Geldpolitik - Ökonomen zum SNB-Zinsentscheid

Die SNB hält an ihrem geldpolitischen Kurs fest. Sie setzt zur Schwächung des aus Sicht der Währungshüter weiterhin hoch bewerteten Frankens weiter auf Negativzinsen und Interventionen am Devisenmarkt. Erste Reaktionen.
14.09.2017 11:01
Schweizer Franken.
Schweizer Franken.
Bild: pixabay.com

Die Schweizerische Notenbank beliess das Zielband für den Referenzzins Dreimonats-Libor am Donnerstag bei minus 1,25 bis minus 0,25 Prozent. Banken müssen für ihre Sichtguthaben bei der SNB weiterhin einen Strafzins von 0,75 Prozent bezahlen.

Das sagen Ökonomen in einer ersten Reaktion:

MAXIME BOTTERON, CREDIT SUISSE

"Wichtig ist, dass die SNB den Franken nun als hoch bewertetet ansieht, wie sie das während der Zeit des Mindestkurses getan hat. Das ist eine etwas schwächere Beurteilung als 'deutlich überbewertet'. Auch rechnet die SNB im zweiten Quartal 2020 mit 1,9 Prozent Inflation. Das liegt immer noch im Bereich ihrer Definition von Preisstabilität, indiziert aber, dass sie nicht damit rechnet, dass die Geldpolitik bis dahin so expansiv bleibt."

ALESSANDRO BEE, UBS

Am wichtigsten ist die Änderung der Pressemitteilung: Die SNB hat die Beschreibung der Franken-Bewertung von deutlich überbewertet zu hoch bewerteten geändert. Die SNB bleibt aber vorsichtig, indem sie die Situation am Devisenmarkt als nach wie vor fragil bezeichnet. Das deutet unserer Ansicht nach nicht auf eine bevorstehende Änderung der Geldpolitik in der Schweiz hin. Aber es spiegelt die jüngste Frankenschwäche wider."

THOMAS GITZEL, VP BANK

"Die SNB bleibt auf ihrem eingeschlagenen Weg. Die eidgenössischen Währungshüter behalten sich nach wie vor Devisenmarktinterventionen vor. Die SNB zeigt sich über die Währungsentwicklung zufrieden. Es wird hervorgehoben, dass die Überbewertung abgebaut wurde, der Franken aber weiterhin hoch bewertete bleibe. Die Wachstumsprognose wurde in Anbetracht der schwachen Wirtschaftsentwicklung im ersten Halbjahr für das laufende Jahr nach unten revidiert.

Es bleibt alles beim Alten, so das kurze und knappe Fazit zur heutigen geldpolitischen Lagebeurteilung. Die Abwertung des Franken sollte mit Vorsicht betrachtet werden. Die jüngste Devisenmarktentwicklung ist auf eine Euro-Stärke und nicht etwa auf eine Franken-Schwäche zurückzuführen. (SNB-Präsident) Thomas Jordan sollte sich nicht zu sehr in Sicherheit wiegen. Der vorsichtige Wortlaut lässt aber erahnen, dass die SNB sich dessen bewusst ist."

DANIEL HARTMANN, BANTLEON BANK

"Die SNB räumt ein, dass ein 'gewisser Abbau' der deutlichen Überbewertung des Frankens stattgefunden hat. Trotzdem will sie weiterhin bei Bedarf am Devisenmarkt eingreifen und den Negativzins unverändert beibehalten. Der SNB sind nach wie vor die Hände gebunden. Das Wachstum der Schweizer Wirtschaft lag im zweiten Quartal bei mageren 0,4 Prozent im Vorjahresvergleich, so niedrig wie in kaum einem anderen Land Europas. Eine erneute Aufwertung des Frankens wäre daher Gift für die Schweizer Konjunktur, der dann sogar die Stagnation drohen würde.

Die Währungshüter werden daher weiterhin alles vermeiden, um Zinserhöhungsspekulationen zu provozieren. Wir gehen unverändert davon aus, dass die SNB erst nach der EZB agieren kann. Letztere wird frühestens Ende 2018 die erste Leitzinserhöhung vornehmen. Die erste Schritt der SNB dürfte daher ebenfalls nicht vor Ende 2018 erfolgen, wahrscheinlich sogar erst Anfang 2019."

(Reuters)