Geldpolitik - EZB hält trotz optimistischerer Töne die Füsse still

Die Europäische Zentralbank (EZB) wagt trotz einer positiveren Einschätzung der Wirtschaftsperspektiven noch keine Abstriche von ihrem ultra-lockeren Kurs.
27.04.2017 15:45
Ein Ausstieg aus den Konjunkturhilfen ist auf der Sitzung des EZB-Rates am Donnerstag in Frankfurt nicht diskutiert worden.
Ein Ausstieg aus den Konjunkturhilfen ist auf der Sitzung des EZB-Rates am Donnerstag in Frankfurt nicht diskutiert worden.
Bild: Pixabay

Zwar bestätigten Konjunkturdaten seit Anfang März, dass die Erholung zunehmend solider werde und die Gefahren gesunken seien, sagte EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. "Ein erhebliches Ausmass an geldpolitischer Unterstützung ist immer noch nötig", schränkte der Italiener jedoch ein. Es brauche sehr günstige Finanzierungsbedingungen, um die Inflation in Richtung des Ziels der EZB von knapp 2 Prozent zu treiben. Ein Ausstieg aus den Konjunkturhilfen sei auf der Ratssitzung nicht diskutiert worden.

"Weniger pessimistisch - so könnte man mit zwei Worten die heutige EZB-Entscheidung und anschliessende Pressekonferenz zusammenfassen", kommentiert Ökonom Uwe Burkert von der Landesbank Baden-Württemberg. Zu einer Anpassung des Ausblicks habe sich der EZB-Rat nicht durchringen können. "Dieser Schritt könnte im Juni anstehen", so Burkert.

In Deutschland legte die Teuerungsrate im April auf 2,0 Prozent zu. Für die am Freitag anstehenden Inflationsdaten für den gesamten Währungsraum rechnen Experten mit einem Anstieg auf 1,8 von 1,5 Prozent im März. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte im ersten Quartal laut Ökonomen um 0,6 Prozent zugelegt haben. Es wäre das stärkste Wachstum seit fast sechs Jahren. Daten dazu werden nächste Woche erwartet.

Die Notenbank beliess den Leitzins auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Dort liegt er bereits seit März 2016. Damit will die EZB für weiterhin günstige Finanzierungsbedingungen sorgen. Auch die in Deutschland umstrittenen Käufe von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren sollen wie geplant bis mindestens Ende 2017 fortgesetzt werden - und dann ein Volumen von 2,28 Billionen Euro erreichen. An ihrem zinspolitischen Ausblick hielten die Euro-Wächter ebenfalls fest. So sollen die historisch tiefen Schlüsselzinsen weit über die Zeit der Anleihenkäufe hinaus auf dem derzeitigen Niveau oder sogar noch niedriger liegen.

(Reuters)