Geldwäsche - Nach Danske-Skandal rücken die Zahlungdienstleister in den Fokus

Wenn eine Möglichkeit für Geldwäsche dicht gemacht wird, kann sich eine andere auftun. Das zeigt sich bei der Affäre rund um die Danske Bank.
23.03.2019 03:44
Bürogebäude der Danske Bank in Oslo, Norwegen.
Bürogebäude der Danske Bank in Oslo, Norwegen.
Bild: danskebank.com

In Dänemark, dem Heimatmarkt von Danske Bank, nehmen die Behörden nun Unternehmen, die Zahlungsverkehrsdienste anbieten, genauer unter die Lupe. Es wird befürchtet, dass die hinter jeder Zahlung stehende Kette an Abläufen so komplex wird, dass Kriminelle ihre illegalen Transaktionen verschleiern können.

Der dänische Wirtschaftsminister Rasmus Jarlov sagte, das Ziel sei, "den Verbrechern immer ein Schritt voraus zu sein". Weil sie "versuchen, jede Lücke und Schwachstelle im Finanzsystem auszunutzen".

Die Entscheidung, sich auf Zahlungsverkehrsdienstleister zu konzentrieren, ist im Zusammenhang mit dem Wachstum der Branche zu sehen, das für viele überraschend kommt. Am Montag erfuhren die Märkte von einer Mega-Fusion. Fidelity National Information Services wird in einer Transaktion im Volumen von rund 43 Milliarden US-Dollar, einschließlich Verbindlichkeiten, mit Worldpay fusionieren. Damit ist es der bisher größte Zusammenschluss in dem Sektor.

Frist September

Banken in Europa haben eine Frist bis September, um Zahlungsdienstleistern Zugang zu ihren Konten zu gewähren. Die Idee ist, dass derartige Drittunternehmen Transaktionen im Namen von Kunden durchführen können, sofern letztere ihre Zustimmung geben.

Im Idealfall soll in dem von Banken dominierten Zahlungsverkehrsmarkt eine neue Wettbewerbsebene durch solche Dienstanbieter hinzukommen. Proteste kommen aber von Banken in Skandinavien, die Ziel von Geldwäsche-Vorwürfe waren, die derzeit untersucht werden. Sie argumentieren, dass die Entwicklung ihnen weniger Einblick über die Geldflüsse in ihren Systemen ermöglicht.

Danske hat zugegeben, dass ein Großteil der rund 230 Milliarden Dollar, die bis 2015 über eine winzige Sparte in Estland flossen, wahrscheinlich illegal war. Der Bank wird unter anderem vorgeworfen, dass sie für Kriminelle aus Russland, die ihr Geld in den Westen bringen wollten, eine Brücke nach Europa war.

Der Skandal um Danske, der unter anderem vom US-Justizministerium untersucht wird, hat Dänemark in einen Schockzustand versetzt. Jarlov, der in Danskes Heimatmarkt für die Finanzregulierung zuständige Minister, unternimmt jetzt alles Mögliche, um äußerst strenge Anti-Geldwäsche-Vorschriften durchzusetzen. Dazu gehört auch eine achtfache Erhöhung der maximalen Geldbuße auf 4,5 Milliarden US-Dollar und bessere Möglichkeiten, Haftstrafen für Bank-Manager zu erreichen.

"Das Finanzsystem ist so komplex, dass es so viele Möglichkeiten gibt, es auszunutzen, an die wir noch nicht einmal gedacht haben", sagte Jarlov diesen Monat in einem Interview in Kopenhagen.

Russland, Zypern

Julie Galbo, Leiterin des Risikomanagements bei Nordea Bank, sagt, sie habe Anhaltspunkte gesehen, dass in einigen Fällen Geld über solche Anbieter „von Russland beispielsweise zu exotischen Orten beispielsweise fließt, die nicht für ihre hohen Steuerzahlungen in der EU bekannt sind - Zypern, Malta - und schöne Inseln in der Karibik."

Zahlungen können über mehrere Diensteanbieter laufen, aber die Informationen befinden sich im Besitz des Zahlungsdienstanbieters, so dass die Banken nicht alles sehen können, sagte Galbo. Wie Banken müssen Zahlungsdienstleister die Kunden prüfen, aber sie geben ihre Informationen nicht an die Banken weiter, sagte sie.

Angesichts der angestrebten Einrichtung großer grenzüberschreitender Systeme für die sofortige Zahlungsabwicklung bereitet die Sicherheit zunehmend Sorgen. Die skandinavischen Banken arbeiten an einem regionalen Netz, während die Europäische Zentralbank im November ein ähnliches Zahlungsabwicklungssystem eingeführt hat.

Samuel Haskins, ein Finanzdienstleistungsexperte bei PA Consulting, weist darauf hin, dass im Zuge der Entwicklung der Zahlungsverkehrsbranche nun weniger Transaktionen von einer einzigen Organisation verarbeitet werden. Das macht es für Banken schwieriger, verdächtiges Verhalten zu verfolgen, sagte er.

"Bei Sanktionen können wir verdächtige Transaktionen blockieren, wenn wir konkret angeben können, dass sie gegen die Sanktionsliste verstoßen. Das gilt aber nur für die Sanktionsliste", sagte Galbo. "Und diese unterliegen nicht unbedingt Sanktionen, und wir können nur einen Teil der Kette sehen."

"Ich betrachte das nächste Problem", sagte sie. „Es gibt auf jeden Fall sehr gute Zahlungsabwickler. Aber es gibt ein paar schwarze Schafe, und meine Sorge ist, dass diese schwarzen Schafe eine andere Anreizstruktur haben als Banken. “

(Bloomberg)