Geldpolitik - EZB-Zinsentscheid - erste Reaktionen

Die Europäische Zentralbank hat ihren geldpolitischen Ausblick bekräftigt. Das sagen Ökonomen in einer ersten Reaktion dazu.
07.09.2017 15:06
Euro-Symbol vor dem ehemaligen Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.
Euro-Symbol vor dem ehemaligen Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.
Bild: cash

ALEXANDER KRÜGER, BANKHAUS LAMPE:

"Der EZB-Rat hat sich um eine Grundsatzentscheidung über die künftige geldpolitische Ausrichtung heute gedrückt. Laut aktueller Pressemitteilung gibt es im Vergleich zur Juli-Sitzung keinerlei Änderungen. Dadurch ist es fraglicher geworden, ob es nun am 26. Oktober zum grossen Rundumschlag kommen wird."

JÖRG ZEUNER, KFW BANKENGRUPPE:

"Der Exit ist und bleibt ein Geduldsspiel. Die kräftige Konjunktur und die leicht aufwärtsgerichtete Inflation sind wieder ein Stück Normalität. Jetzt ist es an der EZB, auch die Geldpolitik zu normalisieren. Gleichzeitig darf sie das bisher Erreichte nicht gefährden. Das erfordert eben so viel Augenmass wie Entschlossenheit. Deshalb bleibt die EZB vorsichtig."

FRIEDRICH HEINEMANN, ZEW:

"Die heutige geldpolitische Entscheidung der EZB ist eine Enttäuschung. Obwohl eine verbale Vorbereitung des Ausstiegs aus den Anleihenkäufen dringend geboten ist, hat sie sogar noch den Hinweis auf eine mögliche Ausweitung des Kaufprogramms beibehalten. Offenbar verängstigt die Euro- Aufwertung der vergangenen Wochen die Mitglieder des Zentralbankrats. Die Euro-Aufwertung ist jedoch kein gültiges Argument gegen ein Ende der Anleihenkäufe im kommenden Jahr."

KLAUS WIENER, GESAMTVERBAND DEUTSCHE VERSICHERUNGSWIRTSCHAFT:

"Es ist bedauerlich, dass die EZB keinerlei Hinweise auf ein Ende der Anleihekäufe gibt, denn die erhofften positiven Effekte dieser Politik werden immer geringer. Besonders deutlich wird dies am Euro-Wechselkurs. Er ist in den letzten Wochen deutlich gestiegen, obwohl die EZB an ihrer aggressiven Politik festgehalten hat. Aufgeschoben ist allerdings nicht aufgehoben. Ich rechne fest damit, dass der Schritt Ende Oktober erfolgt. Das Wachstum im Euro-Raum hat sich nicht nur weiter beschleunigt, es ist inzwischen auch regional sehr viel breiter angelegt. Zudem ist die Gefahr einer deflationären Entwicklung – sofern sie in der Phase seit Beginn der Anleihekäufe 2015 überhaupt jemals bestanden hat – weggefallen. Die EZB arbeitet immer noch im Krisenmodus. Eine Krise liegt aber schon länger nicht mehr vor."

MICHAEL KEMMER, HAUPTGESCHÄFTSFÜHRER BANKENVERBAND:

"Die Euro-Wächter haben vor der notwendigen Entscheidung, das Aufkaufprogramm im kommenden Jahr schrittweise zu beenden, heute einen weiteren Seitwärtsschritt eingelegt. Die EZB sollte die jüngste Wechselkursentwicklung nicht überbewerten. Der Euro war zuvor deutlich unterbewertet. So gesehen passt die Euro-Entwicklung zu einem allmählichen Normalisierungsprozess, dem sich auch die europäische Notenbank mit ihrer Geldpolitik in den kommenden Monaten anschliessen sollte."

STEFAN KIPAR, BAYERNLB:

"Draghi hat die Währung als Unsicherheitsfaktor genannt, der auch den Inflationsausblick auf mittlere Frist in Risiko stellt. Das sendet auf jeden Fall ein gemäßigtes Signal an die Währungsmärkte. Wenn er die Gremien mit dem Ausstiegsplan beauftragt, wäre die EZB auf Kurs, dass sie im Oktober einen langsamen Ausstieg aus QE verkündet, also in das Jahr 2018 hinein, aber mit geringerem Volumen."

FRIEDRICH HEINEMANN, ZEW:

"Die heutige geldpolitische Entscheidung der EZB ist eine Enttäuschung. Obwohl eine verbale Vorbereitung des Ausstiegs aus den Anleihenkäufen dringend geboten ist, hat sie sogar noch den Hinweis auf eine mögliche Ausweitung des Kaufprogramms beibehalten. Offenbar verängstigt die Euro- Aufwertung der vergangenen Wochen die Mitglieder des Zentralbankrats. Die Euro-Aufwertung ist jedoch kein gültiges Argument gegen ein Ende der Anleihenkäufe im kommenden Jahr."