Geldpolitik  - SNB lässt Negativzinsen unverändert - Franken legt nur leicht zu

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält an ihren Leitzinsen von minus 0,75 Prozent fest. Und sie kommt den Banken und Sparern ein bisschen entgegen.
19.09.2019 11:22
Von Daniel Hügli
Thomas Jordan, Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank, in einem früheren Interview mit cash.
Thomas Jordan, Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank, in einem früheren Interview mit cash.
Bild: cash

Die Schweizerische Nationalbank belässt den Leitzins bei minus 0,75 Prozent. Das gab die SNB anlässlich ihrer vierteljährlich stattfindenden geldpolitischen Lageburteilung bekannt.

Der Schritt kommt für einige Beobachter überraschend. Denn die Europäische Zentralbank (EZB) hatte bereits letzte Woche mit ihrer erneuten Lockerung der Geldpolitik vorgelegt und hatte die Strafzinsen für Banken, die Gelder bei der EZB parkieren wollen, um -0,1 Prozent verschärft und das Anleihekaufprogramm wieder aufgenommen. Die SNB zieht damit der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht nach. 

Das ist bedeutsam, weil die SNB die Zinsdifferenz in den letzten Jahren zum Euro beihalten wollte, um damit den Franken unattraktiv für Investoren zu halten. Der Franken legt nach dem SNB-Zinsentscheid gegen den Euro zu, wenn auch moderat. Er wertet von 1,1015 vor dem Entscheid auf aktuell 1,0957 auf. 

Die SNB stemmt sich seit Jahren mit Negativzinsen und Eingriffen am Devisenmarkt gegen eine Franken-Aufwertung. Ein starker Franken macht in der Exportindustrie und dort unter anderem der Maschinenbau- und Elektroindustrie zu schaffen, die viele ihrer Produkte im Ausland verkauft. Auch der Tourismus leidet, weil er von ausländischen Gästen abhängig ist. Diese Produkte und Dienstleistungen werden dann im Vergleich zu anderen internationalen Wettbewerbern teurer.

Eine Änderung gibt es am Donnerstag dennoch: Die Nationalbank passt die Berechnungsgrundlage für den Negativzins auf den Sichtguthaben bei der SNB an. Das kommt den Banken entgegen. Sie erhöhte den Freibetrag, ab dem Institute die Strafzinsen von ebenfalls 0,75 Prozent bezahlen müssen. Er liegt ab November beim 25-fachen jener Summe, die Banken bei der SNB hinterlegen müssen - und nicht wie bislang beim 20-fachen.

Die SNB reagiert damit auf die weltweit niedrigen und teils weiter sinkenden Zinsen. Das globale Tiefzinsumfeld habe sich zuletzt weiter verfestigt und könne noch länger anhalten. "Die Negativzinsbelastung soll dabei auf das Nötige beschränkt werden", erklärte die Notenbank.

Kritik an Negativzins nahm zu

Mit dem Schritt kommt die SNB nun Geldhäusern entgegen. Der Schweizer Bankenverband begrüsste dies als ein positives Signal. Er hatte kürzlich kritisiert, die Finanzinstitute würden jährlich mehr als zwei Milliarden Franken Strafzins zahlen, was rund fünf Prozent ihrer Bruttozinserträge entspreche. Damit würden sie im internationalen Wettbewerb benachteiligt.

Mit der Massnahme entlastet die SNB aber nicht nur die Institute, sondern auch deren Kunden. Die Banken hatten die Strafgebühr etwa an Firmenkunden oder institutionelle Kunden wie Versicherungen oder Pensionsfonds weitergereicht, die grosse Mengen an Bargeld halten. Auch besonders reiche Privatkunden mit grossen Barreserven waren teilweise davon betroffen, während Kleinkunden bis auf wenige Ausnahmen ausgenommen waren.

Nach Ansicht des Bankenverbands bewirkten die Negativzinsen auch eine Blasenbildung und schädigten langfristig die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft, weil unrentable Unternehmen künstlich am Leben erhalten würden. Zudem gefährdeten sie die Altersvorsorge.

(Mit Material von Reuters)