Genfer Luxusgüterkonzern - Richemont-Aktie im Sog von Gewinnmitnahmen

Die Geschäftsentwicklung beim Luxusgüterkonzern Richemont erholt sich kräftig, der Gewinn bleibt jedoch unter den höchsten Analystenschätzungen zurück. Die Aktie steht deshalb unter Verkaufsdruck.
10.11.2017 13:16
Von Lorenz Burkhalter
Die auf Schmuck spezialisierte Richemont-Tochter Cartier wächst kräftig.
Die auf Schmuck spezialisierte Richemont-Tochter Cartier wächst kräftig.
Bild: Bloomberg

Vor wenigen Wochen gelangte der Luxusgüterkonzern Richemont mit ersten Vorabinformationen zur ersten Hälfte des Fiskaljahres 2017/18 auf. Diese Flucht nach vorn wurde notwendig, nachdem sich der Gewinn deutlich besser als erwartet entwickelt hatte.

Am Freitagmorgen legt das Genfer Unternehmen nun mit einem detaillierten Zahlenkranz nach. Grössere Überraschungen bleiben nach der Vorankündigung aus. Einzig beim Reingewinn hatten sich einige Analysten rückblickend etwas mehr erhofft.

Interessant ist, dass der Gewinnbeitrag aus dem stark wachsenden Schmuckgeschäft deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb. Die kräftige Gewinnbelebung bei den Luxusuhren macht diese Lücke allerdings vollumfänglich wett. Noch im vorbörslichen Handel gesucht, fällt die Richemont-Aktie an der Schweizer Börse SIX Gewinnmitnahmen zum Opfer. Zur Stunde verliert sie noch 3,7 Prozent auf 86,95 Franken. Die Tagestiefstkurse liegen gar bei 86,25 Franken.

Die für die UBS Investmentbank tätige Luxusgüteranalystin zeigt sowohl am starken organischen Umsatzwachstum als auch an den anziehenden Produktauslieferungen im September sichtlich Gefallen. Sie zieht insbesondere von den Auslieferungen erste positive Rückschlüsse auf das umsatzträchtige Weihnachtsquartal.

Ein Ergebnis im Rahmen der Vorankündigung

Während die Expertin die Fortschritte bei der Bruttomarge begrüsst, zeigt sie sich leicht enttäuscht von den steigenden Administrationskosten. Den deutlich tiefer als erwartet ausgefallenen Gewinnbeitrag aus dem Schmuckgeschäft erklärt man sich bei der UBS Investmentbank mit einmaligen Faktoren. Aus Bewertungsgründen wird die Richemont-Aktie mit "Neutral" und einem 87 Franken lautenden 12-Monats-Kursziel eingestuft.

Wie ihr Berufskollege bei der Zürcher Kantonalbank schreibt, entspricht das vorliegende Resultat auf Stufe Umsatz, operativer Gewinn und Reingewinn weitestgehend der Vorankündigung von Mitte Oktober sowie den Markterwartungen. Seines Erachtens ist die Qualität der Zahlen gut, mit einer leicht stärker als von ihm erwarteten Verbesserung der Bruttogewinnmarge.

Die operative Margenentwicklung bei den Schmuckmarken bezeichnet der Analyst als leicht enttäuschend, diejenige bei den Uhrenmarken hingegen als klar besser. Er empfiehlt die Aktie wie bis anhin mit Übergewichten zum Kauf und rechnet in den nächsten 12 Monaten gar mit einem Anstieg auf über 100 Franken.

Kaum noch Luft nach oben

Der qualitative Aspekt steht auch beim Autor eines Kommentars der Royal Bank of Canada im Zentrum. Dass Richemont durch Produktrückkäufe den Weg in den Absatzkanälen klar gemacht habe, zahle sich nun aus, so der Analyst. Er spricht damit die kräftige Gewinnbelebung im Geschäft mit Luxusuhren an. Doch auch in der starken Barmittelgenerierung sieht der Experte gewisse Qualitätsmerkmale des vorliegenden Resultats. Er stuft die Richemont-Aktie mit "Outperform" und einem Kursziel von 98 Franken ein.

Als einer der wenigen Experten will jener der Bank Vontobel seine Gewinnschätzungen leicht erhöhen. Bis dahin hält er sowohl an seiner Kaufempfehlung als auch am Kursziel von 98 Franken fest. Bei Baader-Helvea lässt man denn auch durchblicken, dass die Aktie mit der zuletzt starken Kursentwicklung vieles vorwegnimmt. Alleine seit Jahresbeginn errechnet sich ein Kursplus von rund 30 Prozent.

Händler bezeichnen zudem die vorsichtigen Aussagen zur zweiten Jahreshälfte als belastend. Diese umfasst auch das umsatzstarke Weihnachtsquartal.