Geldpolitik - EZB offenbar uneins in Bezug auf Bondkauf-Tempo im Sommer

Bei der Ratssitzung der EZB am Donnerstag gab es informierten Kreisen zufolge Dissens in Bezug auf die Frage, in wie grossem Umfang im traditionell liquiditätsarmen Sommer Anleihen gekauft werden sollen.
11.06.2021 06:50
EZB-Präsidentin Christine Lagarde an einer Pressekonferenz in Frankfurt.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde an einer Pressekonferenz in Frankfurt.

imago images / Xinhua

Trotz einer Erhöhung ihrer Konjunkturprognosen hatte die Notenbank letztlich entschieden, die Käufe weiterhin in einem “erheblich höheren Tempo” fortzusetzen als zu Anfang des Jahres, als wöchentlich Papiere im Volumen von 14 Milliarden Euro erworben wurden.

Einige Ratsmitglieder argumentierten, dass niedrigere Marktvolumina es der EZB erlauben würden, weniger auszugeben als sonst nötig, um die Finanzierungsbedingungen günstig zu halten. Damit würde das Ankaufvolumen im dritten Quartal hinter dem des zweiten zurückbleiben. Andere sprachen sich dafür aus, das derzeitige Ankauftempo über das Quartal gerechnet beizubehalten und schlugen höhere Umfänge im Juli und September vor, um einen schwächeren August auszugleichen.

Die EZB verlangsamt ihre Anleihekäufe gewöhnlich im August, um den in der Urlaubszeit dünnen Markt nicht zu überfordern. Wie zu hören ist, blieb die Diskussion um die Liquidität bei der gestrigen Sitzung ungelöst.

Bei der Pressekonferenz ließ Christine Lagarde die Meinungsverschiedenheiten anklingen. “Es gab eine Debatte über das Tempo der Käufe, über einige der analytischen Aspekte bei der Verwendung unserer Instrumente”, so die Notenbankchefin. “Ich benutze also die Worte ‘weitgehend einig’. Es gab hier und da ein paar abweichende Ansichten und keine einhellige Zustimmung.”

In der Ratsdebatte zur Preisentwicklung warfen einige Mitglieder, wie zu hören ist, die Frage auf, ob die Inflationsrisiken als aufwärts gerichtet angesehen werden könnten. Dabei ging es sowohl um die starke wirtschaftliche Erholung im Euroraum als auch auf die Auswirkungen des kräftigen Inflationsschubs in den USA.

Lagarde betonte in der Pressekonferenz, höhere Inflationsraten würden vorübergehen und der zugrunde liegende Preisdruck bleibe gedämpft. Ein EZB-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab.

(Bloomberg)