wächter wollen noch bis mindestens Ende September Staatsanleihen und andere Wertpapiere erwerben. Das inzwischen auf 2,55 Billionen Euro angelegte Programm läuft bereits seit drei Jahren. Die EZB strich unlängst in ihrem Ausblick die Option, die Käufe nötigenfalls erneut auszuweiten. An den Börsen hatte zuletzt ohnehin niemand mehr damit gerechnet. Schlüsselzinsen hatte die EZB zuletzt im Jahr 2011 erhöht. Momentan liegt der Leitzins auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent.

Noch vier Zinssitzungen

Gefragt, ob die EZB noch eine kurze Auslaufphase ('tapering') für ihre Anleihenkäufe für notwendig halte, sagte Praet, die Märkte erwarteten von der Notenbank die Vermeidung von Klippen-Effekten - also abrupten Änderungen. "Wenn man sagt, man betreibt eine Politik der Umsicht wegen einer Reihe von Unsicherheiten, dann muss das, was man am Ende des Programms machen wird, im Einklang stehen mit dieser Art der Kommunikation." Daraus könne geschlossen werden, dass die EZB die Käufe graduell beenden werde, sobald der EZB-Rat eine nachhaltige Anpassung der Inflationsentwicklung erkenne.

Aus Sicht von Praet müssen die Euro-Wächter den Finanzmärkten in absehbarer Zeit Anhaltspunkte geben, was nach September geldpolitisch geschehen wird: "Das kann nicht am allerletzten Tag sein, aber ich argumentiere, es sollte auch nicht zu früh sein." Bis dahin bleiben der Notenbank noch vier Zinssitzungen: Am 26. April, 14. Juni, 26. Juli und am 13. September.

Der Belgier bekräftigte auch Überlegungen von EZB-Chef Mario Draghi, dass in der Euro-Zone der wirtschaftliche Aufholbedarf möglicherweise größer ist als bisher gedacht. Damit könnte sich Praet zufolge die mittelfristige Annäherung an das Notenbank-Inflationsziel womöglich langsamer vollziehen. Es sollten aber nicht sofort Schlussfolgerungen für die Geldpolitik gezogen werden. Verbesserungen in der Inflationsentwicklung seien nach wie vor zu erkennen. Den Währungshütern macht schon seit längerem zu schaffen, dass trotz der boomenden Konjunktur die Verbraucherpreise nicht stärker anziehen. 

(Reuters)