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Geldverdienen mit Aktien wird schwieriger

In den kommenden Monaten werden die Börsen auf holpriges Terrain einschwenken, sagt ZKB-Ökonom David Marmet im cash-Börsen-Talk. Zudem äussert er sich zur Entwicklung des Ölpreises.
05.12.2014 01:01
Von Marc Forster und Frédéric Papp
David Marmet, Leiter Volkswirtschaft bei der ZKB, im cash-Börsen-Talk.
Bild: cash

Mit dem Swiss Market Index (SMI) liess sich bislang gut Geld verdienen. Über 12 Prozent beträgt das Kursplus seit Jahresbeginn. Dies ist mehr als doppelt so viel wie beim Dax. Der Dow Jones kommt auf ein vorläufiges Jahresplus von 8 Prozent. Auch das kommende Jahr wird für Aktien-Anleger ein positives sein, so der Tenor.

Dem stimmt auch David Marmet zu, mit einem Vorbehalt: "Die Kursschwankungen an der Schweizer Börse werden stärker ausfallen", sagt der Markstratege der Zürcher Kantonalbank im cash-Börsen-Talk. In der Folge erwartet Marmet zwar weiter steigende Aktienkurse, an das 2014 werde der SMI aber nicht anknüpfen können.

Wann erhöht die Fed den Leitzins?

Ein gewichtiger Prüfstein für die Aktienmärkte wird der Zeitpunkt der Leitzinserhöhung in den USA sein. Die US-Wirtschaft läuft derzeit sehr gut, aber an vielen Amerikanern geht der Aufschwung noch vorbei, weil die Löhne stagnieren und es eine relativ hohe Zahl von Teilzeitbeschäftigten und Langzeitarbeitslosen gibt. Daher wartet die US-Notenbank (Fed) noch mit der ersten Zinserhöhung nach der globalen Finanzkrise 2008. Derzeit erwartet der Markt einen ersten Zinsschritt im Herbst 2015 oder später.

Ohne den genauen Zeitpunkt der Zinserhöhung zu bestimmen, wird diese laut Marmet die Märkte verunsichern und die Volatilität anheizen.

Pharmazeutik bleibt top

Neben der Leitzinserhöhung treibt Anlegern auch die schleppende Konjunktur in der Eurozone immer tiefere Sorgenfalten auf die Stirn. Volkswirtschaften der gewichtigsten Euroländer, Deutschland, Frankreich und Italien lahmen und drohen gar in die Rezession abzurutschen. Dies wird auch die Schweiz – insbesondere der Maschinenbausektor - in Mitleidenschaft ziehen, da die Eurozone der Hauptexportmarkt für viele Schweizer Firmen ist. "Wir rechnen mit einer lustlosten Entwicklung der Schweizer Wirtschaft", sagt Marmet.

Die Absatzkanäle der Pharmabranche hingegen liegen nicht in Europa, sondern in den USA. Daher ist der ZKB-Ökonom zuversichtlich für diesen Sektor. "Die pharmazeutische Industrie wird der Haupttreiber des Schweizer Exports bleiben."

Die Papiere der Pharmariesen Roche und Novartis haben sich im laufenden Jahr um 18 beziehungsweise 31 Prozent verteuert und jene des Biotechnologieunternehmens Actelion gar um 53 Prozent.

Erdölpreis unter 70 Dollar nicht haltbar

Positive Auswirkungen auf den Privatkonsum und somit auf das Wirtschaftswachstum im Allgemeinen wird der seit Wochen fallende Erdölpreis haben, darin sind sich die Ökonomen einig. Besonders in den USA, wo die Haushalte viel Energie verbrauchen, wirkt er so belebend wie eine Senkung der Konsumsteuern. Aber auch in anderen Ländern freut sich die Industrie über tiefere Rohstoffkosten.

Am Donnerstag notiert ein Barrel der Norseesorte Brent unter 70 Dollar und damit so tief wie zuletzt vor fünf Jahren. Marktstimmen gehen gar von einem Rückgang auf 60 Dollar oder tiefer aus. Marmet hingegen glaubt, dass ein Preis von unter 70 Dollar mittelfristig nicht haltbar sei. Er rechnet mit einer Stabilisierung der Rohstoffmärkte.

Im cash-Börsen-Talk äussert sich Marmet ausführlich zur Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Er sagt, unter welchen Bedingungen die SNB den Griff in den Giftschrank wagen dürfte.