Geringe Erwartungen - SNB-Zinsschritt könnte dem Franken zusetzen

Die UBS rechnet mit einem schwächeren Franken, sollte die Schweizerische Nationalbank am Donnerstag mit einem Zinsschritt aufwarten. Kepler Cheuvreux sagt, welche Aktien davon profitieren könnten.
17.09.2019 10:27
Von Lorenz Burkhalter
Eine Zugskomposition von Stadler Rail an einer Bahnmesse in Moskau.
Eine Zugskomposition von Stadler Rail an einer Bahnmesse in Moskau.
Bild: Bloomberg

Letzte Woche gab die Europäische Zentralbank (EZB) eine Reduktion der Einlagezinsen für Geschäftsbanken sowie eine Wiederaufnahme der milliardenschweren Wertpapierkäufe bekannt. Diesen Donnerstag ist es nun an der Schweizerischen Nationalbank (SNB), angemessen auf diese Massnahmen zu antworten.

Die SNB-Verantwortlichen sind nicht zu beneiden. Entscheiden sie sich gegen eine Leitzinsreduktion, droht der Franken wieder zu erstarken. Das wiederum würde der angeschlagenen Schweizer Exportindustrie zusetzen. Senken die Verantwortlichen den negativen Leitzins hingegen um 25 Basispunkte auf minus 1 Prozent, nehmen sie billigend Kollateralschäden wie eine weitere Überhitzung des Immobilienmarktes oder Renditeprobleme in der Altersvorsorge in Kauf (cash berichtete). Ausserdem schmälert ein voreiliger Zinsschritt die Möglichkeit, zu einem späteren Zeitpunkt angemessen auf zusätzliche geldpolitische Lockerungsmassnahmen seitens der EZB reagieren zu können.

Finanzmärkte preisen nur einen geringen Zinsschritt ein

Zumindest für die Ökonomen der UBS steht fest, dass die SNB am Donnerstag mit einem Zinsschritt von 25 Basispunkten aufwarten wird. Wie sie in einem Ausblick auf den geldpolitischen Entscheid schreiben, nehmen die Finanzmärkte allerdings gerade mal einen Schritt im Umfang von 5 Basispunkten vorweg. Aus diesem Grund sehen die UBS-Ökonomen den Franken gegenüber dem Euro deutlich schwächer werden, sollte sich die SNB am Donnerstag zu einer Leitzinsreduktion durchringen können.

Denn obwohl sich das Währungspaar etwas von den Mehrjahrestiefstständen von Anfang September bei 1,0812 nach oben lösen konnte, errechnet sich seit Jahresbeginn noch immer ein Minus von etwas mehr als 3 Prozent. Seit Ende Mai beträgt das Minus sogar fast 5 Prozent.

Komax und Stalder Rail mögliche Gewinner

Vielen börsenkotierten Schweizer Unternehmen käme ein höherer Euro-Franken-Kurs deshalb nicht ungelegen. Wie die Aktienstrategen von Kepler Cheuvreux in einem Strategiepapier verraten, weisen der Automobilzulieferer Komax, der Börsendebütant Stadler Rail, der Hörgerätehersteller Sonova und der Sanitärtechnikspezialist Geberit die höchste Abhängigkeit von Währungsschwankungen auf. Ein um 10 Prozent höherer Euro würde den Reingewinn dieser vier Unternehmen zwischen 8 Prozent (Geberit) und 10 Prozent (Komax, Stadler Rail) anschwellen lassen. Ebenfalls als Gewinner eines stärkeren Euros gelten die Zulieferfirmen SFS Group, Feintool, Arbonia und Georg Fischer sowie der Weltmarktführer Straumann und der Spezialitätenchemiehersteller Clariant.

Die Aktienanalysten der UBS nennen weitere mögliche Profiteure, darunter die beiden Halbleiterzulieferer VAT Group und Comet sowie den Textilmaschinenhersteller Rieter. Alle diese Unternehmen weisen einen hohen Kostenblock in Franken bei einem hohen Umsatzbeitrag aus dem Ausland auf.

Es darf erwartet werden, dass die Aktien dieser Firmen mit Kursgewinnen belohnt werden, sollte die SNB den Leitzins am Donnerstag um 25 Basispunkte reduzieren. Der geldpolitische Entscheid kann aber auch ein zweischneidiges Schwert sein. Dann nämlich, wenn die SNB an diesem Tag am Status-Quo festhält.

 

Ausgewählte Produkte auf EUR-CHF

Investment-Ideen von Julius Bär