Geldpolitik - Tag der Notenbanken an den Börsen

Einige wichtige Notenbank-Entscheidungen haben am Donnerstag die Anleger an den europäischen Börsen in ihren Bann gezogen.
13.09.2018 14:09
Yen-, Euro, Pfund- und Dollar-Zeichen auf der Tafel einer Wechselstube in Hongkong (16.3.2017)
Yen-, Euro, Pfund- und Dollar-Zeichen auf der Tafel einer Wechselstube in Hongkong (16.3.2017)

Ungewöhnlich viel Spannung ging dabei von der türkischen Zentralbank aus, die seit Monaten mit dem Verfall der Landeswährung zu kämpfen hat. Die überraschend starke Zinsanhebung sorgte an den Märkten denn auch für Erleichterung. Die Entscheidung der EZB, die monatlichen Anleihenkäufe auf 15 Milliarden Euro zu halbieren und das vor allem in Deutschland umstrittene Programm zum Jahresende auslaufen zu lassen, war erwartet worden. Die Geldflut der letzten Jahre gilt als Hauptgrund für die Rally an den Aktienmärkten.

An den europäischen Aktienbörsen zogen die Kurse auch mit Blick auf Entspannungssignale im chinesisch-amerikanischen Handelsstreit an. Die beiden weltweit führenden Volkswirtschaften wollen wieder miteinander reden. Der Dax stieg um 0,6 Prozent auf 12'109 Punkte. Der EuroStoxx50 zog ebenfalls an, und auch für die Wall Street signalisierten die US-Futures höhere Kurse zur Eröffnung. Der SMI steht gut 0,3 Prozent im Plus bei 8989 Punkten.

An den europäischen Märkten warteten die Anleger nun auf die Pressekonferenz von EZB-Chef Mario Draghi. Dabei könnte sowohl der Handelsstreit als auch die Entscheidung der türkischen Notenbank zur Sprache kommen. Die künftige Leitzinsentwicklung dürfte ebenfalls Thema sein. Am Donnerstag tastete die EZB wie erwartet die auf historischem Tief liegenden Zinsen von 0,0 Prozent nicht an. An den Märkten wird spekuliert, die Währungshüter könnten ab Mitte nächsten Jahres an der Zinsschraube drehen. Der Euro verharrte bei 1,1630 Dollar.

Auch in London hielten die Zentralbanker die Füsse still. Die Bank of England (BoE) änderte die Zinsen wie erwartet nicht. Das Pfund notierte kaum verändert bei 1,3050 Dollar.

Türkische Zentralbank versucht Befreiungsschlag

In der Türkei machte der mit grosser Machtfülle ausgestattete türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan noch wenige Minuten vor der Zinsentscheidung die Währungshüter für die wirtschaftlichen Probleme des Landes verantwortlich. Die Zentralbanker beugten sich dem Druck aber nicht: Sie erhöhten den Schlüsselsatz auf 24,00 Prozent. Ökonomen hatten nur mit einer Anhebung auf 22,00 Prozent gerechnet. Die Lira wertete daraufhin auf. Somit verbilligte sich ein Dollar zeitweise um fünf Prozent auf 6,06 Lira, nachdem er zuvor noch um 3,5 Prozent auf 6,55 Lira gestiegen war. Im Verlauf grenzte die Lira ihre Gewinne aber ein.

Die türkische Währung hat seit Jahresbeginn rund 40 Prozent verloren, vor allem da Investoren um die Unabhängigkeit der Zentralbank fürchten. Mitte August hatte die US-Währung zur Lira mit 7,2149 Lira ein Rekordhoch markiert. Am Schicksal der Lira hängen auch die Währungen anderer aufstrebende Schwellenländer wie Indien oder Südafrika - ihre Währungen waren zuletzt ebenfalls unter Druck geraten und erholten sich mit der Entscheidung in Ankara etwas. Anleger fürchten für die Schwellenländer einen Dominoeffekt, sollten die Notenbanker in Ankara die Krise nicht in den Griff bekommen.

(Reuters)

 
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