Geldpolitische Therapie schlägt bei Anlegern an

Die Geldflut der Zentralbanken weltweit sollte die Aktienanleger in der neuen Woche bei Laune halten.
06.08.2016 16:34
Die Bank of England in London hat die Zinsen gesenkt.
Die Bank of England in London hat die Zinsen gesenkt.
Bild: Bloomberg

"Der August dürfte ein entspannterer Anlagemonat werden", sagt Stratege Hans-Jörg Naumer von Allianz Global Investors. Gleich zu Beginn habe die Bank of England mit ihrer Zinssenkung nebst Anleihekäufen offenbart, welchen Weg sie nach dem Schock über das britische Referendum einschlagen wolle. Zudem gaben am Freitag überraschend starke US-Arbeitsmarktdaten den Aktienmärkten einen Schub.

Der Londoner Auswahlindex FTSE kletterte auf ein neues Jahreshoch von 6793 Punkten, nachdem die Währungshüter in London zur Bekämpfung der Brexit-Folgen die Geldschleusen weit geöffnet hatten. Damit schwenken sie auf einen Kurs ein, den bereits die Europäische Zentralbank (EZB) und die japanische Zentralbank eingeschlagen haben.

Beide versuchen, mit einer ultra-lockeren Geldpolitik die Konjunktur flottzumachen und die Kreditvergabe durch eine Strafgebühr für bei der Zentralbank gehortetes Geld anzukurbeln. In den USA haben die Währungshüter ihre Pläne für eine geldpolitische Straffung vorerst hinten angestellt. "Die Notenbanken stützen den Markt - perspektivisch ist das allerdings nicht der gesündeste Einflussfaktor", sagt Basse.

Wie starten USA ins dritte Quartal?

Laut Beobachtern müssen vor allem die Konjunkturdaten dies- und jenseits des Atlantiks zeigen, ob sie die Erwartungen eines positiven Wachstumspfades weiter erfüllen. Im Mittelpunkt steht Ökonomen zufolge die Frage, ob die Kauflaune der US-Verbraucher im Juli angehalten hat. Von Reuters befragte Analysten rechnen bei den am Freitag anstehenden US-Detailhandelsumsätzen mit einem Anstieg von im Schnitt 0,3 Prozent zum Vormonat.

Es werde sich zeigen, dass auf den US-Konsumenten auch im dritten Quartal Verlass sei, betonte die Commerzbank in ihrem Wochenausblick. Zudem stehen noch die Quartalszahlen von der Kaufhauskette Macy's, sowie von der Luxus-Modefirma Michael Kors und dem Unterhaltungskonzern Disney an.

Nach dem überraschend starken Zuwachs an Stellen in den USA rückt bei vielen Marktteilnehmern wieder der Dezember als möglicher Termin für eine Zinserhöhung der Fed in den Fokus. "Zu diesem Zeitpunkt dürften sich diverse Störfaktoren wie Brexit und Unsicherheit über den Ausgang der US-Wahlen am 8. November aufgelöst oder zumindest relativiert haben", schreibt die Helaba.

Bilanzsaison in der Schweiz

Der SMI baute am Freitag unter Führung zyklischer Werte und Finanztitel die Gewinne auf 1,4 Prozent aus und stieg auf 8194 Punkte. Damit verzeichnete der Leitindex den grössten Tagesgewinn seit Ende Juni. Zur Vorwoche betrugt das Plus 0,8 Prozent.

 

In der Schweiz geht die Bilanzsaison ebenfalls weiter: Zahlen zum ersten Halbjahr bzw. zum zweiten Quartal kommen von einigen Unternehmen im SMI oder im breiten Markt. Bei den SMI legt am Mittwoch Adecco die Bilanz vor, die Versicherer Swiss Life und Zurich folgen am Donnerstag. Am breiten Markt erfahren die Anleger am Dienstag mehr über Galenica, während am Donnerstag unter anderem Kardex, AFG, LEM, Schmolz + Bickenbach sowie Glencore folgen. Am Freitag präsentieren sich Conzzeta und Dätwyler.

(Reuters/cash)