Genfer Luxusgüterkonzern - Richemont: Der erhoffte Zahlenschub bleibt aus

Richemont steigert Jahresumsatz und -gewinn nur leicht. Schuld sind einmalige Kosten, aber eben nicht nur. Die Aktie macht Teile des frühen Kurseinbruchs wieder wett.
18.05.2018 11:18
Von Lorenz Burkhalter
Ein Geschäft der Richemont-Marke Cartier in Hongkong.
Ein Geschäft der Richemont-Marke Cartier in Hongkong.
Bild: cash

Was erhielt die Aktie von Richemont in den Wochen vor der Veröffentlichung des Jahresergebnisses nicht alles an Vorschusslorbeeren: Innerhalb von weniger als sechs Wochen kletterte ihr Kurs von 80 auf gut 98 Franken und damit über das einstige Rekordhoch vom Sommer 2013 bei 96,15 Franken.

Rückblickend waren die Vorschusslorbeeren wohl etwas gar voreilig, wie sich am frühen Freitagmorgen herausstellt. Denn sowohl beim operativen Gewinn (EBIT) als auch beim Reingewinn verfehlt der Luxusgüterkonzern aus Genf selbst die pessimistischsten Analystenerwartungen deutlich.

Zur Stunde wird die Richemont-Aktie an der Schweizer Börse SIX noch mit einem Minus von 5,3 Prozent auf 93,76 Franken abgestraft. Die Tagestiefstkurse liegen bei 90,92 Franken.

Gewinnentwicklung von einmaligen Kosten belastet

Ersten Reaktionen aus dem Analystenlager zufolge weist der Zahlenkranz gleich mehrere, wenn auf den zweiten Blick auch eher kleinere Schwachpunkte auf. Zum einen verfehlt das organische Umsatzwachstum mit 8 Prozent die bei 9,4 Prozent liegenden Marktprognosen leicht. Eher verhalten gestaltete sich insbesondere der Absatz mit Luxusuhren. Von allen Sparten entwickelte sich einzig das Schmuckgeschäft erwartungsgemäss. In den letzten Jahren war gerade dieser Geschäftszweig allerdings immer mal für positive Überraschungen gut.

Aufgrund einmaliger Kosten im Zusammenhang mit dem Rückkauf von Ladenhütern in Höhe von 208 Millionen Euro bleiben der Gewinnbeitrag auf dem Uhrengeschäft sowie jener aus dem Geschäft mit Lederwaren weit hinter den Erwartungen zurück. Doch selbst um die genannten Kosten bereinigt verfehlt der operative Gewinn (EBIT) die Schätzungen um gut 4 Prozent.

Das abgelaufene Geschäfts liege bereinigt um die Lagerrückkäufe und das schlechte Finanzergebnis nur leicht unter den Schätzungen, schreibt die Zürcher Kantonalbank in einem Kommentar. Wie der Autor ergänzt, hatte Richemont bereits im November auf Lagerrückkäufe hingewiesen. Die Markterwartungen für das neue Jahr hält er hingegen für realistisch, weshalb die Richemont-Aktie weiterhin mit "Übergewichten" eingestuft wird.

Fortsetzung der jüngsten Rekordjagd in Frage gestellt

Die Berufskollegen bei der Bank Vontobel und Kepler Cheuvreux gewinnen dem Zanlenkranz ebenfalls eher positive Aspekte ab. Beide begrüssen die Lagerbereinigungen und weisen auf die hohe Barmittelgenerierung hin. Wobei gesagt werden muss, dass sowohl bei der Bank Vontobel als auch bei Kepler Cheuvreux die Richemont-Aktie seit längerer Zeit zum Kauf empfehlen.

Der Luxusgüteranalyst von Julius Bär nimmt seine Kaufempfehlung gar in negative Revision. Vermutlich werde alles beim Alten bleiben, so lässt er jedoch schon mal durchblicken. Das Kursziel lautet 106 Franken.

Im hiesigen Berufshandel wird den verfehlten Erwartungen dennoch ein grösseres Gewicht beigemessen. Wie es heisst, rücken Aktienkurse von 100 oder mehr Franken nach der Rekordjagd der letzten Tage in weite Ferne. Anstatt dem ursprünglich erwarteten Zahlenschub, rechnen Händler nun mit Gewinnmitnahmen.