Geldpolitik und Firmenbilanzen halten Börsianer in Atem

Das Thema Geldpolitik wird die Börsen in der neuen Woche wieder einmal dominieren.
15.10.2016 14:24
Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank, steht kommende Woche im Blickpunkt.
Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank, steht kommende Woche im Blickpunkt.
Bild: Bloomberg

Die Schlüsselrolle spielt EZB-Chef Mario Draghi, von dem sich Anleger am Donnerstag Hinweise auf die Zukunft des 1,74 Billionen Euro schweren Anleihe-Kaufprogramms der Notenbank erhoffen. "Die EZB wird versuchen, die Märkte zu beruhigen", sagt NordLB-Aktienmarktstratege Tobias Basse. "wir halten daher Kursgewinne beim Dax für möglich." In der alten Woche legte der Leitindex eine Berg- und Talfahrt aufs Parkett, er schloss am Freitag auf Wochensicht mit 10.580 Zählern 0,9 Prozent im Plus. Der Swiss Market Index stieg am Freitag um 1,1 Prozent auf 8090 Punkte und machte damit die Einbussen, die er im Laufe der Woche verbucht hatte, praktisch wieder wett.

Rabobank-Anlagestratege Elwin de Groot rechnet damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Wertpapierkaufprogramm um mindestens sechs Monate bis September 2017 verlängern wird. "Es ist zu früh, um den Stecker zu ziehen." Allerdings könnte Draghi einen Einstieg in den Ausstieg aus dem sogenannten Quantitative Easing (QE), also dem breit angelegten Ankauf von Wertpapieren durch die Zentralbank, signalisieren. Spekulationen über den Zeitpunkt einer Drosselung der Geldflut - im Fachjargon Tapering genannt - haben die Investoren zuletzt immer wieder in Unruhe versetzt.

Anleger lauern auch auf die neuesten Entwicklungen bei der Deutschen Bank, die noch immer um die endgültige Strafe des US-Justizministeriums feilscht, um den Streit um Tricksereien auf dem amerikanischen Immobilienmarkt beizulegen. Bislang steht eine Summe von 14 Milliarden Dollar im Raum. Das krisengeplagte Institut spielte Insidern zufolge einen weiteren Jobabbau durch, um die Kosten zu senken.

US-Bilanzsaison nimmt Fahrt auf - die Schweiz zieht nach

Impulse erwarten Börsianer auch von der Fahrt aufnehmenden Bilanzsaison. Vor allem US-Unternehmen legen ihre Quartalszahlen vor, darunter Goldman Sachs (Dienstag) und Bank of America (Montag). JP Morgan verdiente im Sommerquartal deutlich mehr. An der Wall Street öffnen auch Technologiefirmen wie IBM (Montag), Intel (Dienstag) und Microsoft (Donnerstag) ihre Bücher. Am Freitag folgt Siemens -Rivale General Electric (GE).

Auch in der Schweiz gibt es eine Woche voll von Unternehmenszahlen zum dritten Quartal: Unter anderem sind Kühne + Nagel (Dienstag), Temenos (Mittwoch), Actelion (Donnerstag) sowie die beiden Schwergewichte Nestlé und Roche (beide Donnerstag) an der Reihe.

Trump und Clinton stehen sich erneut gegenüber

Die Zahlenflut bei den Unternehmen drängt in den nächsten Tagen die Konjunkturdaten etwas in den Hintergrund. Dabei steht mit dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) aus China ein Schwergewicht auf dem Terminzettel. Wie sehr die nach den USA weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft die Märkte beunruhigen kann, zeigte sich in der alten Woche. Aktienmärkte rund um den Globus verzeichneten Verluste, weil die Exporte des Landes im September unerwartet stark eingebrochen waren. "China ist inzwischen so wichtig, dass die ganze Welt zittert, wenn es dort bergab geht", sagt NordLB-Experte Basse. Die Analysten der Commerzbank erwarten, dass das chinesische BIP im dritten Quartal um 6,7 Prozent gegenüber Vorjahr gewachsen ist. Dies wäre so viel wie in den beiden vorangegangen Quartalen.

Wie gut die Wirtschaft in den USA in Schuss ist, zeigt sich am Montag mit den Zahlen zur US-Industrieproduktion und Daten zum verarbeitenden Gewerbe. Vom Konjunkturbericht der US-Notenbank am Mittwoch erhoffen sich Anleger dann Hinweise auf das Tempo zukünftiger Zinserhöhungen.

Spannend wird es am Mittwoch auch im US-Wahlkampf, wenn sich Donald Trump und Hillary Clinton dem dritten und letzten TV-Duell stellen. In Umfragen liegt Clinton derzeit vorn. "Wenn die Finanzmärkte realisieren, dass Trump gar keine Chance mehr hat, könnte auch das zu einer Rally führen", sagt Marktanalyst Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets.

(Reuters)