Generalversammlung der Credit Suisse - Eine turbulente GV der Credit Suisse ist zu Ende

An der Generalversammlung der Credit Suisse waren die kritischen Stimmen an hohen Vergütungen des Top-Managements einmal mehr sehr laut. Wird die Bank die Lehren daraus ziehen? Der cash-Live-Blog zum Nachlesen.
28.04.2017 15:46
CS-CEO Tidjane Thiam spricht an der Credit-Suisse-GV vom 28. April 2017 im Hallenstadion, Zürich.
CS-CEO Tidjane Thiam spricht an der Credit-Suisse-GV vom 28. April 2017 im Hallenstadion, Zürich.
Bild: cash

15:32

Der wiedergewählte Urs Rohner schliesst die GV (wie erwartet, bekamen seine Verwaltungsratskollegen übrigens 94 Prozent und mehr Zustimmung).

Nun schreiten die Aktonäre, nach fünf Stunden GV, zum Aktionärs-Apéro: Ein Buffet, untermalt mit schmissiger Live-Musik.

Damit schliesst cash.ch die Berichterstattung. Was von diesem Aktionärstreffen in Erinnerung bleibt, ist das kühne Störmanöver von Greenpeace und die hohe Ablehungsrate zum Vergütungsbericht von 40 Prozent Nein. Es brodelt weiter im CS-Aktionariat - ob die CS-Chefs daraus etwas für nächstes Jahr lernen? Immerhin müsste ihnen dämmern, dass sie inzwischen mächtige Stimmrechtsvertreter als Kritiker haben. Wir werden es sehen.

Ausserdem: Am 18. Mai gibt es schon wieder eine Credit-Suisse-GV, diesmal eine rein ausserordentliche. Es geht um die Kapitalerhöhung über vier Milliarden Franken, die das Management wünscht.

Vielen Dank, dass Sie dabei waren!

15:10

Fast sowjetische Zustimmung für Rohner: Gut 90 Prozent Ja, knapp 9 Prozent nein. Es sei voraussichlich das schlechteste Resultat aller Verwaltungsräte (über die übrigen Mitglieder wird gleich abgestimmt), sagt Rohner: "Mit über 90 Prozent fühle ich mich aber vom Vertrauen der Aktionäre getragen."

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15:05

Nun geht es an die Wiederwahl von Verwaltungsratspräsident Urs Rohner. Der seit 2011 amtierende oberste Konzernlenker sah sich Widerstand und Rufen zur Abwahl ausgesetzt. Rohner selbst geht aber davon aus, dass er dank der Grossaktionäre bestätigt wird.

 

 

Hans-Jacob Heitz, der sich erneut zu Wort meldet, qualifiziert Rohners Leistung als «ungenügend».

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14:45

Nun kommt aber eine weitere Vergütungsabstimmung: Es geht um den Salärrahmen, den die Aktionäre vorgängig genehmigen müssen. Eine gesetzliche Folge der Minder-"Abzocker"-Initiative von 2013.

Zuerst wird über die Vergütungen der Verwaltungsräte abgestimmt: 73 Prozent sagen Ja, knapp 25 Prozent sagen nein.

Dann die Geschäftsleitung: Knapp 58 Prozent sagen Ja, 38 Prozent sagen nein. Das ist ein relativ hoher Nein-Anteil.

"CS-Manager bekommen 4000 Franken in der Stunde - Aktionäre 70 Rappen Dividende im Jahr", schimpfte ein Aktionär. Allerdings werden Geschäftsbericht und Dividende fast einstimmig angenommen, die CS-Führung erhält zudem problemlos die Décharge.

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14:16

Der Vergütungsbericht (mit dem teilweisen Bonusverzicht von Thiam & Co.) wird angenommen:  58 Prozent Ja - 40 Prozent Nein. "Ein tieferes Resultat, als wir in früheren Jahren hatten", sagt VR-Präsident Rohner. Man spürt, dass er von diesem Resultat enttäuscht ist. Der hohe Nein-Anteil ist klar die Folge der Empfehlungen wichtiger Stimmrechtsberater.

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14:00

An der GV haben die Grossaktionäre sowie institutionelle Investoren die meiste Macht. Kleinaktionäre haben gegen sie keine Chance. Dies sind aktuell die wichtigsten Anteilseigner der zweiten Schweizer Grossbank:

5,4 Prozent – Olayan Group, saudi-arabisches Firmen- und Finanzkonglomerat

5,2 Prozent – Harris Associates, US-Vermögensverwalter

4,99 Prozent – Norges Bank, die Zentralbank von Norwegen

4,9 Prozent – Qatar Holding, Investment-Abteiliung des katarischen Staatsfonds

3 Prozent – Blackrock, weltgrösster Asset Manager

und via Wandelsrechte:

12,8 Prozent – Qatar Holding

5,3 Prozent – Olayan Group

Zusammen mit Fonds, Pensionskassen und anderen institutionellen Investoren besitzen sie die Stimmenmehrheit. Weil aber vor allem Pensionskassen boni-kritische Anweisungen von einflussreichen Stimmrechtsberatern wie ISS, Glass Lewis oder Ethos folgen, sind Mehrheiten bei Vergütungsabstimmungen nicht mehr garantiert.

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13:25

Umweltschutz und Menschenrechte - den Votantinnen und Votanten ist dies ein wichtiger Punkt. Es geht vor allem um die Finanzierung der umstrittenen Dakota Access Pipeline in den USA. Der Greenpeace-Protest mit dem Pipeline-Rohr und dem Transparent richtete sich gegen dieses Bauprojekt und Banken, die  den Auftraggebern Kredite erteilen.

In den Aktionärsvoten wird der Bank vorgeworfen, ihre Richtlinien seien zu schwach. Die CS hält fest, sie finanziere dieses Projekt nicht.

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12:50

Der bekannte GV-Veteran Hermann Struchen hat sein Votum abgelegt: Er kritisiert die hohen Vergütungen heftig und er ärgert sich, dass der CS-Aktienkurs so gesunken ist: 2007 war die Aktie einmal 96 Franken wert (aktuell: 15,20 Franken). Von der jüngsten Kapitalerhöhung hält er nichts: "Am 18. Mai ist ja schon wieder eine GV deswegen - aber ich glaube, ich mache nicht mit!"

Kein gutes Haar lässt er auch an der Greenpeace-Aktion (und die Aktionäre applaudieren); Umwelt-Aktivisten und konservative Kleinaktionäre - da liegen nun einmal Welten dazwischen. Den ganzen Auftritt von Hermann Struchen können Sie hier sehen:

 

 

Wenn Sie mehr von Struchen lesen möchen: Er hat vergangenes Jahr cash.ch ein Interview gegeben und dabei auch das kulinarische Angebot bei den GVs der Schweizer Grosskonzerne bewertet.

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12:10

13 Votanten haben sich in die Redenliste eingetragen, bevor über den Vergütungsbericht abgestimmt wird. Also wird die GV lange dauern. Den Anfang macht der bekannte GV-Redner und Jurist Hans-Jacob Heitz. Er ist gegen die Höhe der Vergütungen.

Im Saal sind nicht ganz 1700 Personen. Sie vertreten 17 Millionen Aktienstimmen, etwa 1 Prozent der Stimmen.

11:55

Für wen ist die Transparent-Aktion mehr eine Blamage - die Credit Suisse oder die Betreiber des Hallenstadions? Jedenfalls hat sich Greenpeace schon vor der GV bemerkbar gemacht und ein Teilstück einer Pipeline vor dem Hallenstadion deponiert. Diese wurde von der Polizei, die den Anlass überwacht, aufmerksam inspiziert. Ein gelungenes Ablenkungsmanöver vor dem Abseilen von der Hallendecke? Online-Medien und Social Media stürzen sich jedenfalls auf den Zwischenfall.

Eine der grossen Qualitäten des CS-Chefs ist sein Humor: «Mehr Aufregung, als sie sicherlich erwartet haben», sagt Tidjane Thiam dazu. Er fährt fort mit seiner Präsentation. "Nur noch ein paar Grafiken mehr", sagt er (ganz untergegangen ist übrigens, dass Thiam seine Rede in einem fehlerfreien Deutsch begann). VR-Präsident Rohner hofft, dass keine "Turner" mehr die Wände herunterkommen.

Langsam kündigt sich das Thema Boni an: Jean Lanier, Verwaltungsrat und Chef des Vergütungsausschusses, spricht nun.

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11:40

So hat Journalistin Mathilde Farine von "Le Temps" aus Genf die Greenpeace-Aktion gesehen. 

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11:30

Greenpeace hat das Plakat wieder eingerollt.  Während der Aktion konnten die Aktionäre die Grafiken nicht sehen, mit denen Thiam die Geschäftszahlen 2016 und das erste Quartal 2017 erläutert - vermutlich halb so schlimm, denn die Zahlen sind schon bekannt.

Thiam setzt seine Rede fort.

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11:15

Eine erste "Abweichung" vom Drehbuch: Greenpeace enthüllt über der Bühne - während der Rede von CEO Tidjane Thiam - ein Transparent mit der Aufschrift "Stop Dirty Pipeline Deals!" Organisatorisch ein Coup!

 

 

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10:55

Während VR-Präsident Rohner spricht, eine kurzer Blick auf die Aktie: Sie fällt nach Handelsstart um 0,7 Prozent, während der SMI um 0,2 Prozent nachgibt. Die CS-Aktie hat sich wie folgt entwickelt:

Vergangene 6 Monate: +8,8 Prozent

Vergangene 12 Monate: +0,4 Prozent

Vergangene 2 Jahre: -39,3 Prozent

Vergangene 6 Jahre (so lange ist Rohner nun CS-Präsident): -60,1 Prozent

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10:30

Die GV beginnt. Der Ablauf entspricht einem genauen Drehbuch: Begrüssung durch Verwaltungsratspräsident Urs Rohner, Vorstellung des Managments. Danach wird das Resultat für 2016 nochmals erläutert.

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10:15

Ruhe vor dem Sturm? Die Aktionäre greifen jedenfalls noch beherzt nach frischen Gipfeli. Es gibt auch Kaffee und Orangensaft. Die Verpflegung ist immer ein wichtiger Bestandteil einer GV.

 

 

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10:00

Die CS-Führung sah sich mit Anzeichen einer Aktionärsrevolte konfrontiert: Der Vergütungsbericht der Credit Suisse löste grosse Kritik aus. Diese fiel gar so heftig aus, dass das sich Management kurz vor Ostern die Boni selbst kürzte: Der variable Anteil am Salär der Geschäftsleitung reduziert sich damit von 26 auf 17 Millionen Franken.

Aktionärsvertreter wie die bekannte Anlagestiftung Ethos wollen trotzdem gegen den Vergütungsbericht stimmen. Das Votum dazu ist konsultativ, nicht aber eine weitere Abstimmung zu den Vergütungssystemen der Bank.

In der Kritik steht speziell auch Verwaltungsratspräsident Urs Rohner. Ihm wird nicht nur eine Hauptverantwortung für die hohen Vergütungszuteilungen gegeben; Er präsidiert auch über eine Bank, die sich stragetisch in einem Hin und Her befindet, deren Aktienkurs schwach ist und die, wie vor zwei Tagen angekündigt, ihre Aktionäre erneut um eine Kapitalerhöhung bittet. Rohners Abwahl wurde gefordert - er selbst ist sich sicher, dass er wiedergewählt wird.

Um 10.30 Uhr eröffnet Rohner die GV. Die Türen zum Hallenstadion sind bereits seit 9 Uhr offen. Unter Regenschirmen strömen die Aktionäre in die Halle. Die GV kann hier auf der Website der Credit Suisse live verfolgt werden

(cash)