Geldpolitik - EZB-Mitglied: «Notenbanken müssen Märkte auch mal enttäuschen»

Währungshüter dürfen aus Sicht des scheidenden EZB-Ratsmitglieds Ewald Nowotny ihr Handeln nicht von Markterwartungen bestimmen lassen.
31.08.2019 07:40
Ewald Nowotny ist österreichischer Notenbank-Gouverneur.
Ewald Nowotny ist österreichischer Notenbank-Gouverneur.
Bild: Bloomberg

"Ich bin der Auffassung, dass Notenbanken die entscheidende Institution sein sollen, die von daher auch manchmal Märkte enttäuschen müssen", sagte Österreichs Notenbank-Gouverneur in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview der "Wiener Zeitung". In den vergangenen Jahren seien sie vielleicht zu intensiv den Erwartungen der Märkte gefolgt. Nowotny scheidet Ende August aus dem Amt. Sein Nachfolger wird der frühere Weltbank-Direktor Robert Holzmann.

EZB-Vizepräsident Luis de Guindos hatte am Dienstag erklärt, die Geldpolitik der Euro-Notenbank sei datenabhängig und nicht marktabhängig. Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfe bei ihren Entscheidungen nicht nur die Börsen im Blick haben. Sie müsse sicherstellen, dass ihre Beschlüsse auf der Grundlage einer Vielzahl von Informationen gefällt werden.

Die Euro-Notenbank hatte auf ihrer Zinssitzung im Juli wegen der wachsenden Konjunktursorgen bereits Weichen für eine erneute Lockerung ihrer Geldpolitik gestellt. Sie verständigte sich darauf, eine Vielzahl von geldpolitischen Schritten auszuloten, darunter Zinssenkungen und erneute Anleihenkäufe. An den Finanzmärkten wird fest damit gerechnet, dass die EZB auf ihrer Sitzung am 12. September ihren Einlagensatz noch tiefer in den negativen Bereich senkt.

(Reuters)